Stolberg - Symbole der Hoffnung und die Bedeutung von Ostern

Symbole der Hoffnung und die Bedeutung von Ostern

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Im Interview sprechen der katholischen Pastor Hans Rolf Funken (links) und Pfarrer Axel Neudorf von der evangelischen Kirche über die Bedeutung des Osterfestes. Ein gemeinsames Ostern lehnen sie nicht ab. Es gibt in Stolberg zum Beispiel einen ökumenischen Kreuzweg. Foto: Sarah-Lena Gombert

Stolberg. Ostern gilt als das wichtigste Fest der Christenheit. Trifft das auch im Jahr 2017 noch zu? Redakteurin Sarah-Lena Gombert hat sich mit dem katholischen Pastor Hans Rolf Funken und Pfarrer Axel Neudorf von der evangelischen Kirche über die Bedeutung des Feiertags unterhalten.

Das erste, was einem kurz vor Ostern in der Werbung und im Internet begegnet, sind bunte Eier und niedliche Häschen. Mit der christlichen Osterbotschaft hat das ja wenig zu tun. Hat die Kirche ein PR-Problem?

Neudorf: Naja, ich bin froh, dass es zu Ostern keine Horror-Figuren gibt wie zu Halloween, was ja in der Werbung immer den Reformationstag überlagert (lacht)... Aber nein, ich würde nicht sagen, dass wir ein PR-Problem haben. Zum einen ist der Feiertag als solcher im Bewusstsein der Leute. Wo wir sicherlich aufzuholen haben, ist aber, die eigentliche Idee des Festes wieder zu verankern.

Das Fest und seine Bedeutung hat sich an Ostern noch stärker voneinander losgelöst als an Weihnachten. Ostern war früher das höchste christliche Fest, Weihnachten hat erst nach und nach an Bedeutung gewonnen. Da hat sich viel verändert. Den Anlass von Weihnachten kennt jedes Kind. Aber bei Ostern wird das schon schwieriger.

Funken: Sie müssen Folgendes bedenken: Das Ei ist ein Sinnbild für Ostern. Aus dem Ei schlüpft ein neues Küken. Und ich sehe das Ganze gerne positiv. Das neu geschlüpfte Küken ist ein Symbol für die Auferstehung. Im Übrigen gebe ich Pfarrer Neudorf Recht: Das Problem ist, dass das Osterfest bei einigen Gläubigen nicht vernünftig verankert ist. Und das ist schade, denn gerade Ostern passiert ja etwas, das uns die besondere Nähe Gottes zu den Menschen zeigt! Jesus Christus ist Mensch geworden und für uns am Kreuz gestorben.

In seinem Tod solidarisiert er sich mit uns. Er weiß genau, was Ohnmacht und Leid bedeuten – und zwar nicht aus nebulöser Distanz, sondern aus eigenem Erleben. Das ist das eine. Und das andere ist: Ostern ist weit mehr, nicht nur Tod, sondern auch Auferstehung. Und wir leben aus dem Glauben heraus, dass Gott seinen Sohn hat auferstehen lassen. Für mich ist das ein unheimlicher Hoffnungsanker.

Gibt es ein bestimmtes Osterfest, an das Sie sich besonders gerne zurückerinnern oder einen Moment, der Ihnen wichtig ist?

Neudorf: Die Symbolik spielt an Ostern eine wichtige, großartige Rolle. Das Ei hatte Herr Pfarrer Funken ja schon angesprochen. Ich finde den Ostermorgen besonders wichtig. Wenn am Ostersonntag die Sonne aufgeht, dann ist das ein unglaublich starkes Symbol dafür, dass Hoffnung auch dort ist, wo vorher alles dunkel war. Eine der eindrücklichsten Osterfeiern die ich hatte, war tatsächlich eine Ostermorgenandacht, bei der man sich kurz vor Sonnenaufgang am Osterfeuer versammelt hat. Die Sonne ging auf, die Gemeinde sang das erste Hallelujah... Das bleibt einem länger im Gedächtnis.

Funken: Ich sehe das ganz ähnlich. Wir tragen die Osterkerze in die dunkle Kirche hinein, es ist dort bewusst dunkel, entweder bei Anbruch der Nacht oder eben kurz vor Sonnenaufgang. Wenn wir dann singen „Lumen Christi“, dann ist das ein wunderbares Symbol dafür, dass Christus die Nacht des Todes besiegt hat. Für mich ist das ein Symbol der Hoffnung, dass wir uns nicht von unseren Ängsten und Sorgen steuern lassen sollten. Das Licht ist ein total schönes, ausdrucksstarkes Symbol. Wenn die Leute zu Ostern in den Gesang einstimmen, dann ist das jedes Mal ein erhebendes Gefühl.

Neudorf: Das ist für mich ein besonders spannender Punkt: Jeder weiß, dass die Sonne aufgeht. Und jeder weiß, dass eine Kerze den Raum erhellt. Aber wenn man das dann zu Ostern erlebt, dann merkt man tatsächlich, im Menschen verändert sich was. Das ist in meinen Augen ein Moment, in dem man realisiert, der Glaube ist eine spürbare Kraft.

Ist die Vermittlung der Osterbotschaft in den vergangenen Jahren schwieriger geworden?

Neudorf: Eines ist in der Tat schwieriger geworden. Wenn ich mich mit Erwachsenen und Jugendlichen unterhalte, stelle ich fest, dass viele Menschen in ihrem Glauben viel stärker ich-bezogen sind. Das führt dazu, dass sie immer weniger Hoffnung haben, stattdessen immer mehr Wünsche. Es gibt weniger Visionen und Ziele im Leben, aber die Leute schauen immer stärker auf ihre Leistung.

Das macht es schwierig. Der christliche Glaube stellt sich nicht auf eine Leistung ab. Es ist nicht meine Leistung, dass Christus ans Kreuz genagelt und auferweckt wurde, sondern es geht um die Hoffnung. Und diese Hoffnung besteht auch, wenn ich an der Leistungsgesellschaft scheitere.

Funken: Da möchte ich anknüpfen. Es gibt immer wieder Situationen, in denen Menschen mit ihren Grenzen konfrontiert werden. Da tun sich manchmal Abgründe auf und man fragt sich, wie kann ich diesen Abgrund überwinden? Genau da spielt der Glaube eine große Rolle. Was trägt mich? Was hält mich und gibt mir Kraft in solchen Situationen? Ich denke, dass der Glaube da schon eine unbändige Kraft und eine große Hoffnungsquelle sein kann. Das geht auch weiter, durch alle Generationen. Das Problem ist nur, dass im Alltag viel zu wenig darüber gesprochen wird. Zu wenige Menschen leben ihren Alltag mit Gott. Ich glaube, wer das tut, der kann das auch vielmehr als Hoffnungsanker verstehen.

Gerade in 2017, im Reformationsjahr, wird uns immer wieder vor Augen geführt, dass nicht nur die Gesellschaft sich ändert, sondern auch die Kirche...

Funken: Ich finde, dass gerade an diesem Punkt das Verbindende betont werden muss. Da trennt mich nichts von Pfarrer Neudorf. Der Glaube, dass Christus auferstanden ist und lebt, und sich mit mir solidarisiert in meinem Sterben, und dass er mir eine Hoffnung schenkt, das verbindet uns. Gerade im Reformationsjahr! Martin Luther hat in meinen Augen eine dringend erforderliche Reform der Kirche gewollt, nicht deren Trennung. Diese hat sich aus politischen Konstellationen ergeben. Und wir müssen weiter daran arbeiten, das Verbindende zum Tragen zu bringen. Daran muss man ständig arbeiten, und zwar im Alltag.

Neudorf: Die Kernbotschaft unseres Glaubens verändert sich ja nicht, und zwar seit 2000 Jahren nicht. Das, was sich an die Zeit anpasst, ist aber die Frage, wie man als Kirche den Glauben vermittelt, weil sich die Lebensumstände der Menschen verändert haben.

Ostern war ja in den frühen Jahrhunderten des Christentums ja auch der Tauftermin. Die Individualtaufe ist ja ein recht neues Phänomen. Neuerdings gibt es ja, wenn auch aus anderen Gründen, wieder Sammeltaufen...

Funken: Alleine schon den Begriff „Sammeltaufe“ finde ich schrecklich! Jeder wird bei seiner Taufe, ob nun katholisch oder evangelisch, höchstpersönlich beim Namen gerufen. Und auch, wenn ich mehrere Kinder taufe, wird jedes Elternpaar persönlich angesprochen. Das ist kein Massenevent. Eltern und Paten übernehmen ja auch eine Verpflichtung, ihre Kinder im Glauben zu erziehen. Da wird niemandem etwas übergestülpt. Übrigens wird auch heute noch sehr viel in der Osternacht getauft. Es gibt zunehmend Erwachsene, die sich entscheiden, Christ zu werden. Die bereiten während der Fastenzeit ihre Taufe vor.

Neudorf: Was sich verändert hat von der frühen Kirche zu heute ist vor allem die Taufpraxis, dass Menschen die Begleitung durch Gott schon für ihre Kinder haben möchten. Das, was es vorher gab – durch die Taufe endet mein altes Leben und beginnt ein neues in Christus – findet man heute nur noch selten, beispielsweise in den Sakramenten der Kommunion beziehungsweise der Konfirmation. Da wird die bewusste Entscheidung für den Glauben von Jugendlichen nachgeholt. Ich merke allerdings auch, dass sich hier etwas verändert. Hier in Stolberg taufe ich öfter Kinder, die bereits in der Schule sind. Das ist eine spannende Entwicklung, und das sind auch spannende Taufgespräche.

Funken: Manchmal hört man, das Kind solle sich selbst entscheiden. Man kann sich ja aber nicht im luftleeren Raum entscheiden. Ich kann mich nur dann für oder gegen etwas entscheiden, wenn ich das vorgelebt bekomme, zum Beispiel „Christ sein gehört zu meinem Leben dazu.“ Mit Gebet, Gottesdienst oder der heiligen Messe. Wenn ich mich für einen Partner oder eine Partnerin entscheide, überlege ich mir ja auch vorher, ob das der oder die Richtige für mich ist. Es muss Vorbilder geben, die mich in den Glauben hineinführen. Dann kann ich getauft werden. Mir ist auch schon etwas ähnliches wie Pfarrer Neudorf passiert, dass Kinder in die Sakristei kamen und getauft werden wollten. Dann haben wir das auch gemacht – nach Absprache mit den Eltern, versteht sich.

Neudorf: Um die Verbindung von Ostern und Taufe hervorzuheben, machen wir am Ostermontag im Frankental einen Gottesdienst mit Tauferinnerung. Wir schreiben alle Kinder an, die vor fünf bis sieben Jahren getauft wurden, die jetzt besser drüber nachdenken können über den Zusammenhang. Wenn die Taufe von der Auferstehung abgekoppelt wird und als „Versicherungspaket“ verkauft wird nach dem Motto: Du bist getauft, Gott passt auf dich auf, dann geht ein ganz wichtiger Punkt verloren, nämlich folgender: Ich bin in den Tod Christi hineingetauft, und in seine Auferstehung. Das ist das, was Christen mutig macht und ihnen hilft, ihre Ängste zu überwinden.

Funken: So eine Tauferinnerung gibt es bei uns auch, nicht an Ostermontag, sondern am Fest der Taufe des Herrn. Damit schließt offiziell die Weihnachtszeit ab. Da laden wir Eltern ein, die im vergangenen Jahr ihr Kind haben taufen lassen. Zur Erinnerung an die Taufe gibt es in der katholischen Kirche ja auch Weihwasserbecken. Man kann sich im Grunde ständig selbst erinnern. Manchmal geht es leider ein bisschen unter.

Apropos untergehen: Es gibt ja Menschen, die nur zu Weihnachten und Ostern in der Kirche auftauchen...

Neudorf: Sie meinen die sogenannten U-Boot-Christen! (lacht)

Genau die meine ich... Nehmen Sie das auch wahr, dass abseits der hohen Feiertage mehr Besucher wünschen würde?

Funken: Natürlich würde ich mir mehr Gottesdienstbesucher abseits der Feiertage wünschen. Aber ich freue mich über jeden, der kommt. Auch Weihnachten, auch Ostern. Denn bei jedem, der kommt, ist die Hoffnung noch lebendig. Und ich versuche, mit Herz und Engagement bei der Sache zu sein, und versuche, dass der „Funke“ überspringt (grinst). Ich bemühe mich, die Menschen da abzuholen, wo sie stehen.

Neudorf: In Stolberg bin ich ja noch neu, aber auch in den vorherigen Gemeinden war es so, dass Festgottesdienste stärker besucht sind. Wir versuchen, unsere Gottesdienste so zu gestalten, dass sie die Besucher begeistern, und ich freue mich über die Menschen, die sonntags in die Kirche kommen. An manchen Gottesdienstformaten arbeiten wir noch, um vielleicht mal die Menschen zu erreichen, die sonntags nicht kommen. Ein Problem dabei ist allerdings, diese Menschen überhaupt zu erreichen. Es gibt aber auch andere Wege, wie Kirche die Menschen erreicht, nicht nur sonntags im Gottesdienst. Es gibt Radioandachten oder Fernsehübertragungen, und es gibt Predigten im Internet.

Funken: Das ist auch für ältere Leute wichtig, dass die Medien ihnen einen Zugang zum Mitfeiern der Messe bieten. Es gibt einige, die sehr bedauern, dass sie es nicht mehr selbst ins Gotteshaus schaffen. Und da finde ich es ganz wichtig, dass die nicht vergessen sind.

Sowohl evangelische und katholische Kirche unterlagen in der jüngeren Vergangenheit gewissen Sparzwängen. Unter anderem wurden Gotteshäuser auf „rote Listen“ gesetzt. Haben Sie das Gefühl, dass die Menschen der Kirche das übel nehmen?

Funken: Das ist ein hochemotionaler Prozess, und ich habe viel Verständnis dafür, dass die Leute traurig sind. Es gibt auch Leute, die sich vor 50 Jahren bei den beiden Stolberger Kirchen St. Hermann-Josef oder St. Franziskus für den Bau engagiert haben. Dass die nun traurig sind, dass diese Kirchen auf der roten Liste stehen, ist mehr als verständlich. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass das Gemeindeleben erhalten bleibt. Aber wir können nicht auf Dauer alle Gotteshäuser halten, schon weil das Personal fehlt.

Und die Leute müssen sich daran gewöhnen, dass wir Wege zueinander suchen, und dass wir Gottesdienste so feiern, dass die Leute davon im Herzen berührt werden. Sicher gibt es noch Schwierigkeiten und Hemmschwellen, aber es gibt auch positive und schöne Entwicklungen – zum Beispiel an Ostersonntag ein Hochamt, bei dem die Chorgemeinschaft von St. Hermann-Josef und der junge Chor Stolberg gemeinsam singen. Das ist ein ermutigendes Zeichen von gelingendem Miteinander.

Neudorf: Ich stimme Pfarrer Funken zu, das ist ein hochemotionales Thema, das an vielen Stellen mit Enttäuschungen besetzt ist. Es hat aber wenig Sinn, zurückzublicken auf das, was man verliert. Es macht viel mehr Sinn, auf gelingende Projekte zu blicken. Das ökumenische Gemeindezentrum ist so ein Beispiel, wo katholische und evangelische Christen gemeinsam entdecken, dass es Freude macht, gemeinsam in die Zukunft zu schauen. Wir müssen in der Kupferstadt schauen, auf welchem Weg sind wir. Einige Weichen scheinen ökumenisch gestellt zu sein, und das freut mich sehr.

Glauben Sie denn, dass es irgendwann mal ein gemeinsames Osterfest gibt, oder werden evangelische und katholische Kirche in Stolberg immer parallel zueinander existieren?

Neudorf: Wir feiern ja schon zusammen, das Pfingstfest ist dafür ein großartiges Beispiel. Ich sehe also keine Gründe, die uns davon abhalten sollten, gemeinsam Ostern zu feiern.

Funken: Denken Sie doch auch mal an den ökumenischen Kreuzweg, der am Karfreitag stattgefunden hat. Der findet jetzt nicht mehr direkt als Zeichen gegen den Rechtsradikalismus statt, trotzdem besinnen sich da viele Christen auf das eigentliche, was sie prägt. Und das ist ein sehr schönes und gelingendes Miteinander.

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