Stolberg - Stressig wird es nur bei der Parkplatzsuche

Stressig wird es nur bei der Parkplatzsuche

Von: Daniel Gerhards
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Konzentrierter Blick auf die Noten: Franz Körfer spielt die Korfmacher Orgel in der Breiniger Pfarrkirche mit viel Routine. Der 54-Jährige ist seit 1979 in der Pfarre St. Barbara. Foto: D. Gerhards

Stolberg. Kirchenmusiker müssen ganz schön stressresistent sein. Dass Franz Körfer in den Tagen rund um das Weihnachtsfest einen pickepackevollen Terminkalender hat, merkt man ihm aber nicht an. Er ist trotz allem die Ruhe selbst.

Vielleicht liegt das an seiner Erfahrung. Der 54-Jährige macht seinen Job seit Jahrzehnten. „Inzwischen bin ich schon routiniert“, sagt er. Leicht ist es trotzdem nicht, bei aller Eile, für festliche Stimmung zu sorgen. „Man hetzt von einer Besinnung zur nächsten. Da muss man ganz ruhig bleiben und so tun, als wäre das die einzige Veranstaltung, die man an dem Tag macht“, sagt Körfer.

Ein ganz normaler Tag in Körfers Woche verlief diese Woche etwa so: Morgens um 8 Uhr ökumenischer Schulgottesdienst, halb 11 zum Begräbnisgottesdienst, um 14 Uhr probt er mit der Flötengruppe, um 17.30 Uhr übt er mit dem Kirchenchor Mausbach, dann spielt er um 19 Uhr zur Abendmesse in Mausbach und anschließend steht noch die Generalprobe mit dem Kinderchor für Heiligabend an. „Als Kirchenmusiker arbeitet man nicht von 8 bis 16 Uhr, das verteilt sich über den ganzen Tag“, sagt Körfer. Zwischendurch muss er viel organisieren: Termine planen, sich mit Ehrenamtler treffen oder Noten besorgen.

Ebenfalls großen Einsatz zeigen die Stolberger Kirchenmusiker Gunther Antensteiner und Hermann-Josef Schulte. Antensteiner ist für die evangelische Kirchengemeinde tätig. Zudem hat er 2006 den kirchenmusikalischen Dienst in der katholischen Pfarrgemeinde Herz Jesu in Münsterbusch übernommen. Schulte ist für die Pfarren St. Lucia, St. Josef und St. Mariä-Himmelfahrt als Organist und für Chorgemeinschaft St. Cäcilia als Chorleiter tätig. Hinzu kommen bei beiden Leitungsfunktionen in weiteren Ensembles. Das bedeutet besonders in der Vorweihnachtszeit eine Menge Arbeit.

Als hauptamtlicher Kirchenmusiker ist Körfer in der Gemeinschaft der Gemeinden Stolberg-Süd für neun Gemeinden zuständig. 1979 begann er, nachdem Kirchenmusik und Instrumentalpädagogik studierte und dazu die Musiklehrerprüfung ablegte, in Breinig. Im Jahr 2000 kam Büsbach dazu, fünf Jahre später Mausbach. Und nun also gleich neun Gemeinden. „Es wird schon mehr von den Einzelnen verlangt als früher, weil weniger Leute eingestellt werden“, sagt er. Einzelne Pfarren könnten sich schließlich keinen eigenen Kirchenmusiker mehr leisten. „Ohne die Neben- und Ehrenamtler könnten wir den musikalischen Betrieb nicht aufrecht erhalten“, sagt Körfer.

Zwar ist Körfer an der Orgel ein echter Könner, doch auch ausgewiesene Profis müssen trainieren. Zwischen den Chorproben und Gottesdiensten „muss ich auch mal üben“. Bei anspruchsvollen Stücken geht es nicht anders. „Wenn ich ein schwieriges Stück zwei Jahre nicht gespielt habe, muss ich das wieder neu einüben. Das ist sehr zeitaufwendig“, sagt Körfer.

Doch es habe auch Vorteile wenn man in unterschiedlichen Gemeinden arbeitet. Als Leiter von mehreren Chören könne er schon mal einen Sänger fragen, ob er in einem anderen Chor aushelfen kann. „Man kann sich gut ergänzen.“ Zudem gibt es gemeinsame Konzerte der Chöre. Und ein Auftritt mit den Sängern mehrerer Chöre sorgt für eine viel größere Klangfülle. Insgesamt leitet Körfer drei Kirchenchöre, drei Kinderchöre, einen Jugendchor und drei Blockflötengruppen. Bedauernd erklärt er, dass die Ensembles keinen großen Zulauf mehr haben. „Sorgen mache ich mir um den Nachwuchs. Die Kirchenchöre überaltern und in den Kinderchören ist es schwer, die Leute bei der Stange zu halten.“

Trotz aller Gottesdienste, Proben und dem Üben an der Orgel, wird Körfer nur unruhig, wenn er am Steuer sitzt. Körfer: „Stressig finde ich, wenn man von einem Gottesdienst zum nächsten fährt und keinen Parkplatz findet.“

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