Tagespflege hat sich etabliert: Weitere Plätze sollen folgen

Von: Michael Grobusch
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Stolberg. Die Zeiten haben sich geändert: „Die Tagespflege wird mittlerweile sehr gut angenommen. Das Angebot ist bekannt und akzeptiert”, fasst Tanja Koglin vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) den Ist-Zustand zusammen.

Dass kleine Kinder bei Tagesmüttern oder -vätern betreut werden, war längst nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Noch vor wenigen Jahren warb die Stadt mit viel Energie und zunächst eher wenig Erfolg um die Anerkennung dieser Betreuungsform als gleichwertige Alternative zu einem Kindergartenplatz.

Es war wohl in erster Linie die gesetzliche Änderung, die auch zu einer Veränderung der Wahrnehmung führte. „Es ist bei den Menschen angekommen, dass die Tagespflege genauso geregelt ist wie die Betreuung in der Kindertagesstätte”, freut sich Josef Offergeld über deutliche Fortschritte.

Zwei gleichwertige Alternativen

Heute können Eltern ihr Kind wahlweise für einen Tagespflegeplatz oder eine Kita anmelden. In beiden Fällen wird der Elternbeitrag nach einer Einkommensbemessungstabelle festgelegt und von der Stadt eingezogen. Die Tagespflegepersonen wiederum erhalten ihr Geld dann von der Stadt. „Früher bewegte sich die Tagespflege rechtlich in einer Grauzone und war aus finanzieller Sicht eher etwas für Besserverdiener”, weiß Tanja Koglin. Heute sind beide Betreuungsformen im Kinderbildungsgesetz mit gleicher Wertigkeit verankert.

Seitdem sind Angebot und Nachfrage stetig gestiegen. Waren Ende 2010 noch 64 Kinder im Stadtgebiet bei einer Tagespflegeperson untergebracht, sind es derzeit 80. „Und die Tendenz zeigt weiter nach oben”, sagt Koglin. Die große Mehrheit der Kinder - genau 73 - sind jünger als drei Jahre. Damit deckt die Tagespflege vornehmlich eine Altersklasse ab, für die 2013 der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz eingeführt werden wird. Den muss dann die Stadt Stolberg erfüllen - eine Aufgabe, die Josef Offergeld trotz der vielen Um- und Ausbaumaßnahmen in den Kitas als eine große Herausforderung ansieht.

„Wir haben uns bisher immer auf die rechnerischen Bezugsgrößen des Landes gestützt. Demnach müsste es in Stolberg im nächsten Jahr 1230 U 3-Kinder mit einem Rechtsanspruch geben”, erläutert der Abteilungsleiter. Eigene Kalkulationen hätten mit 1439 jetzt allerdings eine größere Zahl von Kindern ergeben - und damit auch einen höheren Bedarf an Plätzen.

Von bisher 350 U 3-Kindern in Kitas und 85 bis 90 in der Tagespflege hat das Jugendamt die Zahlen nun auf 363 bzw. 107 hochgeschraubt. Das macht eine Versorgungsquote von rund 33 Prozent. Damit läge Stolberg knapp über dem vom Land angesetzten Sollwert (32 Prozent). „Wir wollen aber sogar die 35 Prozent erreichen”, betont Josef Offergeld. Und mehr noch: „Sollte sich in der Praxis herausstellen, dass eine 35-prozentige Betreuungsquote wegen der großen Nachfrage nicht reichen würde, hätten wir in der Tagespflege eine gewisse Reserve.”

Die wird fortlaufend durch die Ausbildung neuer Tagespflegepersonen ausgebaut, für die das Helene-Weber-Haus und der Sozialdienst katholischer Frauen im Auftrag der Stadt zuständig sind. Dabei vermittelt der SkF die Tagspflegepersonen und stellt den ersten Kontakt her. Das Helene-Weber-Haus als Familienbildungsstätte qualifiziert die Teilnehmer in mehreren Kursmodulen. Das Jugendamt Stolberg schließlich erteilt die Pflegeerlaubnis und übt die Rechts- und Fachaufsicht aus.

An diesem Punkt will Josef Offergeld verstärkt ansetzen. „Vor dem Hintergrund des neuen Bundeskinderschutzgesetzes werden wir uns bei der Pflegeerlaubnis noch mehr einbringen”, setzt der Abteilungsleiter für die Zukunft voraus, dass alle Tagespflegepersonen dem Jugendamt persönlich bekannt sind. Das habe nichts mit der - hervorragenden - Arbeit der Kooperationspartner zu tun, sondern viel mehr mit dem eigenen Rechtsverständnis und der daraus resultierenden Verantwortung. „Tagespflegepersonen sind Privatpersonen, die Dienstleistungen anbieten. Und ihr Vertragspartner ist das Jugendamt.”

Im Rahmen dieser Zusammenarbeit würde Offergeld gerne auch die Position der Tagesmütter und -väter weiter gestärkt sehen: durch bessere Bezahlung. „Die Stundensätze sind zwar deutlich erhöht worden. Aber Tagespflege ist finanziell leider immer noch nicht richtig attraktiv, obwohl sie für die Betroffenen einen Fulltime-Job ausmacht und für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung ist”, bedauert er.

Ein Manko gibt es also vorerst noch. Aber vielleicht werden sich auch in dieser Hinsicht die Zeiten bald ändern.
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