Theater: Liebe und Freundschaft statt Fanatismus

Von: Dirk Müller
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Die Darsteller von „Jungfrau ohne Paradies“ reißen das junge Publikum mit, so dass bei dem interaktiven Stück schwierige Themen angesprochen werden können. Foto: D. Müller

Stolberg-Donnerberg. Paul und Cem sind „Brüder“ und wollen echte „Gangsta-Rapper“ sein. Johanna stammt aus bürgerlichem Elternhaus und ist in Paul verliebt. Aus Rebellion gegen ihre fremdenfeindlichen Eltern experimentiert sie, indem sie Kopftuch oder sogar Vollverschleierung trägt.

Paul verändert sich, interessiert sich für den Islam, und zunächst kann Johanna verstehen, dass die klaren Regeln der Religion und die starke Gemeinschaft der Gläubigen dem perspektivlosen jungen Mann helfen, ihm Halt in seinem Leben geben. Doch Paul gerät an die Falschen und radikalisiert sich.

Heimspiel für Alessandra Ehrlicher

Energiegeladen, laut und mit einer gehörigen Portion Humor beginnt die Inszenierung „Jungfrau ohne Paradies“ in der Kleinen Offenen Tür (KOT) St. Josef, doch schon bald bestimmen nachdenkliche Töne das Theaterstück von Gerburg Maria Müller und der Stolbergerin Alessandra Ehrlich.

Jugendsprache, bisweilen auch deftig eingesetzt, und zahlreiche interaktive Elemente sprechen das jugendliche Publikum enorm an, so dass die Heranwachsenden in der prall gefüllten KOT sich bald mitten im Geschehen wähnen – und damit in einer äußerst brisanten Thematik.

Paul (Christian Müller) ist entschlossen in den Dschihad, den Heiligen Krieg, ziehen, das Flugticket hält er bereits in den Händen. Seine Freundin Johanna (Alessandra Ehrlich) will dass er hier bleibt, gesteht ihm ihre Liebe ein. Pauls Kumpel Cem (Levent Özdil) sagt: „Das sind nicht deine Freunde. Du überlebst da keine zwei Wochen, bist nur Kanonenfutter. Du kommst nicht ins Paradies, du kommst in die Hölle, Mann!“

Doch Paul will „eine Art Prophet“ werden, „Verantwortung übernehmen und für seine Brüder und Schwestern einstehen und gegen die Ungläubigen kämpfen“. Cem überrascht das Publikum damit, dass in den Augen von radikalen Islamisten der gesamte Zuschauerraum voller Ungläubiger sei, da auch die Muslime, weil sie mit Christen und Andersgläubigen gemeinsam in einem Raum ein Theaterstück verfolgen, als Ungläubige angesehen würden.

Immer wieder werden die Jugendlichen in die Theaterhandlung einbezogen, etwa als das Stück unvermittelt in einen „Gameshow-Modus“ schwenkt, und das Publikum gefordert ist, für die „Kandidaten“ abzustimmen. Das Votum fällt eindeutig aus: Cem, dessen Motto „Leben und leben lassen – jeder darf leben“ ist, gewinnt die Wahl fast einstimmig.

Jugendliche in der KOT gepackt

Die Theaterproduktion vom Künstlernetzwerk „New Limes und WIR! e. V.“ beschränkt sich nicht auf das Thema religiöser Fanatismus. Probleme junger Menschen in Zusammenhang mit Schule, Ausbildung, Eltern werden gemeinsam mit dem Publikum angesprochen, Werte wie Freundschaft, Liebe und Respekt szenisch wie im Dialog mit den Zuschauern erarbeitet.

„Jungfrau ohne Paradies“, das die KOT mit Unterstützung des Bistums, der Stadt Aachen sowie des Kommunalen Integrationszentrums der Städteregion bei freiem Eintritt präsentiert, packt die Jugendlichen, begeistert und unterhält sie zunächst, um sich in der Folge schwierigen Themen zu widmen.

Dementsprechend aufmerksam sind die Heranwachsenden und beteiligen sich rege an der interaktiven Inszenierung. Und als am Ende Freundschaft und Liebe den Kampf gegen religiöse Radikalisierung gewinnen, Paul eine junge Zuschauerin sein Ticket in den Heiligen Krieg zerreißen lässt und entschließt, zu Hause zu bleiben, ist der Applaus für die Darsteller, das Theaterstück und das „Happy End“ sehr lautstark und langanhaltend.

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