Straßennamen: Luise, Anna und Astrid sind die jüngsten Promis

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Sozialdemokratische Frauen wollen mehr weibliche Persönlichkeiten unter den Straßennamen.

Stolberg. Anders als in sozialen Netzwerken war der Antrag der von Yvonne Mees geführten Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) den Mitgliedern des Hauptausschusses keinen einzigen Kommentar wert. Aber sie haben ihn sofort einstimmig zur weiteren Bearbeitung an die Verwaltung geleitet.

Demnach sollen zukünftig vorrangig weibliche Namen bei der Benennung neuer Straßen in der Kupferstadt gewählt werden. Laut AsF seien honorige Damen unterrepräsentiert auf den von Herren dominierten Straßenschildern.

Im Grunde genommen liegt es aber an den Politikern selber, wenn es zu einer Benachteiligung gekommen sein sollte. Denn nicht die Verwaltung, sondern der Stadtrat entscheidet über die Benennung von Straßen im Stadtgebiet. Die Verwaltung informiert lediglich über die eingereichten Vorschläge und unterbreitet der Politik daraus einen Vorschlag, an den diese sich halten kann oder auch nicht.

Zuletzt vor gut zwei Monaten wurden vier Straßenzüge benannt, die im Breiniger Neubaugebiet liegen: drei nach Männer, eine nach einer Frau, alle mit Bezug zu diesem Stolberger Stadtteil. Dass kurz zuvor auf Antrag der SPD der kleine Platz an der Klatterstraße unterhalb der Burg nach Moritz Kraus benannt worden ist, lag weniger an dessen Geschlecht, sondern vielmehr an der Schenkung der Burg an die Stolberger.

Sieht man einmal vom eher gender-neutralen Flämischen und Wallonischen Ring ab, wurden in der jüngeren Vergangenheit durchaus prominente Frauen aufs Schild gehoben: Allen voran Belgiens Königin Astrid im Gewerbegebiet, gefolgt von Luise Nießen in Werth, ein Urgestein des Karnevals und des Fußballs in Werth, und Anna Klöcker auf dem Donnerberg, eine christlich engagierte Sozialpolitikerin und Landtagsabgeordnete.

Ebenso bewusst hatte der Stadtrat aber auch darauf verzichtet, Straßen nach Persönlichkeiten zu benennen, weil bereits Straßen im Umfeld nach geologischen, historischen oder naturkundlichen Aspekten benannt waren. So entstand der Name Münsterblick wegen der schönen Aussicht auf das Münsterländchen, Eburonen- und Gallierweg auf dem Büsbacher Brockenberg, und mit Lavendel-, Margeriten-, Salbei-, Mohn-, Krokus- und Efeuweg blieben die Stadtmütter und -väter den Donnerberger Blumen- und Pflanzennamen treu.

Nun bietet ebenfalls auf dem Donnerberg, aber jenseits der „Namensscheide“ der Höhenstraße das große Neubaugebiet an der Stadtrandsiedlung die Chance, bei der Benennung der Straßen die Frauen am Rande der Gesellschaft abzuholen und sie in den thematischen Mittelpunkt der Siedlung zu rücken.

Stolbergs Gleichstellungsbeauftragte Susanne Goldmann führt dazu eine nicht den Anspruch der Vollzähligkeit erhebende Liste mit derzeit 33 „starken Stolberger Frauen“, und die AsF hat außerdem einen eigenen Vorschlag unterbreitet.

Da werden nun die seit langen Jahren und sicherlich auch aus guten Gründen genannten, aber noch nicht beschiedenen Vorschläge weiter warten müssen: Prof. Dr. Hans Auler, Dr. Max Schießl, Heinrich Rosskamp, Kurt Schleicher, Matthias Dolfen, Oskar Pongratz, Jakob Radermacher, Arnold Janz, Franz Lennartz, Erich Fried, Dr. Joseph Cornelius Roissaint, Johann Meyer, Arnold Heygris und Dr. Friedrich Deutzmann gehören ebenso dazu wie der Antrag der Stiftung Aufarbeitung zur Benennung einer „Straße des 17. Juni“. Auch die „Hubertine-Heine-Straße“ wartet noch auf eine Platzierung im Stadtgebiet – übrigens seit Juni 2008.

Erst vor wenigen Wochen hatte die Fraktion der Linken Hubertine Heine, die ihr Vermögen stiftete, um Behinderten in Stolberg das Leben zu erleichtern, wieder hervorgeholt. Sie sollte auf der Lieser den früheren Bürgermeister Walther Dobbelmann als Straßenbezeichnung ersetzen. Nach einem historischen Diskurs im Hauptausschuss und einer einmonatigen Bedenkzeit zogen die Linken ihren Vorschlag dann wieder zurück.

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