Stolpersteine als Mahnmal auch in Stolberg

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
10746049.jpg
Stolpersteine gegen das Vergessen wurden bereits in zahlreichen Ländern Europas in die Erde gelassen. Foto: Koenigs
10746046.jpg
In Eschweiler hat Bildhauer Gunter Demnig schon zahlreiche Stolpersteine verlegt. Jetzt sollen die ersten Steine in Stolberg folgen. Foto: T. Röber

Stolberg. Fast sieben Jahre lang hat die Planung gedauert. Kritische Stimmen hatten das Projekt in der Zwischenzeit fast zum Erliegen gebracht, jetzt soll es endlich verwirklicht werden: Am Freitag, 18. Dezember werden ab 9 Uhr die ersten „Stolpersteine“ in Stolberg durch den Künstler Gunter Demnig verlegt.

 Im Steinweg sollen zwölf der kleinen Gedenktafeln aus Messing in den Gehwegbelag eingesetzt werden. Sie sollen an die Angehörigen zweier jüdischer Familien erinnern, die im Zweiten Weltkrieg von den Nazis aus Stolberg verschleppt, misshandelt und ermordet wurden.

„Endlich gibt es einen verbindlichen Termin“, freut sich Karen Lange-Rehberg von der Gruppe Z (Zukunft ohne Fremdenhass, Faschismus und Krieg, gegen das Vergessen). Im Jahr 2008 haben die Stolberger Grünen das Thema Stolpersteine erstmals aufgebracht. Ein Jahr später sei es im städtischen Sozialausschuss „verhalten positiv aufgenommen“ worden, so Lange-Rehberg.

„Das Bündnis gegen Radikalismus sollte die Organisation übernehmen“, erinnert sich die Mitinitiatorin. Doch dann sei das Projekt jäh gestoppt worden, so Lange-Rehberg. Grund war die Befürchtung Einzelner, über die Stolpersteine würde das Schicksal ermordeter Juden mit Füßen getreten. Andere Städte ließen sich von diesem Argument nicht beeindrucken. Inzwischen erinnern europaweit mehr als 50.000 Stolpersteine an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft.

Allein in Düren wurden in den vergangenen Jahren mehr als 60 Stolpersteine verlegt. In Eschweiler liegen ebenfalls zahlreiche Erinnerungssteine im Bürgersteig vor Häusern, aus denen Juden verschleppt wurden. In Vettweiß liegen sie, im benachbarten Nideggen sollen 78 Steine verlegt werden, die Kosten für 43 Steine sind dort über Sponsoren bereits zusammengekommen.

Lediglich in der Stadt Stolberg gibt es bislang noch keine Stolpersteine. Das soll sich Mitte Dezember ändern. Inzwischen haben auch Rat, Verwaltung und der Bürgermeister dem Projekt ihre Unterstützung zugesagt. Im zuständigen Fachausschuss für Kultur wurde die Verlegung in diesem Sommer bereits einstimmig abgesegnet.

„Die Gruppe Z freut sich, dass sich auch genügend Sponsoren gemeldet haben“, sagt Karen Lange-Rehberg. Ein Stolperstein kostet etwa 120 Euro. Im Stolberger Steinweg sollen sechs Stolpersteine an die Opfer der Familie Salomon und sechs Steine an die Ermordung von Angehörigen der Familie Zinadar erinnern.

Auf den Steinen werden die Namen der Ermordeten stehen, ihr Geburtsdatum, das Datum der Deportation und das der Ermordung. Auch wo die Menschen zu Tode gekommen sind, soll auf den kleinen Messingsteinen zu lesen sein. Zum Verlegen der Steine erwartet die Gruppe Z den Künstler selbst in Stolberg. „Wir sind froh, dass er kommt. Sein Terminkalender ist so voll, dass er kaum zu erreichen ist“, betont Lange-Rehberg.

Wenn Demnig seine Arbeit in Stolberg beendet hat, wird er weitere Steine in Gey verlegen. Wie die Initiatorin weiter mitteilt, gibt es bereits Sponsoren, die die Einsetzung von weiteren Erinnerungssteinen in anderen Stadtteilen Stolbergs finanzieren wollen. „So werden wir später mit Stolpersteinen in Mausbach und Gressenich an die Familie Imdorf erinnern“, sagt Karen Lange-Rehberg, in der Hoffnung, bei dieser Zeremonie auch eine Nachfahrin der Ermordeten aus den USA begrüßen zu können.

Die Stolpersteine sollen dafür sorgen, dass die Schicksale der deportierten und ermordeten Menschen auch 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz nicht vergessen werden. Vor allem für junge Menschen ist die Ermordung von sechs Millionen Juden heute meist nur noch eine abstrakte Größe.

Wenn sie sich über die Stolpersteine mit dem Schicksal eine Familie aus ihrer Heimat beschäftigen und dabei überlegen, dass deren Enkel jetzt geneinsam mit ihnen zur Schule gehen könnten, dann wird die Vorstellung konkret. Die Steine könnten insofern auch als Unterrichtsthema genutzt werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert