Straßenbau im privaten Garten

Von: Jürgen Lange
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Von Ausbauplanung nicht überzeugt: Bodo Behlau plädiert gegen einen 75 Zentimeter breiten Schrammbord am Narzissenweg. Foto: J. Lange

Stolberg-Donnerberg. Man kann Edeltraud und Bodo Behlau verstehen. Als das Ehepaar vor neun Jahren das Haus am Narzissenweg kaufte, sprach noch niemand vom Straßenausbau. Wohl einem Fall des „Donnerberger Landrechts“ zu verdanken ist der Umstand, dass die Behlaus damals auch nicht erfuhren, dass ein schmaler Streifen ihres langen Gartengrundstückes städtisches Eigentum ist.

Dort verläuft ein 20 Zentimeter schmaler Schrammbord; daneben ein kleiner Zaun und dahinter eine alte breite Hecke. Vor dem Haus haben die Behlaus in den letzten Jahren den Garten liebevoll gestaltet, eine kleine heimische Buchenhecke gepflanzt, Einfahrt und Wege gepflastert. Die stattlichen Rosenstämmchen „muss ich jetzt bald ausgraben“, sagt Behlau auf dem Weg ins schmuck renovierte Haus.

Dort, wo die Rosen heute noch stehen, verläuft der Kanalhausanschluss, und der muss im offenen Graben saniert werden. „Das ist nun einmal so“, sagt Edeltraud Behlau. „Argumenten sind wir ja auch zugänglich.“ Überzeugen ließ sich das Ehepaar auch von der Notwendigkeit der Sanierung von Kanal und Straße. „Aber von der Ausbauplanung sind wir nicht überzeugt worden.“

An der Bürgerversammlung dazu nahmen die Behlaus teil. „Aber da haben wir fast nichts verstanden.“ Wegen der Fachausdrücke. Schrammbord, Kap, Rundbord – das waren in der Sitzung alles „böhmische Dörfer“ für die Senioren. „Wir erwarten schon, dass man solche Begriffe und ihre Folgen dem unbedarften Bürger besser erklärt“, sagt Bodo Behlau. Er machte sich im Internet schlau und wurde stutzig.

Fahrbahn und Bürgersteig in diesem Abstand des Narzissenweges sollen beim Ausbau mit 5,50 Meter bzw. 1,50 Meter so breit werden, wie sie jetzt auch sind. Der Schrammbord soll auf 75 Zentimeter unter Inanspruchnahme des städtischen Streifens in seinem Garten verbreitert werden. Das bedeutet für Behlau nicht nur, dass Zaun und Hecke weg müssen, sondern dass der 75-Jährige auch den Winterdienst übernehmen muss, weil der Schrammbord dann breiter als 40 Zentimeter ist.

Er besitzt für Anlieger den Vorzug, dass seine Herstellungskosten nicht umgelegt werden können, während die Stadt die gesamte Breite ihres Straßenraums ausnutzt. Der Schrammbord soll darüber hinaus Kindern aus einem Haus des Narzissenwegs als Gehweg dienen, damit sie die Anliegerstraße nicht queren müssen. Vor dem Elternhaus ist außerdem ein Kap, ein mit 1,50 Meter normal breiter Bürgersteig, geplant, der über die Grundstücksbreite zur Verkehrsberuhigung die Fahrbahn auf 4,70 Meter verengt.

Dieses Kap halten auch die Behlaus für sinnvoll im Gegensatz zum Schrammbord, auf dem letztlich ohnehin keiner gehen würde. „Der Schrammbord ist aber ein ausdrücklicher Wunsch aus der Bürgerbeteiligung, den wir nach Abwägung umgesetzt haben“, sagt der Technische Beigeordnete Tobias Röhm und verweist auf die jüngst im Verkehrsausschuss beschlossene Ausbauplanung.

Bestandteil dieses Beschlusses ist auch eine Ausbuchtung der Grünfläche zur Einengung der Fahrbahn im Einmündungsbereich des Lupinenwegs. Diese „Nase“ hält das Ehepaar aus Gründen der Verkehrssicherheit für überflüssig. „Es gibt dort keine Raser oder Unfälle“, sagt Bodo Behlau. Aus Sicht des Beitragsrechts ermöglicht diese Nase der Stadt bei der Heranziehung, den Narzissenweg als eine Einheit abzurechnen, was die Kosten stärker verteile.

Nachteil der „Nase“, so wie geplant, ist der Umstand, dass der neue Kurvenradius des Narzissenwegs über den heutigen Behlau‘schen Vorgarten führt, wenn auch auf städtischem Eigentum.

Das wurmt natürlich. „Warum erneuert die Stadt den Narzissenweg nicht auf der heutigen Trasse?“, fragt sich das Ehepaar. Die Maße dazu sind ausreichend; in der Praxis funktioniert habe die heutige Straßenführung auch.

Unterschriften überreicht

„Wir haben angeboten, die städtische Fläche zu kaufen“, sagt Bodo Behlau. Antwort bekommen auf diesen wie auch auf eine Reihe weiterer Briefe habe er nur per Rückschein von der Post, nicht aber von der Verwaltung. Das verärgert. Und das Schweigen trägt nicht dazu mit Argumenten überzeugen zu wollen.

Mittlerweile hat Edeltraud Behlau Unterschriften gesammelt. 16 von 17 Eigentümern des Narzissenwegs (einer wohnt nicht vor Ort) haben unterschrieben, dass sie gegen den Bau des Schrammbords sind. Am Dienstag kurz vor der Sitzung des Hauptausschusses wurde die Unterschriftenliste an Bürgermeister Tim Grüttemeier überreicht. Nun sind die Behlaus auf Antworten gespannt.

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