Tamaris schließt: Ausverkauf am Steinweg schreitet fort

Von: -jül-
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Heute gibt‘s hier noch Schnäppchen, in ein paar Tagen wird das Geschäft zum Lager. Ein weiterer Schlag für den unteren Steinweg. Foto: Lange

Stolberg. So richtig im Schnäppchen-Rausch mag sich der gemeine Stolberger in diesen Tagen fühlen. Mit satten 50 Prozenten hat das Kaufhaus Victor angefangen, seine Bestände zu räumen. Und gleich gegenüber werden bei „Tamaris“ Markenschuhe zum halben Preis feil geboten. Doch der Freude über den günstigen Einkauf wird wie bei einem guten Rausch üblich am nächsten Morgen die Ernüchterung und die Katerstimmung folgen.

Denn dann werden die Geschäfte geschlossen sein, in denen man heute noch das Schnäppchen hat machen können. Spätestens zum Jahresende wird das bei Victor der Fall sein, bereits in ein paar Tagen schließt das Fachgeschäft für Damen-Stiefel.

„Unser Geschäft hat nicht den Umsatz generieren können, den es hätte erbringen müssen“, erklärt Katja Zohren. Miete, Neben- und Personalkosten sind höher als es der Verkauf erwirtschaften kann. Ganz nüchtern betriebswirtschaftlich betrachtet. Dabei ist das Gebäude Eigentum; Ehemann Fried Zohren mit dem Geschäft der Mieter. Seit über einem Jahr haben wir den Laden trotzdem gehalten“, sagt Katja Zohren. Aber letztlich siegten die Argumente des Steuerberaters. „Das Geschäftslokal war wirtschaftlich nicht mehr zu halten“.

Woran das gelegen hat ? „Es liegt an den Problemen in Stolberg“, so Zohren. An den heutigen und erst recht an denen, die zu erwarten sind, wenn mit Victor der letzte Frequenzbringer für den noch lebenden Rest des Steinwegs abtritt. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt?

Dabei hat die Familie Zohren keinesfalls Zukunftsängste. Braucht sie auch nicht zu haben. Mit einer ganzen Reihe von Schuhgeschäften unterschiedlicher Ausprägung ist die Unternehmerfamilie am Markt vertreten. Erfolgreich. Etwa in Würselen, zweifach in Aachen, in Köln-Nippes, Hückelhoven, Heinsberg, Erkelenz. In Stolberg sieht das anders aus. Die Kupferstadt ist das Sorgenkind unter den Filialen.

Das am unteren Steinweg neben „Tamaris“ liegende Damen- und Herrenschuhgeschäft läuft noch gut. Noch. „Wir renovieren derzeit unser Haus“, verrät Katja Zohren. Diese Besitzer investieren in ihr Eigentum. Das Ladenlokal wurde bereits im vergangenen Jahr saniert. Jetzt steht das Schuhlager an. Eine Wohnung soll entstehen. Deshalb wird der „Tamaris“-Laden erst einmal als neues Lager dienen. Selbstverständlich so, dass das optisch auf den Charme der Fußgängerzone nicht störend wirkt, verspricht Zohren: „Aber falls es Interessenten geben sollte, sind wir gerne bereit, das Lokal auch als Geschäft weiter zu vermieten.“

Solvente Mieter dafür zu finden, erwies sich aber in der Vergangenheit als schwierig. Der Gitarrenvirtuose und -bauer Tony Triska verlieh bis zu seinem viel zu frühen Tod dem Geschäft leben. Mit Telekommunikation und Schreibwaren wurde dort gehandelt. Aber so richtig etablieren konnte sich kein Mieter mehr. Deshalb entschied sich vor wenigen Jahren die Familie Zohren etwas zu unternehmen, das Ladenlokal im eigenen Haus eben als Geschäft zu betreiben.

Kollektion im Nachbargeschäft

Die Bilanz ist ernüchternd. Wirtschaftlich trägt sich das Geschäft nicht; zumindest nicht in Stolberg. Für Freundinnen der dort bisher angebotenen Stiefel und Stiefeletten ist der Verlust nur auf den ersten Blick gering, weil die Kollektionen fortan im benachbarten Damen- und Herrenschuhgeschäft zu finden sein wird.

Auf den ersten Blick nur. Aber bei näherem Betrachten ist offensichtlich, dass wieder ein Ladenlokal in der Einkaufsstraße nicht für seinen eigentlichen Zweck genutzt wird. Die Auswahl sinkt weiter, der Anreiz zum Schaufenster-Bummel schwindet ein Stück mehr im Steinweg. Schuhe kann man dort dann noch ein Schaufenster weiter betrachten. Doch sollte irgendwann einmal auch dieses Geschäft nicht mehr laufen, „dann machen wir eine Wohnung daraus“, kündigt Katja Zohren heute schon einmal an. Denn in diesem Falle dürfte kaum ein neuer Einzelhändler als Mieter zu finden sein.

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