Theatertruppe „Applaus“: Die letzte Klappe fällt

Von: Annika Kasties
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Schwerer Entschluss: Als Leiter der Theatergruppe Applaus musste Heinz Milcher schon viel improvisieren. Mit dem Stück „Kaiserschnitt im Paternoster“ ist damit Schluss. Foto: A. Kasties
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Eine turbulente Klinikklamotte zum Abschluss: Die Charaktere „Dr. Güldenstern“ und „Frau Präsidentin“ sind sich in dem Stück „Kaiserschnitt im Paternoster“ sehr nah gekommen. Foto: A. Kasties

Stolberg. Heinz Milcher musste in seiner Tätigkeit als Leiter der Theatergruppe „Applaus“ schon häufig improvisieren. Zum Beispiel 1997, als Sonntagfrüh feststand, dass eine Schauspielerin wegen Krankheit am selben Abend nicht spielen könne. Die Lösung: Milchers Tochter lernte innerhalb eines Tages den Text und sprang kurzerhand ein.

Kreativität war auch sieben Jahre zuvor bereits einmal gefragt gewesen. Dieses Mal allerdings von der ganzen Gruppe. Eine der Schauspielerinnen hatte es nämlich versäumt, zur Aufführung von „Das Haus in Montevideo“ zu erscheinen. Und hatte sich zuvor auch nicht abgemeldet. Der Grund: Ihr Fußballverein war am Abend davor aufgestiegen, die Mannschaft war daraufhin im Freudentaumel versackt. Und die Laienschauspielerin als Fußball-Aktive gleich mit. Besonders problematisch: Den Schauspielkollegen fiel die unbesetzte Position im Theaterstück erst nach der Pause auf – als die Szene der Fußballerin fällig war. „Eine Schlüsselszene auch noch“, erinnert sich Milcher. Doch auch dieses Problem lösten die Laienschauspieler, und schrieben noch während der Aufführung das Stück kurzerhand noch einmal um.

Eine Lösung für die aktuelle Misere der Theatergruppe des Eifel- und Heimatvereins Breinig hat Milcher hingegen nicht. Der Nachwuchs an Mimen fehlt, vor allem der männliche.

„Zudem haben Schüler wegen der Ganztagsschule auch kaum noch Zeit, Theater zu spielen.“ Als sei das nicht schon genug, kündigen sich für das laufende Jahr auch gleich zwei weitere Baustellen an: Der Proberaum, ein Pavillon auf dem Schulhof der Gemeinschaftsgrundschule Walheim, soll noch dieses Jahr abgerissen werden. Und auch das Team hinter der Kulisse beginnt zu bröckeln. Die beiden Bühnenbauer geben ihre wichtige Aufgabe auf.

Mit weit über 70 Jahren seien sie nun in einem Alter, in dem sie keine Bretter mehr für die Requisiten bohren könnten, berichtet Milcher. Der Leiter der Theatergruppe zog mit seinen knapp 20 Mitstreitern den Entschluss: Nach 29 Jahren ist Schluss mit dem Team von Applaus. Die aktuelle Produktion der Theatergruppe wird zugleich auch ihre letzte sein.

Angefangen hatte alles mit einem Fotokurs. Im Rahmen der Jugendarbeit an der Pfarre St. Barbara in Breinig ging Milcher mit den Jungen und Mädchen samt einer Kamera auf Entdeckungstour.

Als sie „alles fotografiert hatten, was es zu fotografieren gab“, inszenierte die Gruppe ihr erstes Theaterstück, „Das fliegende Klassenzimmer“. Einige Jahre später gründete Milcher auf Anregung seines Sohnes die Theatergruppe Applaus unter dem Dach des Eifel- und Heimatvereins Breinig.

Und das über eine sehr lange Zeit mit Erfolg und Leidenschaft. Seit 1988 inszenierten die Laienschauspieler bereits 27 Theaterstücke.

Für die 30 Jahre sollte es jetzt leider nicht mehr reichen. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Milcher, der jedes Theaterstück seit der Gründung des Teams begleitet hat, mal auf, mal neben der Bühne. Zum Abschluss darf es deshalb noch einmal richtig lustig werden.

„Kaiserschnitt im Paternoster“ von Hansi Berwanger steht auf dem Programm – eine „turbulente Klinikklamotte“. „Es geht um ein Krankenhaus, das marode ist und von Nonnen geführt wird“, erklärt Milcher. Als dann noch der Ministerpräsident zu Besuch komme, gehe erst recht alles drunter und drüber. Vor allem, als der Ministerpräsident einen Schwächeanfall erleide und er damit, in Lebensgefahr, selbst zum Patienten in der Klinik werde.

Dass sich das amüsante Chaos bei der letzten Inszenierung auf das Geschehen auf der Bühne beschränken möge, darauf hofft nun Milcher. Und wenn nicht, sei es drum. Dann werde eben wieder improvisiert.

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