Tödliche Tritte: Staatsanwalt fordert acht Jahre Haft

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Stolberg. Acht Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge forderte Staatsanwalt Wilhelm Muckel vor dem Aachener Schwurgericht für Eduard E. aus Stolberg. Der 29-Jährige hatte am Abend des 2. November vergangenen Jahres seinen Trinkkumpanen in dessen eigener Wohnung mit einem harten Tritt in den Bauch so schwer verletzt, dass er innerlich verblutete.

Doch selbst die Staatsanwaltschaft ging in ihrem Plädoyer nicht mehr von einem Tötungsvorsatz des 29-Jährigen aus. „Die beiden gerieten in Streit. Das Opfer ging im Flurbereich zu Boden und erhielt vom Angeklagten einen Tritt mit großer Wucht in den Unterbauch“, schilderte Muckel die Tat. Ebenso hart trat E. gegen den Hals des Angegriffenen. Dessen Zungenbein brach dabei.

Der von seiner Statur her dünne 56-Jährige, den Freunde und Bekannte nur das „Küken“ genannt hätten, habe sich noch ins Schlafzimmer geschleppt und sei dort innerlich verblutet. Der Täter legte sich zum Schlafen auf eine Couch.

Der Angeklagte habe zwar als notorischer Alkoholiker zur Tatzeit etwa 4,1 Promille Blutalkohol aufgewiesen. Doch der Staatsanwalt bewertete den Zustand des trinkgewohnten 29-Jährigen als einen „mittlelgradigen Rausch“. Er habe zwar zu einer Verminderung, jedoch keinesfalls zu einer völligen Aufhebung der Schuldfähigkeit des Mannes geführt.

Weil Eduard E. bereits einschlägig vorbestraft ist und zur Tatzeit unter laufender Bewährung stand, sei eine Strafe im oberen Bereich bei einem Höchststrafmaß von rund elf Jahren angemessen. Muckel hielt allerdings ebenso wie der Aachener Verteidiger Rainer Dietz eine Einweisung in eine Entziehungseinrichtung für geboten, dies allerdings erst nach der Verbüßung von zwei Jahren Haft.

Das sah der Verteidiger grundlegend anders. Seinem Mandanten müsse zugute gehalten werden, dass die hochgradige Alkoholkonzentration durchaus zu Aussetzern in seinem Handlungsvermögen geführt haben könnten. Damit sei sehr wohl darüber nachzudenken, ob er nicht völlig unzurechnungsfähig bei der Tat gewesen sei.

Doch auch bei einer Schuldfeststellung durch das Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richter Gerd Nohl sei der Angeklagte als ein Alkoholkranker zu behandeln, der sofort in eine Entziehungseinrichtung müsse - und dies nicht erst nach zwei Jahren Haft. Dietz beantragte eine vierjährige Haftstrafe; acht Jahre seien völlig überzogen. Die beiden Männer seien eigentlich Freunde gewesen, nur der immense Alkoholkonsum habe zu dem beiderseitigen Streit und der folgenschweren Gewalt geführt.

Das Urteil wird am Montag, 3. Juni, um neun Uhr im Schwurgerichtssaal gefällt.

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