Stolberg - „Tag der offenen Moschee“: Keine Frage bleibt hier unbeantwortet

„Tag der offenen Moschee“: Keine Frage bleibt hier unbeantwortet

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Mitglieder der Ditib-Gemeinde empfingen interessierte Gäste am „Tag der offenen Moschee“ in der Rathausstraße 62. Foto: C. Hahn

Stolberg. Erst einmal fällt wenig auf: Während sich draußen der Verkehr zwischen Mühle und Kaiserplatz hin und her bewegt, weist nur ein Transparent im Torbogen des Hauses an der Rathausstraße mit der Nummer 62 auf den „Tag der offenen Moschee“ hin.

Wer trotz dieser Unauffälligkeit die ehemalige Industrie-Immobilie betritt, dessen Blick gleitet zuerst einmal wie durch einen langen Schlauch nach hinten, wo – zwischen dem Aufgang zur eigentlichen Moschee und der Tür zur Teestube – Männer und Frauen um einen großen Tisch sitzen.

Sie alle haben sich heute, am Tag der Deutschen Einheit, frei genommen, um Besucher nicht nur zu bewirten, sondern ihnen auch nahezubringen, was die 376 Mitglieder der von der türkischen Religionsbehörde Ditib angeschlossenen Moschee beseelt: ihre Religion, der Islam, und was daraus folgt.

Religiöse Vorschriften

Erst einmal gibt es jedoch Tee und dazu Lahmacun, die türkische Variante der Pizza. Beim Gespräch, an dem unter anderem der Gemeindevorsitzende Erol Kilic teilnimmt, kommen schnell die Fragen, die nichtmuslimischen Besuchern auf den Nägeln brennen, zur Sprache. Wie das denn mit dem Kopftuch für Mädchen sei: Das und noch mehr kommt rasch, quasi zum Aufwärmen noch vor dem eigentlichen Rundgang, aufs Tapet.

Erol Kilic sowie seine Vorstandskollegen Oguzhan Akcan und Fatih Hortum sind um keine Antwort verlegen und versuchen, ihrer Zuhörerin, die die Frage gestellt hat, die religiösen Vorschriften haarfein darzulegen. Stolbergs Muslime wollen das Gespräch mit ihren Mitbürgern, auch wenn ihnen dabei – wie auch am Tag der offenen Moschee – gelegentlich Skepsis entgegenschlägt.

Religiöse Diskussionen sind jedoch nicht das einzige Angebot beim „Tag der offenen Moschee“ in der Kupferstadt. Natürlich wollen die Gastgeber nicht nur zur Sprache bringen, was sie tun und warum, sondern wo das alles, von der Wohnung abgesehen, stattfindet.

Nach Mekka ausgerichtete Nische

So geht es dann erst einmal eine steile Treppe hinauf in die eigentliche Moschee. Vor deren Betreten erfahren die Gäste dann im Inneren von Oguzhan Akcan, Erol Kilic und Fatih Hortum, wo sich an der mit Porzellanfliesen gepflasterten Stirnwand der Platz des Vorbeters befindet, dass der beim Gebet in einer gen Mekka ausgerichteten Nische kniet und dass sich die Gemeinde dahinter nach ihm ausrichtetet. Keine Feinheit bleibt unerwähnt, auch nicht, wie und warum sich die Mitglieder vor dem Gebet an Waschbecken in einem Nebenraum reinigen.

Schließlich geht es noch einmal eine steile Treppe höher, fast unters Dach, dort, wo die Kinder von Yüksel Cicik unterrichtet werden. Cicik ist für nur einen Montag von der Ditib nach Stolberg abgeordnet worden, denn Yüksel Mutlu, der eigentliche Imam an der Rathausstraße, befindet sich im Moment noch auf einer Wallfahrt nach Mekka. Es herrscht viel Leben an diesem Tag in der Moschee.

Irgendwann kommt dann auch der Kontaktbeamte von der Polizei zu Besuch. Denn die türkischen Muslime der Kupferstadt halten viel auf gute Nachbarschaft und beste Kontakte mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld. Darum sind Besucher bei ihnen herzlich willkommen – nicht nur am „Tag der offenen Moschee“.

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