Stolberg - Tag des Denkmals: Auf den Spuren der Macht

Tag des Denkmals: Auf den Spuren der Macht

Von: Toni Dörflinger
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Historiker und Stadtarchivar Christian Altena (rechts) führte die Gruppe interessierter Stadtbesucher zu den historisch bedeutsamen Punkten von Stolberg. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. „Macht und Pracht“ - auch ein Stolberger Thema? Diese Frage kann durchaus bejaht werden, wenn man zu den rund 60 Besuchern zählte, die Stadtarchivar Christian Altena kürzlich mit den historischen Spuren von Macht und Pracht in der Altstadt vertraut machte.

Der Historiker war im Auftrag der Stolberg Touristik unterwegs, die sich damit am bundesweiten Tag des Offenen Denkmals beteiligte, der in diesem Jahr unter dem eingangs erwähnten Motto stand. Auf der Spurensuche verfolgte der Experte die Schwerpunkte Orte von Macht und Pracht, die die Herrschaft Stolberg, die Kupfermeister und Kirchengemeinden hinterlassen haben.

Und so war der Ausgangspunkt der beiden Rundgänge, die Altena hintereinander anbot, folglich die Burg. Dort machte der 37-Jährige die Gäste unter anderem mit den architektonischen Besonderheiten des Palas-Anbaus vertraut, den die Burgherren aus dem Geschlecht von Efferen zu Beginn des 16. Jahrhunderts für ein Hochgericht errichtet hatten.

Denn ein Symbol der herrschaftlichen Macht sind dort die vorhandenen großen Fenster, die laut Altena gleichzeitig auch den Zweck erfüllten, bei hochgerichtlichen Strafprozessen den öffentlichen Charakter sinnbildlich darzustellen.

Als Kennzeichen der einst im Westturm vorhandenen, herrschaftlichen Prachtentfaltung stellte der Experte die verlorenen, handgeschnitzten Wappentafeln vor, die einst zur Ausstattung der dort angesiedelten Verwaltungsräume gehört hatten. Auch wenn die kostbaren Tafeln inzwischen verloren sind - Burgretter Moritz Kraus hatte die Schnitzereien 1906 einem in Düsseldorf ansässigen Museum geschenkt - konnte Altena die Kunstwerke den Besuchern per Bild vorstellen. Schließlich besitzt das Stadtarchiv davon eine unbenannte Fotografie, die er diesem Zimmer zuordnen konnte.

Denn immer wieder setzte er Illustrationen und Darstellungen ein, um den Teilnehmern nicht mehr vorhandene Macht- und Prachtsymbole deutlich zu machen. Um den Machtbereich der Stolberger Unterherren nicht nur mit historischem Kartenmaterial kenntlich zu machen, begab man sich auch zu einem Grenzstein an der Ecke Grabenstraße/Am Steinberg.

Er markiert mit den Buchstaben „S“ für Stolberg und „N“ für das Nothberger Gericht, einen Eckpunkt des früheren Kupferstädter Territoriums. Als Beispiel für die wirtschaftliche Macht und Pracht der Kupfermeister stellte der Experte den an der Burgstraße liegenden ehemaligen Kupferhof Schleicher vor, der sich architektonisch durch seine repräsentativen Treppengiebel hervorhebt und mit der Burg in der Formensprache konkurriert.

Nach den versteckten, subtilen Zeichen der Pracht suchte man, als man die Ausstattung der 1648 errichteten Vogelsangkirche in Augenschein nahm. Die Besucher waren ausnahmslos begeistert. Schließlich verstand es der Historiker durch seine lebendige und dynamische Vortrags- und Darstellungskunst, die er mit umfangreichen Hintergrundinformationen zur Epoche der Renaissance angereichert hatte, Spannung und Aufmerksamkeit zu erzeugen sowie der Erwartungshaltung der Gäste voll zu entsprechen.

Denn immer wieder wartete Altena an den unterschiedlichen bauhistorischen Standorten mit Hinweisen zu Symbolen der Macht und Pracht auf, die die Besucher in dieser Form als solche bisher nicht wahrgenommen hatten. Demnach war nachvollziehbar und verständlich, dass der engagierte und sachkundige Historiker nach Ende der Rundgänge mit kräftigem Applaus belohnt wurde. Der Applaus war auch ein Beweis dafür, dass es den Besuchern zu keinem Zeitpunkt langweilig geworden war.

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