Suchtprävention mit hohem Erlebnisgehalt

Von: Dirk Müller
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Mit simulierten 1,3 Promille kommt man nur schwer über das Hindernis: Das muss auch Achim (15) feststellen. Foto: Dirk Müller

Stolberg. Eigentlich ist die Aufgabe ganz einfach: Lena soll eine Mitschülerin auf einem Rollbrett im Slalom um einige Pylonen „chauffieren”. Doch die 14-Jährige hat ihre liebe Mühe damit, verliert irgendwann komplett die Orientierung und dreht sich samt Rollbrett und Passagierin verwirrt im Kreis.

Lena sieht die Turnhalle der LVR-Gutenberg-Schule durch eine sogenannte „Rauschbrille” sieht. Sie simuliert den Blick unter Alkoholeinfluss, schränkt das Sehfeld ein und lässt die Jugendlichen nur unscharf sehen. „Entfernungen kann man damit nicht genau abschätzen. Besonders schwierig fand ich es, am Ende das Türschloss zu öffnen, da ich das Schlüsselloch kaum getroffen habe”, beschreibt Lena.

Ihrem Mitschüler Achim geht es nicht anders. Kaum hat er die „Rauschbrille” angezogen, werden seine sonst sicheren Bewegungen plötzlich unbeholfen und staksig. Eher vorsichtig tastend statt sehend bewältigt er den Hindernisparcours.

Mit der „Rauschbrille”

„Es ist, als wäre einem schwindelig. Man sieht alles verschwommen und weiß irgendwann nicht mehr, wo vorne und hinten ist”, sagt der 15-Jährige. Die zehnköpfige Gruppe hat viel Spaß mit der „Promillebrille”, doch bevor es zur nächsten Station geht, fällt das Fazit der Schüler einhellig ernst aus: „In diesem Zustand mit dem Auto zu fahren, ist lebensgefährlich für sich und andere.”

Die Jugendlichen beschäftigen sich an insgesamt acht mit Lehrpersonen besetzten Stationen in abwechslungsreicher, spielerischer und dynamischer Form mit dem Thema „Alkohol und Sucht”. Rund 170 Schüler der siebten bis zehnten Klassen setzen sich an zwei aufeinander folgenden Projekttagen in der Gutenberg-Schule mit Alkohol, seiner Wirkungsweise, Risiken und Folgen sowie dem eigenen Konsumverhalten kritisch auseinander. „Das Programm ,Alk-Tours haben wir für unsere Schülern entsprechend modifiziert.

„Komasaufen” ist nicht cool

Es ist auf Aktivität und Erlebnis ausgerichtet, und als Zeitpunkt für die Projekttage haben wir bewusst die Nähe zum Karneval gesucht, um zu zeigen, dass ,Komasaufen eben nicht ,cool ist”, erklärt Lehrerin Renée Lang.

Sie hat mit ihrer Kollegin Marianne Bickmann die Projektleitung inne. Die beiden Tage, an denen die Schüler die „Alk-Tours” begehen, seien übrigens nicht isoliert zu sehen, betont Bickmann: „Die Projekttage wurden zum Teil im Unterricht vorbereitet und werden auch in der Folge noch thematisiert. Da wir in unserem neuen Schulgebäude jetzt auch die räumlichen Möglichkeiten dazu haben, werden wir weiterhin in Form von Projekten in den Bereichen Sucht- und Gewaltprävention arbeiten.” Was die Suchtprävention angeht, erhalten die Schüler eine Menge an vielfältigen Informationen rund um das Thema „Alkohol”: Der „Sinnesparcours” bietet Schmeck-, Riech-, Hör- und Tastübungen, Ärztin Lena Tomala klärt in der Station „Erste Hilfe” über medizinische Aspekte des Alkoholkonsums und die Gefahren für den menschlichen Organismus auf.

Teamfähigkeit

Das Wissensquiz „Fit rund um den Sprit” verdeutlicht den Kenntnisstand der Jugendlichen, an Filmbeispielen werden die Tricks der Alkoholwerbung entlarvt und an einer anderen Station wird aufgezeigt, wie das emotionale Erleben sich unter Einfluss von Alkohol verändert.

Die Station der „Suchtmensch” macht Mechanismen transparent, die Menschen zum Alkohol greifen lassen, und plädiert für starke, glückliche Persönlichkeiten der Schüler, die nicht aus Ängsten, Konflikten, Mobbing und ähnlichem zur Flasche greifen. Die Jugendlichen durchlaufen die einzelnen Stationen in gemischten Gruppen, nicht in ihrem Klassenverband oder ihrer Jahrgangsstufe. „Dadurch trainieren wir nebenbei die Teamfähigkeit unserer Schüler”, sagt Bickmann.

Am Ende der Projekttage erhalten die Teilnehmer ein kleines Heft mit leckeren Rezepten für Cocktails - alkoholfrei versteht sich. „Diese wollen wir dann auf unserer Schul-Karnevalsfeier anbieten”, verspricht Lang.
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