Stolberg/Aachen - „Stones” sind für ihn mehr als nur eine Band

„Stones” sind für ihn mehr als nur eine Band

Von: Heike Eisenmenger und Doris Kinkel-Schlachter
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Manfred Engelhardt feiert geme
Manfred Engelhardt feiert gemeinsam mit den Mitgliedern des Rolling-Stones-Clubs Aachen/Stolberg das 50. Bühnenjubiläum der Band mit einer zünftigen Party in Stolberg. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg/Aachen. Ein bisschen verrückt wirkt Manfred Engelhardt schon, wie er im langen Siebziger-Jahre-Mantel und Hut auf einem Bein durchs Lokal hopst. So wie der Rocksänger Mick Jagger von den „Rolling Stones”. Aber dieser Tick zeichnet den 63-Jährigen aus.

Denn es ist mehr als nur Verehrung, die ihn mit den „Rolling Stones” verbindet - die Band ist für ihn Ausdruck eines Lebensgefühls. Dass er es geschafft hat, mit dem 176 Mitglieder starken „Rolling-Stones-Club Aachen/Stolberg” den „größten nichtkommerziellen Fanclub Europas, wenn nicht sogar auf diesem Erdball” zu gründen, darauf ist Engelhardt stolz.

Die Rockband aus England ist aber nicht nur weltbekannt - sie ist auch einer der dienstältesten Rockbands überhaupt. Vor einem halben Jahrhundert traten Jagger und Co. in London zum ersten Mal vor Publikum auf. „Einen Tag zuvor berichtete die Presse über die ?Stones und das feiern wir heute”, erklärt der Clubmanager.

„Im ausgesuchten Kreis”

Das Fest findet im Vereinslokal „Kiek in” in Büsbach statt. Das Lokal ist zu klein, um allen Mitgliedern Platz zu bieten, aber es ist nun mal eines der beiden Vereinslokale des Clubs. „Da nicht alle kommen können, feiern wir im ausgesuchten Kreis. Aber auch wenn das Fest heute top ist”, so Engelhardt, „ist es nicht der Höhepunkt des Jahres.”

Das sei der „Rock and Roll Circus” am 17. November in der „Kappertz-Hölle” in Eilendorf. „Musikfans erwartet ein Livekonzert der Superlative mit allem Drum und Dran”, sagt Engelhardt.

Das kleine Lokal mit den großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos aus Kultfilmen wie „Casablanca” und „Frühstück bei Tiffany” bebt förmlich, als die Tribute-Band „AC Rewind” die Bässe aufdreht. Die Besucher sind eins mit der Musik: Es wird im Takt gewippt, geklatscht, mitgesungen und Engelhardt tanzt wie ein Derwisch durchs proppenvolle Lokal.

Der Stolberger war 13 Jahre alt, als er zum ersten Mal ein Stück von den „Stones” hörte. Seitdem ist er Fan. „Die Stones begleiten mich mein Leben lang. Ich ließ mir auch die Haare lang wachsen und hatte bei meinen Locken natürlich einen solchen Wuschelkopf”, sagt Engelhardt und umschreibt mit den Händen eine Haarpracht, die jeden Pudel vor Neid erblassen lassen würde.

Seiner Mutter gefiel das gar nicht: Als ihr Sohn schlief, schnitt sie ihm die lange Mähne ab. „Das war furchtbar. Als ich morgens in den Spiegel blickte, war das ein echtes Trauma”, erinnert sich der Clubmanager lachend. Damals fand er das verständlicherweise nicht komisch.

In der Lehrzeit als Koch bekam Engelhardt wegen seiner Frisur und seinem Outfit öfter Ärger mit dem Chef. Aber was das Lebensgefühl „Rolling Stones” betrifft, nimmt Engelhardt das gerne in Kauf. Die „rollenden Steine” halten ihn jung, sagt er.

Persönlich getroffen hat Engelhardt die Band nicht, wohl aber ein Freund. Jagger saß verkleidet in einem Münchner Biergarten. Der Freund sprach ihn an. „Mick bat ihn, kein Aufsehen zu machen, er wollte einfach mal seine Ruhe haben. Als Dank für seine Diskretion bekam er ein Autogramm mit einer persönlichen Widmung.”

Ist es sein Traum, sein Idol Jagger eines Tages persönlich zu treffen? „Nein, ich bin zufrieden, dass es Mick und die Band gibt. Wenn mir Mick begegnen würde, würde ich nur eines sagen: ?Mr. Jagger, welcome to the Voodoo Lounge. Aber ein Revival der Voodoo-Lounge-Tour - das wäre mein absoluter Traum.”

Der Alptraum schlechthin ist dagegen die Vorstellung von Stones-Gitarrist Keith Richards mit einer Ukulele statt Gitarre. Welche Wendung das Leben der Rockband genommen hätte, wäre sie mit den ulkigen Mini-Gitarren aufgetreten, so wie es die „Ukes” tun, möchten Letztere gar nicht kommentieren. Wieso auch, „The Ukulele Orchestra of Great Britain” will gar nicht so ernst genommen werden. Ihnen geht es nur um RocknRoll.

Und so kommt es, dass an diesem Abend in Büsbach die Stones groß gefeiert werden und sich die „Altstadtmusikanten” mit drei der sieben „Ukes”, die vorher ein kräftig umjubeltes Konzert vor rund 700 Zuschauern auf Burg Wilhelmstein gegeben haben, ein musikalisches Stelldichein geben.

Jubelnder Empfang

Dave, Jonty und Will sind begeistert von dem Empfang, der ihnen von der kleinen Stolberger Fangemeinde bereitet wird. Hier dürfen sie sich zurücklehnen, Kneipenbesucher sein und die Musik, diesmal nicht von ihnen, aber ebenso von Hand und zuweilen ganz schön ulkig, einfach genießen. Nur zum Finale zieht es die Musiker aufs Podest, sie können eben doch nicht ohne.
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