Streikzug: 200 Mitarbeiter machen ihrem Ärger Luft

Von: Jessica Küppers
Letzte Aktualisierung:
10148653.jpg
Lautstarker Protest der Prym-Belegschaft: Die Mitarbeiter haben am Mittwoch für zwei Stunden ihre Arbeit nieder gelegt, um gemeinsam gegen die Abkopplung vom Tarifvertrag der IG-Metall zu demonstrieren. Foto: J. Lange, J. Küppers

Stolberg. Auffallend ruhig ist es an diesem Morgen am Prym-Werk in Stolberg. Nur das leise Rauschen der Vicht ist zu hören. Die Maschinen stehen zwei Stunden lang still, während die Belegschaft mit schrillen Tönen aus ihren Trillerpfeifen Richtung Kaiserplatz zieht.

Rund 200 Mitarbeiter streiken an diesem Morgen für 3,4 Prozent mehr Lohn, für einen Eintritt in die Altersteilzeit und eine Chance auf Bildung. Ab elf Uhr verlassen sie ihren Arbeitsplatz , um gemeinsam ein deutliches Zeichen zu setzen.

Abkopplung vom Tarif

„Abkehr vom Haustarif, zurück zur Fläche“ steht auf einem Transparent geschrieben. Hintergrund ist die Abkopplung vom Flächentarif der IG-Metall. Gewerkschaftssekretär Martin Peters kämpft gemeinsam mit der Belegschaft dagegen an: „Man sagt uns in den Verhandlungen, Prym könne sich die teuren IG Metall Tarife nicht mehr leisten.“ Das würde für die Beschäftigten ein Verzicht auf sämtliche Zusatzleistungen der IG-Metall bedeuten. „Und all das sagt man uns, ohne rot zu werden nach einem Jahr, wo das Unternehmen erstmals in seiner Gesamtheit ein positives Betriebsergebnis gefahren hat“, kritisiert Peters. Schwarze Zahlen und trotzdem Einbußen für die Beschäftigten. Das sei für viele Mitarbeiter unverständlich und treibe sie zum Streik auf die Straße.

Auch Mitarbeiterin Petra Oebel ärgert sich über die Pläne der Geschäftsführung. Als Frau der Zahlen rechnet sie ihren Kollegen bei der Kundgebung am Kaiserplatz vor, was eine Auskopplung aus dem Tarifvertrag der IG-Metall konkret für sie bedeuten würde. „Wenn nur noch ein Drittel der Tariferhöhungen an die Mitarbeiter weitergegeben wird, bekommen wir bei einer Tariferhöhung von drei Prozent in den nächsten fünf Jahren nur noch ein Prozent.“ Dieser Wert liege acht Prozent hinter dem Flächentarif und bedeute im Einzelnen 15000 Euro weniger für die Mitarbeiter.

Oebel ist schon seit 35 Jahren bei dem Unternehmen beschäftigt. „Ich habe schon Viele kommen und gehen sehen“, sagt sie. Sie beobachtet, dass langsam die Stimmung unter den Prym-Mitarbeitern kippe.

3,4 Prozent mehr Lohn

Deswegen fordert sie wie ihre Kollegen „gerechte Bezahlung für gute Arbeit“. Konkret heißt das 3,4 Prozent mehr Lohn für alle Mitarbeiter der Prym-Gruppe. Dazu zählen die Unternehmenszweige Prym Consumer, Inovan und Prym Fashion, die alle in Stolberg angesiedelt sind.

Vom Logistikzentrum des Unternehmens in Alsdorf sind ebenfalls einige Kollegen mit dem Bus nach Stolberg gekommen, um gemeinsam für ihre Forderungen einzutreten und gegen die Pläne der Geschäftsführung zu streiken. Mit ihrem gemeinsamen Protest auf dem Kaiserplatz wollen sie Zusammenhalt und Entschlossenheit gegenüber der Geschäftsführung demonstrieren.

An eben diese appelliert auch Peters im Schlusswort seiner Rede, die er für die Kundgebung vorbereitet hat: „Ich fordere die Arbeitgeber auf, an den Verhandlungstisch zurück zu kehren, das Tarifniveau unangetastet zu lassen und konstruktive Lösungen für unsere Forderungen zu verhandeln.“ Der Startschuss dafür sei gefallen.

Sollte die Chefetage der Prym-Holding nicht auf den Streik der Mitarbeiter reagieren, will er die Aufforderung zu Verhandlungen noch einmal erneuern. Wie genau das aussehen wird, kann er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Mit der Beteiligung der Belegschaft am ersten Warnstreik ist Peters sehr zufrieden: „Der Streik hat den gewünschten Effekt gebracht, weil das Unternehmen in dieser Zeit nicht produzieren konnte“, sagt er.

Auch auf Twitter

Wie es in dem Tarifstreit zwischen der Prym-Belegschaft und der Geschäftsführung weitergeht, ist auch auf Twitter unter #PrymTarif2015 nachzuverfolgen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert