Stolberg - „Tagespflege 2013”: Stolberg setzt auf eine eigene Marke

„Tagespflege 2013”: Stolberg setzt auf eine eigene Marke

Von: Jan Schlegelmilch
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Auf einem Bein kann man nicht stehen. Insbesondere dann, wenn die Last auf den Schultern gleich verdreifacht wird. Was als Trinkspruch oder Redewendung bekannt ist, beschreibt die Situation in den Kommunen nur zu gut.

Denn um die Last des vom Bund verabschiedeten Kinderförderungsgesetzes zu schultern, muss neben dem Betreuungsangebot in den Kindertagesstätten dringend ein zweites Standbein her, um nicht den Halt zu verlieren. Diesen Halt soll in Stolberg der Ausbau der Kindertagespflege sichern und dem ab 2013 geltenden Rechtsanspruch auf Betreuung für alle Kinder unter drei Jahren gerecht werden.

Damit das zweite Bein jedoch nicht lahmt, sind an die „Qualität der Anforderungen ganz andere Maßstäbe geknüpft”, verdeutlicht Käthe Büchel, stellvertretende Leiterin des städtischen Jugendamtes, den Anspruch, die Tagespflege als qualitativ gleichwertige Alternative neben der Betreuung in Kindertagesstätten in Stolberg etablieren zu wollen.

Bei diesem Vorhaben wird das Jugendamt von zwei Kooperationspartnern, die sich im Rahmen eines Informationsabends im Rathaus den an der Tätigkeit der Kindertagespflege interessierten Gästen vorstellten, unterstützt. Während das Jugendamt für die Geldleistungen und das Erteilen der Pflegeerlaubnis verantwortlich ist, kümmert sich das Helene-Weber-Haus um die Qualifizierung - eine modularisierte Ausbildung - und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) um die Vermittlung und Beratung der Tagespflegepersonen.

Gemeinsam will das Netzwerk den im Jahr 2013 prognostizierten Bedarf der 430 bis 450 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in Stolberg zu 20 Prozent mit der Kindertagespflege und zu 80 Prozent mit dem Angebot der Kindertagesstätten decken. Abweichend davon sehen die Planungen des Bundes sogar vor, 30 Prozent der Kinder in der Tagespflege unterzubringen.

„Das bedeutet, dass wir in Stolberg zirka 30 bis 35 Tagespflegepersonen für die öffentlich geförderte Tagespflege benötigen”, kommentiert der Soziologe Wolfgang Joussen die Zahlenspiele für Stolberg, nach denen dann eine Tagespflegeperson durchschnittlich 2,5 bis drei Kinder betreuen würde.

Am Image feilen

Um das 20-Prozent-Ziel bis 2013 erreichen zu können, wollen die Kooperationspartner vor allem am Image der Kindertagespflege feilen und sie für Mütter, Väter und auch potenzielle Tagespflegepersonen transparenter machen. „Für Stolberg ist es wichtig, sich mit gezielten Aktionen der 20-Prozent-Marke zu nähern”, sagt Joussen, der dafür eine Art Marke „Tagespflege Stolberg 2013” entwickeln will.

Fünf Schlagwörter stellen in diesem Zusammenhang die Qualitätsmerkmale der Marke dar: Professionell, zuverlässig, individuell, familiär und flexibel soll die Kindertagespflege sein und damit Eltern überzeugen.

Doch Qualität hat ihren Preis. Der aber wird oftmals nicht bezahlt. Davon betroffen sind insbesondere Tagespflegepersonen, die nicht öffentlich gefördert werden und deshalb nur fünf bis sieben Euro pro Stunde verdienen. „Man sollte dem Gesetzgeber mit auf den Weg geben, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um vernünftige Qualität gewährleisten zu können. Da gehört eine vernünftige Bezahlung dazu”, unterstützte Wolfgang Joussen die Einwände einiger Tagesmütter, die aus eigener Erfahrung von der schlechten Bezahlung berichteten.

Josef Offergeld blies ins gleiche Horn: „Wenn wir die Kindertagespflege in Zukunft als Standbein nehmen, müssen wir auch finanziell nachfordern. Wenn ich drei bis vier Kinder 35 Stunden in der Woche betreue, muss ich auch davon leben können”, forderte der Jugendpfleger und monierte: „Wir hätten als Kommune im Nothaushalt aber auch keine Möglichkeit, freiwillige Leistungen zu übernehmen.” Für Offergeld ist klar: „Ich sehe uns noch in den Kinderschuhen, und das im wahrsten Sinne des Wortes.”
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