Tätlichkeiten auf dem Fußballplatz: Konfliktcoaches bieten Hilfe an

Von: Ottmar Hansen
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Auf dem Fußballplatz kochen die Emotionen rasch hoch. Dann kommt es zu Beschimpfungen und Schlägereien. Der Konfliktcoach soll den Kontrahenten klar machen, wie sie Gewalteskalationen vorbeugen können. Foto: imago/City-Press
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Frank Donsbach und Brigitte Schell-Donsbach sind Konfliktcoaches im Fußballkreis Aachen. Foto: O. Hansen

Stolberg. Die zweite Halbzeit ist kaum angepfiffen, da nimmt das Unglück seinen Lauf. Im Spiel zweier Teams aus der Fußball-Kreisliga C wird ein Aktiver böse gefoult. Während der Verletzte sich auf dem Boden windet, gehen die übrigen Spieler beider Mannschaften aufeinander los.

Die Fäuste fliegen, auch der Schiedsrichter bekommt Schläge ab. Die Polizei muss anrücken, um die Streithähne zu trennen. So geschehen wenige Tage vor Saisonende. Der Fall kommt vor die Spruchkammer des Fußballkreises. Die Entscheidung der Kammer: Die beteiligten Spieler werden für einige Zeit gesperrt. Und sie müssen sich einer Schulung durch einen Konflikt-Coach unterziehen. Er soll mit den Hitzköpfen Wege erarbeiten, wie sie in Konfliktsituationen die Ruhe bewahren und Handgreiflichkeiten aus dem Wege gehen können.

Alternative zur Spielsperre

Der Fußballverband Mittelrhein (FVM) hat inzwischen mehrere Konflikt-Trainer ausgebildet. Drei davon sind im Fußballkreis Aachen tätig. Neben Helmut Deutmann aus Würselen können Frank Donsbach (VfL Vichttal) und Brigitte Schell-Donsbach aus Stolberg zur Besserung von „Krawallbrüdern“ angefordert werden. „Jeder von uns bietet vier Termine im Jahr an“, sagt Frank Donsbach. Das Ehepaar Donsbach war zuletzt außerdem in Köln gemeinsam im Einsatz. Dort hatte es bei einem A-Jugendspiel ebenfalls eine Schlägerei mit Polizeieinsatz und Einweisung ins Krankenhaus gegeben.

Eine ganze Mannschaft wurde daraufhin samstags zum Konflikttraining geschickt. Als Alternative zu einer Bestrafung mit einer langen Spielsperre. Frank Donsbach: „Wer sich nicht an der Konfliktschulung beteiligt, wird in voller Länge gesperrt.“ Das wollen Fußballer, gleich welchen Alters, unter allen Umständen vermeiden. Da bringt man dann auch schon einmal die Gebühr (600 Euro für ein ganzes Team, 150 Euro für einen Einzelspieler) auf.

Die Hälfte des Betrages geht an den Verband, als Ausgleich für die Kosten, die der FVM für die Ausbildung der Konflikt-Coaches hatte. Das Konflikttraining erstreckt sich in der Regel über sechs bis acht Stunden. „Es geht um Verhaltensregeln, Gewalt und die Eskalationsvorbeugung“, erläutert Brigitte Schell-Donsbach. Jeder will das Fußballspiel natürlich gewinnen. Da ist die Grenze zum Unfairen leicht überschritten.

Aggressionen auf dem Sportplatz laufen oft gleich ab, weiß Frank Donsbach, der selbst auch lange Zeit Fußball gespielt hat. „Gemäß einer Eskalationstreppe.“ Beginnend mit „Rudelbildung“, Beschimpfungen, es folgen Drohungen, Tätlichkeiten. Die letzte Stufe der Treppe heißt: „Gemeinsam in den Abgrund.“

Vor der Spruchkammer fühlten sich die Streithähne meist erst einmal falsch verstanden, so Frank Donsbach. „So nach dem Motto: Ich konnte doch gar nicht anders reagieren.“ Aufgabe des Konfliktcoaches sei es dann, den ganzen Fall noch einmal aufzurollen und die Beteiligten zur Einsicht zu bringen, so die beiden Stolberger Konflikttrainer „Am konkreten Beispiel wird aufgezeigt, wo jeder Beteiligte des Streits noch hätte aussteigen können“, so Schell-Donsbach.

Mit einfachen Übungen wird den Beteiligten gezeigt, wie man sich auf dem Fußballplatz fair verhalten kann und wie man mit Provokationen der gegnerischen Seite umgehen kann, ohne dass es zum Einsatz von Gewalt kommt. Schell-Donsbach: „Man kann sich da durchaus Muster antrainieren. Jedem muss klar sein, dass er zum Fußballspielen auf den Platz gekommen ist und nicht zum Streiten.“ Das Ziel der beiden Stolberger Konflikttrainer ist klar: „Wer einmal bei uns im Seminar war, soll möglichst nicht mehr wiederkommen.“

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