Straßen-Derny als Besonderheit beim Radporttag

Von: Dirk Müller
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Extremsport wo andere Leute Urlaub machen: Markus Ganser ist bereits acht Mal beim „Iron Man“ in Hawaii gestartet. Ganser ist der Rennleiter beim großen BSR-Radsporttag heute in Breinig. Foto: privat, D. Müller

Stolberg. Am heutigen Samstag beginnt um 13 Uhr der große BSR-Radsporttag in Breinig. Rennleiter ist erstmals Markus Ganser in der Nachfolge von Reiner Sorge. Der ehemalige Radprofi, der unter anderem zwei Mal NRW-Straßenmeister und jahrelang sportlicher Leiter des Stolberger Profiteams war und sich inzwischen dem Triathlon verschrieben hat, spricht im Interview über die Neuerungen beim Radsporttag und mehr.

Bei dem Radsporttag heute gibt es einige Änderungen im Vergleich zu den Vorjahren. Warum?

Ganser: Es ist wie beim Sporttreiben: Wenn man zehn Mal auf die gleiche Art und Weise trainiert, bringt einen das irgendwann nicht mehr weiter, und man sollte das Training variieren. Ich denke, dass neue Impulse auch für den BSR-Radsporttag gut sind. Dass die Neuerungen greifen können, ist aber nur dank mehrerer Voraussetzungen möglich.

Welche Voraussetzungen sind das?

Ganser: Zunächst einmal die sehr gute Basis, denn mein Vorgänger Reiner Sorge hat jahrelang hervorragende Arbeit geleistet und den Radsporttag etabliert. Nur auf dieser starken Grundlage gibt es jetzt Luft, um neue Dinge auszuprobieren. Und auch, weil wir einfach mehr Helfer haben. Der RSC Krähe Kornelimünster ist Veranstalter der Duathlon-Wettbewerbe, und die Radrennen werden wie früher vom RSC Stolberg und nun zudem auch vom RC Dorff veranstaltet.

Damit ist ein tatkräftiger Verein mehr im Boot, so dass mehr als 80 Helfer mit anpacken. Außerdem arbeiten wir mit den Breiniger St.-Sebastianus-Schützen, der Pfarrgemeinde St. Barbara, dem DRK, dem THW und der Stadtverwaltung sehr gut zusammen. Eine wichtige Voraussetzung für die Neuerungen ist die elektronische Zeiterfassung mit Transpondern. Das ist allerdings auch mit höheren Kosten verbunden, die wir nur dank treuer Sponsoren stemmen können.

Warum ist die elektronische Zeitmessung so entscheidend?

Ganser: Diese Technik ermöglicht die neue Disziplin „Rundenrekord“. Das ist quasi ein Einzelzeitfahren. Die Teilnehmer haben zwei Versuche, fahren von der Gaststätte „Treppe“ bis zur „Stillen Liebe“ und zurück, und das Publikum kann die Zeiten auf einer großen Uhr verfolgen.

Das ist ein neues spannendes Element beim BSR-Radsporttag, aber die elektronische Zeiterfassung macht sich auch bei den Rundkurs-Rennen bemerkbar. In einem Rennen starten Schüler, Jugend und Frauen in einem Starterfeld, in einem anderen Senioren und Junioren in einem Feld. Mit der elektronischen Zeitmessung werden die Aktiven zwar in ihren jeweiligen Klassen gewertet, aber wir können dem Publikum größere Starterfelder und damit mehr Action auf der Straße bieten.

Ebenfalls neu ist das Derny-Rennen. Was verbirgt sich dahinter?

Ganser: Es ist eine Disziplin aus dem Bahnradsport und auf der Straße äußerst selten. Damit schaffen wir ein Alleinstellungsmerkmal des BSR-Radsporttags weit über unsere Region hinaus. Acht leichte Motorräder dienen den Radrennfahrern als sogenannte Schrittmacher. Die Maschinen können bis zu 80 Stundenkilometer schnell sein und knattern 25 Runden durch Breinig.

An ihren Hinterrädern sind Rollen befestigt, an die die Radsportler möglichst nah heranfahren müssen, um im Windschatten der Motorräder sehr hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Fällt ein Radrennfahrer aus dem Windschatten heraus, ist er so gut wie aus dem Rennen. Daher kommt auch das geflügelte Wort „von der Rolle“ sein.

Was dürfen die Zuschauer von dem Hauptrennen erwarten?

Ganser: Eine Menge. Schon jetzt sind rund 120 Elitefahrer gemeldet, darunter einige Kontinental-Radprofis, und wir erwarten noch bis zu 20 Nachmeldungen. Da das Rennen um 19.30 Uhr beginnt, werden die Fahrer in die Dämmerung beziehungsweise in die Dunkelheit hinein fahren, wobei die Strecke ausgeleuchtet wird.

Das sorgt für eine besondere Atmosphäre, aber schon am Anfang des Hauptrennens wird es spannend zugehen, da die C-Amateure am Start eine Minute Vorsprung erhalten. Die höher eingestuften Fahrer werden ihnen aber nicht die Rundenprämien kampflos überlassen wollen, und daher wird mit Sicherheit eine rasante Aufholjagd zu sehen sein.

Welchen Fahrer zählen zu den Favoriten beim Hauptrennen?

Ganser: Marcel Meisen ist gut in Form und will bestimmt seinen Vorjahressieg beim BSR-Radsporttag wiederholen. Und auch sein Teamkollege bei Kuota-Lotto, Daniel Westmattelmann, wird ein Wörtchen mitreden wollen. Er hat in dieser Saison schon drei Siege und viele gute Platzierungen eingefahren. Interessant wird auch sein, wie sich Christopher Muche macht, der 2011 Deutscher Meister im Einzelzeitfahren U23 wurde. Und es gehen einige aufstrebende junge Fahrer an den Start, die in Stolberg zeigen können, ob sie zu den Stars von Morgen zählen werden.

Sie sagen, Ihren Urlaub verbringen Sie am liebsten auf Hawaii. Dort nehmen Sie dann aber an der Triathlon-Weltmeisterschaft „Iron Man“ teil. Das bedeutet 3,8 Kilometer Schwimmen, dann 180 Kilometer Radfahren, um anschließend noch einen Marathon zu laufen. Das klingt für die meisten Menschen nicht wirklich nach Urlaub...

Ganser: Das stimmt natürlich. Aber die Zeit vor und nach dem „Iron Man“ empfinde ich in der Sonne Hawaiis durchaus als Urlaub, besonders wenn meine Familie dabei ist. Hinzu kommt, dass ich viele Jahre nicht verreist bin, außer eben nach Hawaii. Zugegeben: Es ist wohl ein Aktiv-Urlaub. Allerdings ist bei der Triathlon-WM zu starten, für mich nicht nur anstrengend, sondern vor allem ein großartiges Erlebnis. Das passt also auch zum Urlaub.

Wie oft sind Sie beim „Iron Man“ auf Hawaii gestartet?

Ganser: Acht Mal. Für die WM qualifiziert habe ich mich zehn Mal, konnte aber ein Mal gesundheitsbedingt nicht teilnehmen und werde auch in diesem Jahr aus familiären und beruflichen Gründen nicht dabei sein können.

Werden Sie auch die elfte Qualifikation angehen?

Ganser: Mal sehen. Im Sport ist es schwer, wenn man sich keine Ziele setzt, daher werde ich mir für 2017 garantiert irgendetwas vornehmen. Ob es die Triathlon-WM auf Hawaii wird, weiß ich aber noch nicht. Das entscheide ich im Winter.

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