„Tempo 30 eine vergebliche Liebesmühe”

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
tempo03bu
„Keine Chance für eine generelle Tempo-30-Regelung”: Auf den Landesstraßen soll in den Ortsdurchfahrten, wie hier auf der Sebastianusstraße, in der Regel weiterhin 50 km/h gefahren werden dürfen. Foto: J. Lange

Stolberg. „Wir werden freundlich, aber bestimmt antworten und dankend ablehnen”, kündigt Bernd Egenter freundlich an, dass das vollmundige Vorhaben der Stolberger Stadtverwaltung beim Landesbetrieb Straßenbau wohl eher ein Fall für den Papierkorb ist.

„Wir kennen das schon”, sagt der Leiter der Planungsabteilung der Behörde mit Sitz in Euskirchen. „Das haben auch schon andere Städte versucht, da sind die Stolberger nicht die ersten.”

31 Kilometer

Was der Landesbetrieb als „vergebliche Liebesmühe” wertet, ist ein Vorschlag der Stadtverwaltung an den Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt: auf allen Ortsdurchfahrten im Stadtgebiet soll Tempo 30 angeordnet und die nötigen Verfahrensschritte dazu eingeleitet werden. Das betrifft alle innerörtlichen Hauptverkehrsadern, die nahezu ausnahmslos in der Trägerschaft des Landes oder der Städteregion liegen.

Die betroffenen Straßenabschnitte, auf denen nach dem Vorschlag von Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt Tempo 30 gelten soll, summieren sich auf insgesamt rund 31 Kilometer Länge. Einzige Ausnahme soll die Europastraße zwischen dem Fettberg und dem südlichen Ortsausgang sein.

Ziel des Vorschlages ist es, in den Orten „das Geschwindigkeitsniveau zumindest zu senken, auch wenn diese Höchstgeschwindigkeit regelmäßig überschritten wird”, erläutert Pickhardt. Denn auf diesen Durchgangsstraßen würden sich die Probleme summieren: Insbesondere der zunehmende Durchgangsverkehr führe zu Problemen bei der Sicherheit, bei Lärm und bei der Aufenthaltsqualität. Innerörtliche Verkehrsbeziehungen kreuzten die überregionalen, Fußgänger, Radfahrer wie Anwohner seien gleichermaßen die Leidtragenden.

Aber, so argumentiert Pickhardt, „es ist nicht realistisch, die Verkehre etwa durch den Bau zahlreicher Umgehungsstraße zu entflechten”. Es müssten andere Lösungen her. Dies könnten verkehrsberuhigende Umbauten der Hauptstraßen in den Ortsdurchfahrten sein.

„Aber flächendeckende Umgestaltungen der Straßen sind nicht kurz- bis mittelfristig umzusetzen”, analysiert der Fachbereichsleiter. Denn auch den zuständigen Straßenbaulastträgern fehle dafür das Geld. Außerdem seien solche Einbauten nur bedingt wirksam: Weil Lkw-Verkehr passieren können muss, könnten Pkw nicht hinreichend zu langsamem Tempo gezwungen werden. Letztlich bleibe nur eine allgemeine Begrenzung der Geschwindigkeit auf 30 km/h.

Genau das schlägt der Fachbereichsleiter dem Verkehrsausschuss vor. Die Stadt solle als Verkehrsordnungsbehörde Tempo 30 auf den Durchgangsstraßen anordnen. Allerdings macht Pickhardt auch auf die Rechtslage aufmerksam. „Die Straßenverkehrsordnung definiert 50 km/h als Regelhöchstgeschwindigkeit für alle Fahrzeuge innerhalb geschlossener Ortschaften”, und „die Umsetzung” einer Geschwindigkeitsbeschränkung durch Beschilderung etc. „obliegt dem jeweiligen Straßenbaulastträger”.

Und der gedenkt nicht daran, grundsätzlich solche Beschränkungen umzusetzen. „Denn Landesstraßen dienen der überörtlichen Verkehrsverbindung und wie der Gesetzgeber es gesagt hat, gilt dort in der Regel Tempo 50”, betont Egenter. Ausnahmen von der Regel mache der Landesbetrieb nur an besonders unfallträchtigen Abschnitten sowie im direkten Umfeld von Kindergärten und Schulen. „Generell wird´s aber auf den Landesstraße bei 50 km/h bleiben”, sagt Egenter. Aber auf ihren eigenen Gemeindestraßen könne die Stadt natürlich problemlos die Geschwindigkeiten begrenzen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert