Stolberg - Tarifrunde der IG Metall: „Der Bedarf an Altersteilzeit ist enorm“

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Tarifrunde der IG Metall: „Der Bedarf an Altersteilzeit ist enorm“

Von: Michael Grobusch
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Noch sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Tarifrunde 2015 weit voneinander entfernt. Deshalb könnte es auch in Stolberg bald Warnstreiks geben. Foto: J. Lange
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Fordert mit der IG Metall unter anderem 5,5 Prozent mehr Entgelt: Martin Peters. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Die erste Verhandlungsrunde war schnell beendet. Ohne Annäherung und Gegenangebot sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg und Bayern zum Auftakt der Tarifrunde 2015 auseinander gegangen. Seit Donnerstag ist auch Nordrhein-Westfalen am Ringen um einen neuen Abschluss beteiligt.

Und damit könnte auch Stolberg bald involviert sein. Das zumindest erwartet Martin Peters. Der Gewerkschaftssekretär hat sich im Gespräch mit unserer Zeitung zu den Forderungen und Erwartungen der IG Metall geäußert.

Zum Auftakt der Verhandlungen haben sich große Differenzen zwischen den Tarifparteien offenbart. Wie bewerten sie die Ausgangslage nach den ersten Gesprächen?

Peters: Für eine Bewertung ist es vor dem Ablauf der Friedenspflicht Ende Januar noch zu früh. Ich finde es aber interessant zu sehen, an welchen Stellen Konflikte aufbrechen könnten. Es ist nicht unerwartet, dass sich die Arbeitgeber bei den qualitativen Themen Altersteilzeit und Bildungsteilzeit querstellen. Dahinter steckt der politische Anspruch, sozusagen Herr im eigenen Haus zu sein und alleine bestimmen zu wollen, obwohl wir in Deutschland in mitbestimmten Unternehmen arbeiten.

Die IG Metall fordert 5,5 Prozent mehr Entgelt. Ist diese Höhe gerechtfertigt?

Peters: Wir haben ein Grundmodell zur Berechnung unserer Forderungen. Darin werden der Inflationsausgleich und die Produktivitätssteigerung berücksichtigt. Fakt ist, dass drei Viertel der Unternehmen in unserer Region das Jahr 2014 mit einem guten oder sehr guten Ergebnis abgeschlossen haben. Wir wollen, dass die Arbeitnehmer angemessen an den erwirtschafteten Gewinnen beteiligt werden. Deshalb unsere Forderung nach 5,5 Prozent mehr Entgelt.

Der bisherige Tarifvertrag läuft wegen der gesetzlichen Neuregelung zur abschlagsfreien Rente für langjährige Beitragszahler Ende März aus. Wie soll es danach weitergehen?

Peters: Da es keine gesetzliche Altersteilzeit in Deutschland gibt, wollen wir für unsere Branche natürlich einen neuen Tarifvertrag abschließen. Ich halte es für ausgesprochenen Schwachsinn, wenn die Arbeitgeber behaupten, von der Altersteilzeit würden nur Menschen profitieren, die keine Lust mehr hätten zu arbeiten. Bei vielen Kollegen gibt es ein sehr hohes Interesse daran, auch in Zukunft die Möglichkeit zu besitzen, vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden zu können. Altersteilzeit hat auch etwas mit langjähriger Anerkennung der Lebens- und Arbeitsleistung – oftmals in Belastungsjobs –zu tun. Der Bedarf in den Betrieben ist enorm.

Gilt das auch für die Weiterbildung?

Peters: In jedem Fall. Heute wird von Beschäftigten mit Berufsausbildung erwartet, dass sie sich regelmäßig weiterqualifizieren, um an der betrieblichen Entwicklung teilnehmen zu können. Allerdings ist das bislang die persönliche Angelegenheit und das persönliche Risiko der Arbeitnehmer. Wir wollen aber, dass sich die Unternehmen in Zukunft beteiligen, denn sie profitieren enorm von qualifizierten Beschäftigten. Dafür brauchen wir einen tariflichen Anspruch auf Freistellung und einen Entgeltausgleich.

Wann werden die Tarifverhandlungen Stolberg erreichen?

Peters: Nach Ablauf der Friedenspflicht am 28. Januar, weil ich nicht erwarte, dass es bis dahin eine Einigung geben wird. Unsere Verwaltungsstelle startet mit einer Funktions- und Aktionskonferenz am 3. Februar im Eschweiler Talbahnhof. Dort wollen wir ein erstes starkes Zeichen setzen.

Und wenn eine aus Ihrer Sicht zufrieden stellende Reaktion ausbleiben sollte?

Peters: Dann könnte es in der Woche nach Karneval erste Warnstreiks geben. Und vielleicht später noch mehr: Wir bereiten uns auch durchaus ernsthaft auf eine Urabstimmung vor. Die Mobilisierungsfähigkeit unserer Mitglieder ist sehr hoch, in dieser Runde vor allem wegen der Altersteilzeit.

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