Stolberg-Schevenhütte - Tagesmütter zwischen Bauklötzen und Spielzeugautos

Tagesmütter zwischen Bauklötzen und Spielzeugautos

Von: Sarah Sillius
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„Wer will jetzt der Lokführe
„Wer will jetzt der Lokführer sein?” Im Haus von Doris Kaul ist immer was los. Besonders gern spielen Leo, Fiete, Benjamin und Max mit der Tagesmutter Eisenbahnfahren. Foto: S. Sillius

Stolberg-Schevenhütte. Fiete will noch einen Keks. Er sitzt auf dem Schoß von Doris Kaul und streckt seine Hand nach dem Teller mit den Leckereien aus. Der Schnuller in seinem Mund ist für den kleinen Jungen mit den blonden Locken kein Hindernis.

„Na gut, aber nur noch einen”, sagt Doris Kaul und blickt im nächsten Moment auf Leo, der mit dem Bobbycar durch die Küche düst.

Doris Kaul, 36, ist Kindertagespflegerin und betreut zurzeit - neben ihren eigenen beiden Söhnen Benjamin und Max - drei Kinder. Zwei könnten noch dazu kommen, das hat sie so mit dem Jugendamt abgestimmt. Je nach Räumlichkeiten und Bedarf der Tagesmutter wird eine Erlaubnis über die Anzahl der zu betreuenden Kinder erteilt. Zu einer professionellen Tagespflege gehört allerdings nicht nur die Professionalität der Betreuungsperson, sondern auch die entsprechende Ausstattung.

Spielzeug hat Doris Kaul in Hülle und Fülle: Von kleinen Autos über den Plastik-Toaster, die Tafel, Bauklötze bis hin zur Eisenbahn ist alles dabei. Doch das ist längst nicht alles, was Kinder für die Rund-um-Pflege benötigen. „Ich brauche noch Betten und Stühle, und ein Kiddy-Board, das man an den Kinderwagen befestigen kann”, erzählt Kaul. Einen Antrag ans Jugendamt hat sie bereits gestellt. Der Landschaftsverband soll jeder Tagesmutter eine Ausstattung von 500 Euro zur Verfügung stellen. Kaul ist zunächst in Vorleistung gegangen.

Es ist 14 Uhr, Melanie Bououden-Styns und Anja Hufschmidt kommen herein und schließen ihre Kinder in die Arme. Hufschmidt hat Sohn Leo schon vor einem Jahr in die Obhut von Doris Kaul gegeben. Die beiden Frauen kennen sich. Weil Hufschmidt vor einem Jahr wieder anfing zu arbeiten, brauchte sie Unterstützung. Wichtig war ihr, dass die Betreuungszeiten flexibel sind. Hufschmidt ist Lehrerin.

Wenn nach dem Unterricht noch eine Konferenz ansteht, kann sie Leo auch erst um drei oder vier Uhr bei der Tagesmutter abholen. „Wir kommen nicht von hier, haben also auch keine Eltern vor Ort, die sich um die Kinder kümmern könnten”, sagt Hufschmidt. „Und mit einem Jahr war Leo noch zu klein für den Kindergarten. Bei meiner Tagesmutter habe ich ein gutes Gefühl.” Auch Leo hatte das. Vom ersten Tag an fühlte er sich wohl im Hause Kaul. Den jüngeren Sohn des Hauses, Benjamin, kannte er schließlich schon. Mittlerweile sind die zwei unzertrennlich.

Trotzdem Mamas Lieblinge

Doris Kauls Söhne haben kein Problem damit, dass es neben ihnen noch andere Kinder im Haus gibt. Schließlich wissen sie, dass sie trotzdem Mamas Lieblinge sind. „Benjamin hat seinen festen Platz am Tisch. Er kann damit leben, wenn auch mal andere Würmchen auf meinem Schoß sitzen”, erzählt Kaul. „Auch mein Mann zieht mit, er liebt Kinder über alles - genau wie ich.”

Lina, 1, ist die Jüngste im Bunde. Mutter Melanie Bououden-Styns wurde über den Sozialdienst katholischer Frauen auf die Tagesmutter aufmerksam. Zwar wird Lina auch oft von ihrer Großmutter behütet, aber Bououden-Styns, die seit kurzem wieder im Schichtdienst arbeitet, hielt eine ergänzende Betreuung für sinnvoll: „Uns war es wichtig, dass Lina auch unter anderen Kindern ist, dass sie etwas Action hat, und noch von jemandem mit professionellem Blick betreut wird.”

Doris Kaul absolvierte 1994 ihren staatlich anerkannten Abschluss zur Erzieherin. Nach der Geburt von Sohn Benjamin entschied sie sich, ihren Beruf zu Hause auszuüben. „In so einer kleinen Gruppe kann ich mich viel intensiver um das einzelne Kind kümmern, und trotzdem entsteht ein Gruppengefühl.”

Die Tagesmutter strahlt, wenn sie über ihren Beruf spricht. Ihr ist keine Spur von Stress anzumerken. Auch nicht, wenn man sie nach der Mittagszeit fragt, in der sie das Essen zubereitet, während fünf Kinder um sie herumturnen. Vor der ersten Mittagszeit habe sie schon ein wenig Angst gehabt, gibt sie zu. Doch ohne Grund. „Entweder spielen die Kinder ganz ruhig in der Küche, gucken vom Hocker aus beim Kochen zu oder helfen mit, die Kartoffeln zu waschen.” Doris Kaul gefällt „die Arbeit, der enge Kontakt zum Kind”, sagt sie. „Das Strahlen in den Augen, das man zurückbekommt, und der enge Kontakt zu den Eltern” gebe ihr die Kraft, die sie jeden Tag braucht.

Zum Erfolg einer Tagesmutter gehöre aber auch der Austausch mit anderen Tagesmüttern. Ein Konkurrenzdenken zwischen den Frauen gebe es nicht. Im Gegenteil: Ziel ist es, unter den Fachkräften in Stolberg ein enges Netz aufzubauen. So können sie sich gegenseitig Tipps geben, besuchen oder im Krankheitsfall vertreten.

Wie in jeder Gruppe gibt es auch im Hause Kaul Veränderungen. Fiete wird bald in einen Kindergarten wechseln. Das macht Leo traurig. „Die beiden haben sich gesucht und gefunden”, sagt Kaul. Doch jedes Ende hat auch einen Anfang. Wenn ein neues Kind hinzukommt, werden neue Freundschaften geschlossen. Doris Kaul weiß: „Langweilig wird es hier auf jeden Fall nie.”
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