Termitensichere Gefäße aus Stolberg in Afrika einst heiß begehrt

Von: Christoph Hahn
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Heimatforscher aus Leidenschaft: Der Stolberger Friedrich Holtz faszinierte die Mitglieder des Eifel- und Heimatvereins Breinig mit seinem Vortrag über die Industriegeschichte der Herstellung von Kupfer und Messing. Foto: Christoph Hahn

Stolberg-Breinig. Eines kann Friedrich Holtz, eines vor allen Dingen: Der Stolberger Heimatforscher kann erzählen, und am liebsten erzählt er von seiner Heimatstadt und wie sie die geworden ist, die sie heute halt ist. Proben dieser Gabe bekamen jetzt Interessierte im Saal der Gaststätte „Zur Treppe“ zu hören.

Zusammengeführt hatte sie an diesem Ort in Alt-Breinig das 65-jährige Bestehen des Eifel- und Heimatvereins, dessen Aktive dieses Jubiläum unter anderem mit einer Reihe von Festvorträgen begangen haben.

Mit Holtz‘ Referat über „Kupfer und Messing in Stolberg“ klang nun dieser Zyklus aus. Holtz räumte mit Irrtümern der Vergangenheit auf: „Messing wurde als gefärbtes Kupfer angesehen.“ Er ordnete die Herstellung von Messing vor allem durch protestantische Glaubensflüchtlinge, die Kupfermeister, in den geographischen Kontext der Stadt ein und wies auf die Nutzung der Vicht für die Antriebskraft der Hammerwerke und die Bedeutung der nahen Eifel für die Gewinnung von Holzkohle hin.

Er weitete den Blick: „Die Kupfermeister waren Global Players.“ Und er dokumentierte mit ausgewählten Fotos, dass Messinggefäße aus Stolberg in West- und Zentralafrika als termitensichere Aufbewahrung für Festgewänder benutzt wurden.

In der Betrachtung der Heimatgeschichte erwies sich der Gast als ziemlich unsentimental. Klar benannte er den Gang der Dinge: „Die Zinkdestillation bedeutet den Untergang des Messinggewerbes in Stolberg.“

Zink verdrängte Messing

Zudem fehle ein wichtiger Rohstoff: „Galmei gibt es heute praktisch nicht mehr.“ Es ist eine lange Geschichte, die Friedrich Holtz an diesem Abend in Breinig aufrollt. Viele Zuhörer nennen ihn ganz vertraut „Fritz“: Das zeigt an, wie beliebt der Kenner der heimischen Natur- und Industriegeschichte bei den Mitgliedern des Eifel- und Heimatvereins ist.

Vergangenheit ist lebendig

Die Beliebtheit merkt der Beobachter auch an der warmherzigen Art und Weise, wie der 90-jährige Vereinsvorsitzende Josef Naumann ihn willkommen hieß – und daran, dass Kulturwartin Dr. Hedwig Pötters eine alte Tracht von Bergleuten mit vielen, vielen Messingknöpfen angezogen hatte.

Denn die Vergangenheit ist in Breinig nicht tot – sie lebt in der Erinnerung derer, die das Gedenken an sie hegen und pflegen.

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