Stolberg - Tarifgespräche abgebrochen: Bei Prym droht Eskalation

Tarifgespräche abgebrochen: Bei Prym droht Eskalation

Von: Michael Grobusch
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Stolberg. Der Streit um einen neuen Haustarif bei der Firma Prym droht zu eskalieren. „Die Arbeitgeber haben die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Deshalb gibt es auch keinen neuen Termin“, bestätigte Martin Peters, Gewerkschaftssekretär der IG Metall, am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Die Situation spitzt sich damit weiter zu.

Vor zwei Wochen hatten rund 200 Prym-Mitarbeiter aus Stolberg und Alsdorf bei einem Protestmarsch vom Stammsitz an der Zweifaller Straße in die Innenstadt und einer Kundgebung auf dem Kaiserplatz ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. In den darauf folgenden Gesprächen gab es aber keinen Durchbruch. „Wir fordern weiter eine Übernahme des Flächentarifvertrages der Metall- und Elektroindustrie bei Prym. Eine Abkoppelung vom allgemeinen Entgeltniveau ist mit der IG Metall und der Belegschaft nicht zu machen“, betont Peters.

Für Jens Waldau ist diese Position unverständlich: „Ich halte es für unseriös, heute Dinge zu vereinbaren, von denen wir genau wissen, dass wir sie uns morgen schon nicht mehr leisten können. Wir haben strukturelle Probleme in unserer Branche, die zum Beispiel Automobilhersteller oder Maschinenbauer nicht haben, auch wenn alle mehr oder weniger mit dem Werkstoff Metall arbeiten. Das kann nicht ignoriert werden.“ Für den Vorsitzenden der Prym-Geschäftsführung steht fest: „Wir können uns den IG-Metall-Tarif nicht mehr leisten.“ Denn es sei absehbar, wie sich Umsätze, Marktpreise und die Kosten für Material und Personal entwickeln werden. „Ich plädiere deshalb für Vernunft und Sachlichkeit“, so Waldau. Wenn diese bei der Gewerkschaft erkennbar seien, wäre auch eine sofortige Rückkehr an den Verhandlungstisch möglich.

Martin Peters hält dem entgegen: „Die Arbeitgeber-Seite zettelt, ohne wirtschaftliche Vernunft, gegen die eigene Belegschaft einen Verteilungskampf von oben an. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der das Unternehmen nach langer Durststrecke in allen Bereichen wieder schwarze Zahlen schreibt.“ Dazu hätten die Arbeitnehmer über Jahre durch ihren Verzicht einen wesentlich Beitrag geleistet. „Eine langfristige Absenkung des Entgeltniveaus auf 92 Prozent des Flächentarifs, wie sie von Prym gefordert wird, kann deshalb kein Thema sein.“

Sehr wohl aber sei die IG Metall bereit, die Einführung zu verschieben und nicht auf die rückwirkende Übernahme des NRW-Abschlusses zum 1. April zu pochen. „Doch dieses Entgegenkommen wie auch andere Vorschläge haben nicht gereicht, um überhaupt weitere Verhandlungen führen zu können.“

Welche Konsequenzen die IG Metall aus der verfahrenen und für sie unbefriedigenden Situation ziehen wird, ließ der Gewerkschaftssekretär offen. „Die Ge- und Entschlossenheit in der Belegschaft ist sehr groß. Das hat auch der Warnstreik Ende Mai gezeigt“, stellt Martin Peters fest und kündigt an: „Wir werden nicht stillhalten und in Kürze konkrete Maßnahmen beschließen.“ Nicht bestätigen wollte Peters, dass weitere Arbeitsniederlegungen folgen werden. Allerdings gab er einen klaren Hinweis: „Wir unterliegen keiner Friedenspflicht und können jederzeit streiken.“

Sorgen, dass Sommerferien und Urlaubszeit die Organisationsfähigkeit der Arbeitnehmer einschränken könnten, hat Peters nicht. Im Gegenteil: „Die Schulferien minimieren den Aufwand, den wir betreiben müssen, um Druck auszuüben.“ Gelassenheit demonstriert auch Jens Waldau mit Blick auf mögliche Streiks: „Das ist sicherlich unangenehm. Aber ich habe große Zweifel, dass uns das in der Sache wirklich weiterbringen wird.“

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