Therapeutisches Reiten gehört zum Unterricht an der Förderschule

Von: oha
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Daniel, Farusa, Daniil und Marcello (Kinder, von links) haben sich mit Pony Kobold angefreundet. Therapeutin Irene Jakobs (2.v.r.) sowie Schulsozialarbeiterin Brigitte Brosius (rechts) geben Tipps beim therapeutischen Reiten. Das Projekt unterstützen Provinzial-Sprecherin Martina Hankammer (3.v.l) mit einer Spende sowie Angelika Greiwe-Krapohl und Hans-Joachim Hofmann vom Förderverein „Fundevogel“ (v.l.). Foto: O. Hansen

Stolberg. „Kobold“ ist erstaunlich geduldig. Vier Kinder gleichzeitig versuchen, den Ledersattel auf seinem Rücken zu befestigen. Das Pony steht ruhig in der Mitte. Seine Mähne haben die Kinder schon bearbeitet. „Er sieht aus wie Elvis Presley“, verkünden sie stolz. Und dann geht es gemeinsam auf den Reitplatz.

Kobold gehört zu den „tierischen Therapeuten“, die auf dem Pferdehof von Irene Jakobs an der Hastenrather Straße 103 in Stolberg unter dem Motto „Kids auf Trab“ mit den Grundschulkindern der Förderschule Elsassstraße arbeiten. An der Aachener Schule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung steht für insgesamt 16 Schülerinnen und Schüler der Primarstufe einmal die Woche das Therapeutische Reiten auf dem Stundenplan.

„Wenn die Kinder nach drei Stunden das Zentrum für therapeutisches Reiten verlassen, sind sie wie ausgewechselt“, berichtet Schulsozialarbeiterin Brigitte Brosius begeistert. Die städtische Schule betreut Kinder, die eine niedrige Frustrationstoleranz haben, die oft mutlos sind und antriebsschwach, an ADHS leiden oder autistisch veranlagt sind. „Die kommen nach dem Reiten wie ausgewechselt in die Schule zurück, erzählen begeistert von ihren Erfolgserlebnissen“, so Brosius. „Die sitzen dann ganz anders im Unterricht.“

Bei der Arbeit mit dem Pferd werde die Motorik besonders geschult, so Andrea Mans, Koordinatorin der Schule. Viele Kinder könnten heute ja nicht einmal auf einem Bein stehen. Sie verbrächten viel Zeit sitzend vor dem Computer, statt sich zu bewegen. Auch das Sozialverhalten werde geschult, der Unterricht mit den Pferden finde ja in der Gruppe statt. Die Kinder lernten in der Reittherapie auch, feste Regeln einzuhalten. Anders sei die Arbeit mit den Tieren nicht zu bewältigen, so Therapeutin Irene Jakobs.

Angelika Greiwe-Krapohl, psychoanalytische Kinder- und Jugendtherapeutin sowie Vorsitzende des Fördervereins für Erziehungshilfe Aachen „Fundvogel“, bestätigt: „Das therapeutische Reiten fördert das Selbstvertrauen und später auch das Vertrauen in andere.“

Seit Jahren unterstützt der Verein das Projekt Therapeutisches Reiten in Stolberg. Vize-Vorsitzender Hans-Joachim Hofmann lässt sich von den Kindern am Freitagmorgen ebenfalls beeindrucken. Marcello, Daniil, Daniel und Farusa haben das Pony fest im Griff. Zum Aufwärmen wird es an den Zügeln einmal um den Reitplatz geführt. Dann darf das erste Kind auf Kobolds Rücken.

Kinder, die schon länger am therapeutischen Reiten teilnehmen, können bereits kleine Kunststücke im Sattel vorführen. „Zuletzt konnten sich davon Zuschauer bei der Reit-Europameisterschaft in Aachen überzeugen. Dort sind unsere Kinder mit ihrem Pony aufgetreten“, sagt Therapeutin Irene Jakobs.

„Als ihre Namen vom Stadionsprecher genannt wurden, waren die Kinder stolz.“ Ohne Sponsoren, gemeinnützige Stiftungen oder Fördervereine wäre die Schule nicht in der Lage, diese wichtige Therapieform anzubieten. Angelika Greiwe-Krapohl ist daher froh, mit der Provinzial Stiftung auf einen starken Partner zurückgreifen zu können. Die Stiftung unterstützt das therapeutische Reiten in verschiedenen Einrichtungen im Rheinland mit insgesamt 40.000 Euro.

Für die Finanzierung des Angebots von Kinds auf Trab in Stolberg überbringt Provinzial-Sprecherin Martina Hankammer an diesem Freitag eine Spende von 1500 Euro. Damit sind auch die Reitstunden von Marcello, Daniil, Daniel und Farusa gesichert. Sie dürfen ein halbes Jahr auf Kobold reiten. Dann kommt eine neue Gruppe der Schule in den Genuss der Therapie. Weitere Infos unter www.kids-auf-trab.de.http://www.kids-auf-trab.de

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