Stolbergs Wildvögel machen sich rar

Von: Peter Stollenwerk und Sarah-Lena Gombert
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Mit einem neuen Vogelhäuschen will der Freundeskreis des Altstadtparks Gehlens Kull den Wildvögeln durch den Winter helfen. Rotkehlchen, Blaumeise und Amsel lassen sich vor allem die Sonnenblumenkerne schmecken. Foto: S.-L. Gombert
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Walter Meuthen und Peter Robertz (rechts) begutachten das neue Vogelhäuschen im Altstadtpark Gehlens Kull. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. An dem kleinen Teich im Stolberger Altstadtpark Gehlens Kull haben Spaziergänger nun eine neue Möglichkeit, die heimische Vogelwelt zu erkunden: Seit wenigen Tagen steht gleich neben dem Stehgewässer ein robustes Vogelhäuschen, das von Jugendlichen der Jugendberufshilfe aufgebaut worden ist.

Verantwortlich für das Projekt ist der Freundeskreis des ehemaligen Steinbruchs rund um den Stolberger Rentner Walter Meuthen. Er und seine Mitstreiter kümmern sich Tag für Tag um die Parkanlage. Jetzt ist Walter Meuthen mit Peter Robertz vom Naturschutzbund (Nabu) in Gehlens Kull unterwegs gewesen, um sich das neue Vogelhäuschen anzusehen.

Denn die Futterstation dient nicht bloß dazu, den Parkbesuchern die Vogelbeobachtung zu erleichtern. „Wir wollen vor allem den Vögeln in unserem Park etwas Gutes tun“, erklärt Walter Meuthen. Denn auch wenn es in Gehlens Kull stets zu zwitschern scheint, so gibt es doch in diesem Jahr in Stolberg auffallend wenig Wildvögel. „Auch in den heimischen Gärten sieht man immer weniger Vögel umherhüpfen“, sagt Peter Robertz. So seien die Spatzen in seinem Breiniger Garten erst wieder aufgetaucht, als seine Frau mit dem Füttern begonnen hatte.

Dass sich die Vögel in diesem Jahr besonders rar machen, ist kein reines Stolberger Thema. Auch beim Nabu Aachen weiß man gleich, was Sache ist, denn zahlreiche besorgte Vogelliebhaber haben bereits nachgefragt, wo denn die gefiederten Freunde geblieben sind. „Das ist ein großes Thema in diesem Winter“, sagt Nabu-Mitarbeiterin Britta Mahn, aber erklären könne man sich das Phänomen bislang auch nicht.

Betroffen sei, gemessen an den bisherigen Anfragen, die gesamte Region Aachen. Dennoch betreibt man auch beim Nabu Ursachenforschung und bringt die klimatisch verschobenen Jahreszeiten oder auch den extrem heißen September als Erklärungsversuche ins Spiel. Auch sei wegen des bislang spärlichen Frostes noch ein üppiges Nahrungsangebot in der freien Natur vorhanden. Die „noch ausreichend vorhandenen Heckenfrüchte“ seien zudem für die Vögel attraktiver als die nicht immer taufrischen Körner und Kerne in den Futterhäuschen.

Eike Lange, Vorsitzender des Nabu Aachen-Land, hat sich ebenfalls mit der abnehmenden Zahl der heimischen Singvögel beschäftigt. Er macht auch das Usutu-Virus verantwortlich, das durch Stechmücken auf Vögel übertragen wird. 2010 wurde diese Erkrankung erstmals in Deutschland festgestellt, in diesem Jahr seien besonders viele Fälle gemeldet worden. Wesentlicher ist für Lange aber der dramatische Rückgang bei den Insekten. Er nimmt Bezug auf eine vom Nabu vorgestellte Untersuchung, wonach die Zahl der Fluginsekten in den vergangenen 15 Jahren um 80 Prozent geschrumpft sei.

Nabu-Mann Peter Robertz aus Breinig hat für das Ausbleiben der Vögel eine weitere mögliche Erklärung: „Das liegt an der modernen Landwirtschaft“, so der Naturschützer. Auf den großen Feldern der Landwirte gebe es kaum noch eine biologische Vielfalt. Es werde immer nur eine Sorte von Pflanze gesät, und dann vier Mal im Jahr komplett gemäht.

„Da fehlt den Vögeln schon das ganze Jahr über das richtige Futterangebot, und auch Versteckmöglichkeiten gibt es nicht mehr genug“, sagt Robertz. Aus diesem Grund seien auch Vogelexperten schon dazu übergegangen, mit dem Füttern von Wildvögeln deutlich früher zu beginnen. „Früher hat man ja gesagt, dass man erst dann füttern soll, wenn die Tiere selbst nichts mehr finden können. Heute gilt das nicht mehr so streng“, sagt Robertz.

Mit dem Futterangebot von Walter Meuthen sind die Vögel in Gehlens Kull jedenfalls zufrieden: Innerhalb von wenigen Minuten kommen Amsel, Rotkehlchen, Blaumeise und ein Zaunkönig herbeigeflogen, um sich ein paar Körner aus den Futtersäcken zu picken.

Momentan stellen Meuthen und seine Mitstreiter das Futter privat zur Verfügung. Sie freuen sich aber auch über Futterspenden von anderen Stolbergern, denen der Park und die Tierwelt in der Stadt am Herzen liegen. „Wir werden bald unten an den alten Brennöfen des ehemaligen Steinbruchs eine Kiste aufstellen“, erklärt Meuthen.

Dort können dann Stolberger, die den Vögeln durch den Winter helfen wollen, Futterspenden hineingeben. „Wichtig ist, dass die Leute auf gutes Vogelfutter achten“, rät Peter Robertz. Altes Brot sei für Vögel völlig ungeeignet, so der Experte.

Auch möchte Walter Meuthen versuchen, Ebereschen anzupflanzen. Die Eberesche ist durch ihre orangeroten Beeren ein hervorragender Futterbaum für Tiere. Neben Eichhörnchen futtern auch Amseln, Stare und andere Vögel die Beeren.

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