Stolberg - Tag der Architektur: Schulgebäude vielseitiger nutzen

Tag der Architektur: Schulgebäude vielseitiger nutzen

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Klaus Kaesler (l.) und Ferdinand Küpper-Jacobs fordern, dass Stolbergs Schulen in Zukunft vielfältiger genutzt werden. Foto: M. Grobusch
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Die Grundschule Hermannstraße kann heute im Rahmen des „Tags der Architektur“ besichtigt werden.

Stolberg. Wenn Klaus Kaesler von der Grundschule Hermannstraße spricht, dann weiß er genau, worum es geht. Der Stolberger Architekt war Mitte des vergangenen Jahrzehnts verantwortlich für den Um- und Ausbau des Gebäudes, das 1907 auf der Mühle fertiggestellt wurde und seitdem als Schule genutzt wird.

Am heutigen Tag der Architektur kann die Hermannschule besichtigt werden, individuell oder im Rahmen von zwei Führungen. Bei diesen wird es nicht nur um die architektonischen Veränderungen gehen, sondern auch um die sich verändernde Rolle von Schulgebäuden in der heutigen Gesellschaft. Denn für Kaesler steht fest: „Wir müssen Schulen in Zukunft viel besser nutzen. Die Schule von heute ist das Quartierszentrum von morgen.“

Einer, der diese Einschätzung zu 100 Prozent teilt, ist Ferdinand-Küpper Jacobs. Als Leiter der Realschule I hat er Kaesler bei der Sanierung „seiner Schule“ in den Jahren 2010 und 2011 kennengelernt. Mittlerweile pensioniert, ist Küpper-Jacobs immer noch „ganz nah dran“ und als Schulentwicklungsberater unter anderem darum bemüht, pädagogische, gesellschaftliche und bauliche Aspekte bei den Weichenstellungen für die Zukunft zu berücksichtigen und in Einklang zu bringen.

„Früher waren die Kirchen erster Anlaufpunkt in Stadtvierteln und Ortschaften. Weil sich das geändert hat, fehlt heute oftmals eine Begegnungsstätte. Die Schule als öffentlicher und wertneutraler Ort ist bestens geeignet, diese Rolle zu übernehmen“, ist Küpper-Jacobs überzeugt. Das allerdings setze voraus, dass Schulen dafür auch baulich hergerichtet sind.

„Bei der Hermannschule ist das der Fall. Die Umgestaltung war immer darauf ausgerichtet, ein Gebäude zu schaffen, das nicht nur als Ganzes, sondern auch in Teilbereichen genutzt werden kann“, berichtet Klaus Kaesler. So sei der Eingangsbereich ebenso separat nutzbar wie das auch von außen zugängliche Café und die mit eigenen Eingängen versehene Mehrzweckhalle. „Eine vergleichbare Situation haben wir in der Realschule 1, beispielsweise mit der ‚Oase‘, dem Innenhof und dem Forum“, betont der Architekt. „Leider werden diese Möglichkeiten aber viel zu selten genutzt“, bedauert Ferdinand Küpper-Jacobs. „Dabei liefert das jährliche Konzert von Norbert-Walter Peters in der Realschule ein gutes Beispiel, wie es gehen kann.“

Ein entscheidendes Manko sieht der Schulentwicklungsberater in den ungeklärten Rahmenbedingungen. „Wer ist mein erster Ansprechpartner, wenn ich schulische Räumlichkeiten nutzen möchte? Wie hoch sind die Kosten? Und wie funktioniert die Absprache mit der Schulleitung“, führt Küpper-Jacobs einige bis dato unbeantwortete Fragen auf. „Um Schulen zukünftig besser nutzen zu können, müssen zunächst einmal entsprechende Strukturen geschaffen werden. Und die wiederum müssen von der Politik gewollt und beschlossen werden.“

Mit Blick auf die Hermannschule haben Küpper-Jacobs und Kaesler aber noch weiter gehenden Handlungsbedarf ausgemacht. „Der Platz vor der Schule muss dringend umgestaltet und zur Vicht hin geöffnet werden“, sind sich beide einig. „Hier muss eine Verweilqualität geschaffen werden, was angesichts der Nähe zum Bach nicht schwierig ist.“ Stufen als Zugang zum Wasser und Sitzgelegenheiten, einige Bänke, Bäume und Grünflächen vor der Schule, und schon sei ein attraktiver Treffpunkt und Aufenthaltsraum geschaffen. „Ohne großen finanziellen Aufwand“, wie Klaus Kaesler beteuert – und mit einem Seitenhieb auf die bevorstehenden und vom Land massiv geförderten Neugestaltungen im Innenstadt-Bereich feststellt: „Es gibt andere Quartiersplätze als den Bastinsweiher, die für Stolberg viel wichtiger sind.“

Für Ferdinand Küpper-Jacobs steht fest: „Die Schule als Quartierszentrum würde von der Bevölkerung dankend angenommen, schließlich hat die Mühle nichts Vergleichbares zu bieten.“ Damit, so der ehemalige Schulleiter, könne auch die mögliche Gefahr des Vandalismus gebannt werden. „Denn über die Identifikation kann man eine Bindung schaffen. Und wenn die Menschen sich mit Dingen identifizieren, dann passen sie auch auf sie auf.“

Der Vorplatz der Hermannschule als lebendiger Teil des Viertels und das Gebäude als nutzbarer Treffpunkt und Veranstaltungsraum: Diese Vision wollen Kaesler und Küpper-Jacobs heute auch den Besuchern näherbringen.

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