Stolberg - Taten Karls gebührend besungen

Taten Karls gebührend besungen

Von: mlo
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Der Madrigalchor Aachen brachte in der Stolberger Finkenbergkirche Kompositionen aus der Zeit Karls des Großen zu Gehör. Das Publikum war angetan vom Vortrag. Foto: M.L. Otten
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Professor Hans Leenders stellte an der Orgel Werke von drei Komponisten vor. Foto: M.L. Otten

Stolberg. Unter dem Titel „Im Schatten Kaiser Karls“ bot der Madrigalchor Aachen in der Finkenbergkirche in einem Sonderkonzert Musik aus der Zeit der Heiligsprechung Karls des Großen im Jahr 1165 bis zur Neuzeit. Der Schwerpunkt lag dabei auf Kompositionen aus dem weiteren Umkreis von Aachen und dem Dreiländereck.

Unter Hans Leenders, Professor für Orgel und Dozent für Musikgeschichte am Konservatorium Maastricht, leisteten die rund 30 begeisterten, teils (semi-)professionellen Sängerinnen und Sänger Unglaubliches. Beginnend mit einer wahren Stadthymne „Urbs Aquensis“, einem gregorianischen Gesang, indem die Taten Karls des Großen gebührend besungen werden und Aachen als Königsstadt und Thronsitz des Reiches gefeiert wird, zeigten sie gleich ihre Qualität. Die Intonation war bemerkenswert rein und man merkte, dass es genauso anspruchsvoll sein kann, unisono zu singen wie polyphone Klänge anzustimmen. Mit wundersamer Leichtigkeit reizten sie jedes Stück aus.

Das „O spes afflictis“ ist eine Komposition von Johannes Mangon, der ab 1567 als Kapellmeister für die Musikpflege am Aachener Dom zuständig war. Er schrieb die Lobpreisungen für das jährlich stattfindende Karlsfest, bei dem Karl als Heiliger verehrt wird. Wenn die Stücke auch heute eher bedenklich erscheinen, entsprachen sie aber damals den religiösen und politischen Gepflogenheiten .

Als Genfer Psalter wird eine Reihe von frühen reformierten Gesangbüchern mit gereimten Psalmtexten in französischer Sprache bezeichnet. Diese einstimmigen Psalmen waren die einzige Musik, die Calvin in der Kirche guthieß. Auf dieser Basis entfaltete sich Jan Pieterszoon Sweelincks Vokalschaffen mit großer Vitalität und Polyphonie. Der Madrigalchor Aachen stellte den niederländischen Organisten und Komponisten in den Psalmvertonungen 7 und 120 vor.

Kein niederländischer Komponist richtete den Blick so sehr nach Deutschland wie Henk Badings, führender niederländischer Komponist des 20. Jahrhunderts. Seine Zusammenarbeit mit Nazideutschland führte dazu, dass er nach dem 2. Weltkrieg vom öffentlichen Musikleben ausgeschlossen wurde. In dieser Zeit schrieb er - von Haus aus Agnostiker (ist nicht hundertprozentig von der Existenz eines Gottes überzeugt) - die „Missa brevis“, aus dem das „Gloria“ an diesem Nachmittag zu hören war. Das Berufsverbot wurde 1947 revidiert.

Eine Uraufführung gab es mit einer Komposition von Ursula Wawroschek, Aachener Pianistin und Komponistin. Ihr ist es gelungen, die Atmosphäre dreier Gedichte („Blauer Schmetterling“, „Im Nebel“, „Welkes Blatt“) von Hermann Hesse musikalisch umzusetzen. In Stolberg gab es dafür viel Anerkennung.

Als Kontrast zu den vokalen Darbietungen rundete der in der Liebfrauen-Basilika in Maastricht tätige Kantor und Organist Leenders den Nachmittag mit Orgelkompositionen von drei Komponisten aus Limburg ab. Mathieu Geelen stammt aus Sittard und studierte am Maastrichter Konservatorium. In seinem „Livre d’orgue“ spielte der Rhythmus eine wichtige Rolle, meditative Elemente wechseln mit wuchtvollen Klängen. Matty Niel studierte in Maastricht, hatte aber auch Unterricht bei Anton Webern, der für ihn richtungsweisend war. Dennoch war Niels Sprache in den drei Chorälen, die Leenders ausgesucht hatte, aufgelockerter und moderner. Der Dritte im Bunde, Marius Monnikendam, wirkte vor allem im Westen der Niederlande. Später verlegte er seinen Wohnsitz nach Heerlen. Seine „Toccata“ kommt einer Improvisation nahe: vielfältige fantasievolle Variationen bestimmen das Werk.

Kritische Fragen wurden mit der „Ballade des äußeren Lebens“ aufgeworfen. Das Gedicht von Hugo von Hofmannsthal in der Vertonung von Hans Leenders beschäftigt sich mit der Nutzlosigkeit und der Vergänglichkeit des Lebens. Im Wechsel von Weinen und Lachen, Lust und Müdigkeit, dem Niederfallen nach dem Erblühen und der Todesnähe des Lebens. Tiefsinn und Trauer sind die Frucht des Lebens, die Ernte, sein Ertrag und gleichen damit den hohlen Waben, die ihren Ertrag preisgegeben haben.

Nach diesem hörens- und bemerkenswerten Schlusspunkt gab es viel Beifall. Für die Sängerinnen und Sänger bedeutete das Konzert den Auftakt für die Irlandtournee im kommenden Monat.

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