Tarifabschluss kann ab Herbst in Stolberg greifen

Von: -jül-
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„Das gab es noch nie”: Mit schnellen Verhandlungen ohne übliche Kampfrituale einigten sich Arbeitgeber und -nehmer auf einen Tarifabschluss, dessen wichtigste Komponente die Beschäftigungssicherung ist. Foto: J. Lange

Stolberg. Nach 15-stündiger Nachtsitzung wird in der zweiten Verhandlungsrunde ein schneller Abschluss für die Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen zwei Monate vor dem Auslaufen der Verträge erzielt. Am Donnerstagmorgen zeigten sich nach dem Erfolg Helmut Wirtz, Geschäftsführer der Stolberger IG Metall, und Hans Meyer-Uellner, Hauptgeschäftführer des regionalen Unternehmerverbandes, einig. „Das hat es noch nie gegeben”.

Noch nie so krisengeschütteltet wie heute ist die Metallbranche, blickt Wirtz auf die Folgen der weltweiten Rezession. „Wir haben in Stolberg und Eschweiler im letzten Jahr 700 Arbeitsplätze verloren”, ordnet der Metaller den Tarifabschluss ein. „Er ist von Verantwortung geprägt”, sagt Wirtz. „Ich bin äußerst zufrieden”.

Denn mit der Einigung würde Beschäftigung gesichert und es sprang auch ein Lohnerhöhung mit zwei Einmalzahlungen von je 160 Euro (Azubis je 60 Euro) in diesem Jahr und eine Entgelterhöhung von 2,7 Prozent zum 1.April 2011 heraus. „Sie ist mehr als ein Inflationsausgleich”.

Im Fokus stand für die IG Metall vor allem die Sicherung der Beschäftigung. „Es besteht nun Planungssicherheit”, verweist Wirtz auf die Gesamtlaufzeit von 23 Monaten bis Ende 2011. Das gilt auch für die Beschäftigten. Für sie haben Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter eine Folgeregelung ausgearbeitet nach Auslaufen der gesetzlichen Kurzarbeit ausgehandelt.

Dieser „Zukunft in Arbeit” genannte Tarifvertrag bringt Betrieben eine Kostenentlastung und schützt Beschäftigte vor betriebsbedingten Kündigungen. „Die gesetzlichen Möglichkeiten der Kurzarbeit müssen ausgeschöpft werden”, so Wirtz. Danach bestehe die Möglichkeit, die Arbeitszeit zu reduzieren.

„In der Kupferstadt werden diese Regelungen nicht vor Herbst greifen müssen”, sagt der IGM-Geschäftsführer mit Blick auf den bei den Betrieben unterschiedlichen Beginn der Kurzarbeit, die „mindestens bis in den Spätsommer hinein greifen kann”. Details des Abschlusses wird Wirtz am Donnerstag bei einer Vorstandssitzung am Rande einer RWE-Besichtigung in Weisweiler der Basis erläutern.

Als richtungweisend, innovativ und kostenmäßig gerade noch vertretbar hat der regionale Unternehmerverband der M+E-Industrie Aachen den Pilotabschluss der Metall-Tarifparteien bewertet. „Wir haben nach intensiven Verhandlungen gut zwei Monate vor Ablauf der geltenden Tarifverträge eine Einigung auf friedlichem Weg gefunden - das hat es noch nie gegeben”, so Hauptgeschäftsführer Hans Meyer-Uellner.

„Mit dem Krisenpaket 2012 haben beide Seiten auf gewohnte Rituale verzichtet, den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Krise erleichtert, den Betrieben für die nächsten 23 Monate Planungssicherheit gegeben und die Entgelterhöhungen in einem für die Betriebe in der Region vertretbaren Rahmen gehalten.”

Der Unternehmerverband der Metall- und Elektroindustrie Aachen vertritt die Interessen der M+E-Betriebe in Stadt und Kreis Aachen sowie im Kreis Heinsberg. Für diese Unternehmen hat der Verband an den nach 15 Stunden zu Ende gegangenen Tarifverhandlungen in Düsseldorf teilgenommen.
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