Stolberg - Stollenwerk hat Stolbergs Identität gezeigt

Stollenwerk hat Stolbergs Identität gezeigt

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Die Besucher sind fasziniert von Bert Stollenwerks Arbeiten: Stolberg wie es einst war und teilweise auch heute noch zu erkennen ist. Foto: D. Müller

Stolberg. Die Stuhlreihen sind voll besetzt, der überwiegende Teil der Besucher muss sich mit Stehplätzen begnügen. Zog die erste „In Memoriam“-Ausstellung mit Werken von Hermann Koch zur Eröffnung bereits 100 Interessierte an, so sind es diesmal etwa 150 Menschen, die sich im Forum des Zinkhütter Hofs versammelt haben.

Diese sehr gut besuchte Vernissage zeigt einerseits die Bedeutung des 1997 verstorbenen Stolberger Malers, Grafikers und Restaurators Bert Stollenwerk. Andererseits ist offensichtlich, dass die von den Kupferstädter „Kunstaktivisten“ Christa und Karl-Heinz Oedekoven ins Leben gerufene Ausstellungsreihe ein Erfolgsmodell ist.

Ihnen dankt Museumsleiter Sebastian Wenzler für ihr unermüdliches Engagement in Sachen Kunst, und Ferdi Gatzweiler als Schirmherr schließt sich an. „Es ist eine Ehre für mich, heute an dieser Ausstellung beteiligt zu sein“, sagt der Bürgermeister, denn „in Stollenwerks Bildern findet man seine Heimat wieder.“ Lars Harmens, Schwiegersohn des Künstlers, hat die Bilderauswahl kuratiert, und würdigt in seiner Einführung zur Ausstellung Stollenwerk, der mehr als 67 Jahre lang „im Dienste seiner Mission, seiner Bilderwelt“ war. Und fast zwei Jahrzehnte an verschiedenen Schulen als Kunsterzieher tätig war.

Mancher der anwesenden Kunstfreunde hat von „Stolli“, wie er von seinen Schülern liebevoll genannt wurde, Zeichnen und Malen gelernt. Harmens hebt die starke Identifizierung des Künstlers mit seiner Stolberger Heimatstadt hervor: „Er malte seine Stadt. Er malte Häuser- und Straßenzüge, als wollte er die Besonderheit seiner Heimatstadt allen ins Bewusstsein drängen.“ Wo andere stolz auf die einfallslosen Neubauten der 60er Jahre gewesen seien, habe Stollenwerk Bilder über die historische Identität Stolbergs erschaffen. „Mit seinem außergewöhnlich guten Farbempfinden führte er seinen Mitbürgern die Notwendigkeit um den Erhalt der historischen Stadtteile vor. So wurde er zum Chronisten dieser Stadt.“

Davon können sich die zahlreichen Ausstellungsbesucher in der Villa des Museumsquartiers Zinkhütter Hof überzeugen: Dort sind Werke zu sehen, die teils in Räumen der Stadtverwaltung verteilt sind, wo sie im Alltag allerdings kaum wahrgenommen oder nur von wenigen Menschen betrachtet werden. So werden vier der Bürgermeisterporträts Stollenwerks gezeigt – darunter das von Bernhard Kuckelkorn, dem Namensgeber des Platzes, an dessen Rand die alte Direktionsvilla liegt. Eine Altstadtansicht und ein Gemälde des Bastinsweihers, an dem seinerzeit noch die Straßenbahn vorbeifuhr, zieren normalerweise die Wände im Bürgermeisterbüro des Rathauses; nun sind auch diese Bilder Teil der eindrucksvollen Ausstellung.

Die Schau bringt Werke des Künstlers zusammen, stellt sie in den Fokus der Betrachter und zeigt einen durchaus repräsentativen Querschnitt aus dem Wirken Stollenwerks. Gesichter „seiner Stadt“ und Gesichter von Menschen faszinieren ebenso wie die grafischen Arbeiten und die abstrakten Werke der frühen 60er Jahre. Aus dem Jahr 1956 stammen Bilder, die Stollenwerk vom großen Festzug zur 800-Jahr-Feier Stolbergs angefertigt hat. Die dazugehörigen Skizzen sind zehn Meter lang, ein Ausschnitt ist in einer Glasvitrine zu sehen.

Eine besondere Geschichte verbirgt sich hinter dem Gemälde vom Heiligen Sebastianus. Stollenwerk malte das eher kleinformatige Ölbild bereits im Alter von 16 Jahren, und es gehörte zu seinen persönlichen Lieblingsarbeiten. Später galt dieses Werk jedoch als verschollen, war bei Ausstellungen lediglich als fotografische Reproduktion zu sehen, was den Maler bis zu seinen letzten Tagen bekümmerte.

Verschollener Heiliger zu sehen

Nur wenige Wochen nach seinem Ableben 1997 fand Bert Stollenwerks Tochter Ursula Samens bei Aufräumarbeiten zufällig ein kleines, in Tuch gewickeltes Päckchen. Es beinhaltete das Gemälde vom Heiligen Sebastianus in leuchtenden Farben, mit starkem Pinselstrich und beeindruckender Komposition. Nun wird auch dieses Werk im Original bei der Bert-Stollenwerk-Ausstellung im Kunst-Department in der Villa des Museumsquartiers Zinkhütter gezeigt.

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