Tochter im Ehebett missbraucht: Josef S. auf freiem Fuß

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Haftbefehl gegen Josef K. wurde bis zum Antritt der Strafe außer Vollzug gesetzt. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Aachen/Stolberg. Der Angeklagte Josef S. aus Stolberg konnte nach der Urteilsverkündung der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht nach Hause gehen. Denn sein Haftbefehl war von der Kammer bis zum Antritt seiner Haftstrafe außer Kraft gesetzt worden, obwohl der 59-Jährige gerade eine Haftstrafe von drei Jahren wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen kassiert hatte - seiner damals 17-jährigen Tochter.

Die Anordnung der Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen ist nur zu verstehen, wenn man die ursprüngliche Anklage kennt, die gegen den arbeitslosen dreifachen Vater gerichtet war. Denn darin war er noch wegen mehrfacher Vergewaltigung seiner leiblichen Tochter und gleichzeitig wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt.

Das Gewaltdelikt alleine würde bei einer Verurteilung die Aufrechterhaltung des Haftbefehls begründen, denn dabei wäre eine wesentlich höhere Strafe herausgekommen. Doch die Kammer konnte nach der Beweisaufnahme nicht mehr sicher sein, dass das Mädchen von dem Vater mit Gewalt zum Sex gezwungen worden war.

„Bei der sechsstündigen Aussage der Geschädigten war die Konsistenz der berichteten Handlungen nicht immer gegeben“, hieß es im Urteil. Was heißt, dass die Zeugin sich in Widersprüche verwickelt hatte. Die Aussage des Mädchens hatte im Übrigen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden, also auch der Presse.

Dass der Geschlechtsverkehr mit der noch nicht volljährigen Tochter tatsächlich vollzogen worden war, wurde allerdings zweifelsfrei durch ein DNA-Gutachten nachgewiesen. Am Montag nach der Tat, die sich am Wochenende des 9. und 10. Oktober 2015 ereignet hatte, machte sich die 17-Jährige auf zum Stolberger Jugendamt, das die Familie schon länger betreute. Dort berichtete sie von den Übergriffen, die bereits länger stattgefunden haben sollten und mit Gewalt erzwungen worden seien.

Die 17-Jährige wurde im Aachener Klinikum untersucht. Das Ergebnis war der eindeutige Fund von Spermien des Vaters. Die Aussagen von Sozialarbeitern machten deutlich, dass in der Familie so gut wie nichts stimmte. Der jüngere Sohn war auffällig und wurde betreut, die ältere Schwester war nach einer Schwangerschaft in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht worden.

Und die jüngere Schwester, das jetzige Opfer, schlief schon seit längerem regelmäßig beim Vater im Ehebett. Die Mutter war auf eine Schlafcouch ausquartiert worden - warum, das ließ sich im Prozess nicht ergründen. Aufgrund dieser jetzt erst festgestellten Sachlage wird die Staatsanwaltschaft ein neues Ermittlungsverfahren anstrengen. Die Sache ist für Josef S. also noch nicht zu Ende.

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