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Theater Kristall spielt „Jedermann und Niemand“

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Stolberg. Die Aachener Theatertruppe Theater Kristall zeigt in ihrer siebten Produktion vier heitere, aber auch nachdenkliche Einakter von Lope de Rueda, Gil Vicente und der Aachener Philosophin Marita Dreckmeyer, die eine Vorlage von Angelo Beolco neu bearbeitet und aktualisiert hat. Die Aufführung unter dem Titel „Jedermann und Niemand – Vier Geschichten, die das Leben schreibt“ findet im Kulturzentrum Frankental statt.

Am Samstag, den 18. Januar um 20 Uhr in der Frankentalstraße 3.

Vor hundert Jahren begann der erste gezählte Weltkrieg, vor 68 Jahren endete der zweite. Das ist offensichtlich schon wieder zu lange her, um sich ein Bild zu machen, was Krieg für den einzelnen Menschen bedeutet, obwohl sich das Leid des Krieges im Laufe der Geschichte nicht verändert hat. Seitdem die Kriege am Hindukusch geführt werden, sieht es so aus, als ob Kriege und Soldaten wieder normal werden, nur dass sich niemand vor Augen führt, was Krieg bedeutet. Das Theater Kristall möchte das tun.

Ein einfältiger, alter, spanischer Bauer ließ sich als Söldner werben, weil er einmal im Leben etwas Großes tun möchte. Er wollte auch einmal reich werden und Abenteuer erleben. Da schien der Krieg eine willkommene Gelegenheit zu sein. Heimgekehrt muss er feststellen, dass er sich den Krieg ganz anders vorgestellt hatte und die Heimkehr ebenfalls. Seine Einfalt wird seine Rettung, sei es, dass er in der Schlacht sehr praktische, wenn auch höchst unsoldatische, Überlebensstrategien fand, oder dass er eine Scheinwelt erfindet, die ihm hilft, der allzu brutalen Realität zu entfliehen.

Er ist wie Don Quichotte eine tragische, aber auch komische Figur. Er erzählt, ohne zu moralisieren, was es für den Soldaten als Mensch bedeutet, in den Krieg zu gehen. Schlicht, ergreifend, unprätentiös. „Die Heimkehr des Söldners“ nach einer alten Vorlage von Angelo Beolco aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt von Marita Dreckmeyer.

Vor der Pause zeigt das Theater Kristall vier Possen aus derselben Zeit. Beelzebub wird frech und unverblümt aussprechen, was Jedermann tut, aber Niemand gerne hört. Das Theater Kristall nimmt die Zuschauer mit nach Spanien.

Die vier Geschichten sind zwar ein paar hundert Jahre alt, aber niemand glaube, sie seien veraltet. Menschen sind mit ihren Träumen, Bosheiten, Dummheiten, ihrer großen Liebe und ihrer Leidenschaft über Jahrhunderte stets dieselben geblieben. Das Theater Kristall hat wieder einmal ein paar nicht so bekannte, aber echte Schätze ausgegraben, als da seien:

„Die Oliven“ und „Die Einladung“ von Lope de Rueda (1510 - 1565) sowie „ Jedermann und Niemand“ von Gil Vicente (um 1465 - 1536): Wie drücke ich mich davor, einen Gast zu bewirten, wenn das Geld gerade knapp ist? Das Theater Kristall wird dieses Problem in der Einladung mit Humor vortragen. Um ungelegte Eier (oder auch Oliven) lässt es sich wunderbar streiten.

Das Theater Kristall ist eine freie Theatertruppe aus Aachen. Der Leiter, Dr. Karl Schulz, zeigt mit dem diesjährigen Stück seine sieb­te Inszenierung. Er sucht seit Jahren unbekannte Stücke von Klassikern, um sie auf kleinen Bühnen zu präsentieren; denn Klassiker sind Klassiker geworden, weil sie zeitlos gut sind.

So standen in den letzten Jahren Giaccomo Leopardi, Anton Tschechov, J. Millington Synge, Leo Tolstoi, Georges Courteline, Katherine Mansfield und Ka­barettisten, Li­brettisten um 1900 – wie Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Ludwig Tho­ma, Erich Mühsam und andere – auf dem Programm. Das aktuelle Motto: Tragikomik, hintergründiger Witz – und das alles ohne Comedy.

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