Streitschlichter haben eine Menge guter Argumente

Von: Dirk Müller
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Aufmerksame Zuhörer: Die Streitschlichter der Stolberger Realschulen bei ihrer Fortbildung in Aachen. Foto: D. Müller

Stolberg/Aachen. Hoch aufmerksam sitzen 15 Schüler im Kreis und folgen den Ausführungen von Udo Bertram. Sie sind voll bei der Sache und beteiligen sich rege am Gespräch - eine Szene, wie sie sich jeder Lehrer wünscht. Doch Bertram ist kein Pädagoge sondern Polizist und die Stolberger Realschüler der Klassen 9 und 10 sind weder im Unterricht noch in der Schule.

Sie nehmen an einem Wochenend-Seminar in der Aachener Jugendherberge Colynshof teil, um eine Zusatzqualifikation zu erlangen. Die Arbeitseinheit mit Bertram vom Kriminal-Kommissariat Vorbeugung ist ein Modul der „Anti-Gewalt und Anti-Rassismus Schulung” im Rahmen von „Jump” (Jugend Migrations Projekt), in dem Jugendliche Deeskalationstechniken erarbeiten.

Selbstschutz, Opferschutz, Körpersprache: Das sind die Themen, die am Samstagnachmittag auf der Tagesordnung stehen, nachdem Michael Klarmann am Vormittag über „Nazi-Codes” referiert und den Schülern Aktuelles über die Kennzeichen, das Menschen- und Weltbild und die Vernetzung der rechten Szene vermittelt hatte.

Am Vortag hatte der Diplom-Sozialpädagoge Stefan Klein die Mechanismen von Rassismus und Diskriminierung anschaulich anhand der eigenen Vorurteile der Jugendlichen verdeutlicht, zum Beispiel gegenüber den Schülern von Hauptschulen und Gymnasien. „Wir haben außerdem begonnen, eine eigene deutsche Identität zu erarbeiten, da sie wichtig ist und wir dieses Feld nicht den Rechten überlassen wollen”, beschreibt Klein, der auch Anti-Gewalt-Trainer ist, was Gegenstand von Vorträgen, Gesprächen, Präsentationen und Rollenspielen war.

An diesem Seminar nehmen ausgebildete Streitschlichter und besonders engagierte Schüler der beiden Stolberger Realschulen teil. „Wir nennen sie ,Leuchttürme, da sie sich in den Schulen herausragend sozial einbringen”, erklärt Jump-Projektmanager Peter Cafitz.

Der Schüler und Streitschlichter Jan Hilgier erläutert wie man ein so genannter „Mediator” wird: „In der neunten Klasse machen wir innerhalb einer AG ein Jahr lang die Ausbildung zum Streitschlichter. In der Zehnten haben wir dann in den Pausen unsere festen Sprechstunden, in denen wir helfen, Streitereien unter Schülern bei zulegen.”

Streitschlichter oder Mediator ist eine zertifizierte Ausbildung, die die Schüler in den Stolberger Realschulen bei qualifizierten Pädagogen absolvieren. Einen Einblick in die Arbeit der Mediatoren gibt Dennis Paschelke: „Die Streitenden kommen zu uns und wir stellen uns nach der Begrüßung vor. Dann stellen die Parteien den Streit dar und wir versuchen uns als Streitschlichter in den Sachverhalt hinein zu versetzen, damit wir helfen können, dass die Beteiligten das Problem untereinander friedlich lösen.”

Die Erfolgsquote liege bei 100 Prozent und nicht nur die am Streit beteiligten Schüler gingen zufrieden nach Hause, sondern auch der Mediator selbst, da der geschlichtete Konflikt für ihn ein Erfolgserlebnis sei, berichtet Hilgier stolz.

„Fast wie eine große Familie”

Die Zusatzqualifikation im Colynshof habe den Schülern eine Menge gebracht, meint Paschelke: „Viel gelernt haben wir vor allem im Bereich Kommunikation: Wenn es um Gewalt oder Rassismus geht, können wir jetzt jeden in Grund und Boden argumentieren.”

Das Knüpfen neuer Kontakte zu Schülern der jeweils anderen Stolberger Realschule sei allerdings ebenfalls ein positiver Effekt des Wochenendes gewesen, das die Jugendlichen zusammen geschweißt habe, merkt Norbert Augusto an: „Ich hätte vorher nicht gedacht, dass man mit den anderen so gute Gespräche führen kann. Wir sind jetzt fast wie eine große Familie.”
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