Stolberg-Mausbach - Stolbergs verlorener Sohn kehrt zurück

Stolbergs verlorener Sohn kehrt zurück

Von: Nadine Preller
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Kehrt zurück an seinen Geburtsort: Der Goldschmied und Metallbildhauer Albert Sous (r.) übergibt am kommenden Sonntag der Katholischen Pfarrgemeinde St. Markus vier seiner Werke. Über die Altarleuchter wird sich nicht nur Pfarrer Norbert Bolz (l.) freuen. Foto: N. Preller

Stolberg-Mausbach. Albert Einstein hat einmal gesagt: „Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ Hätte Einstein Albert Sous kennengelernt, dann hätte er seinen Spruch wohl noch einmal überdenken müssen. Der Radius des Namensvetters aus Würselen beträgt nämlich ungefähr 6371 Kilometer – das ist der Radius der Welt. Und dementsprechend weit gestaltet sich Sous‘ Horizont.

Was Sous durch die Weltgeschichte trieb, und dass ihn auf seinen Reisen und Wohnorten immer wieder die Formen des Kreises, der Kugeln, der Rundungen begegneten, dazu später. Denn diesen Sonntag, den 9. Dezember, scheint sich der Lebenskreis des Goldschmieds und Metallbildhauers zu schließen – und zwar in Mausbach.

Hier, in seinem Geburtsort, wird Sous der Katholischen Pfarrgemeinde St. Markus vier Altarleuchter übergeben, ein Geschenk an die Gemeinde von ihm und seiner Schwester Hanna Breutmann, die es kürzlich von Mausbach nach Heidelberg verschlagen hat. „Nach all den Jahren muss man mal aufräumen“, erzählt der 77-Jährige.

Und beim Stöbern in alten Arbeiten, vornehmlich sakraler Kunst, fand Sous in seinem Atelier in Würselen die vier Werke, die „hervorragend nach der Umgestaltung von St. Markus in den Kirchenraum passen würden“.

Sous, der Freigeist

Sous, das ist ein Freigeist, dem Schubladen zuwider sind. Und der sich auch immer aus einer befreit hat, wenn es ihm dort zu eng wurde. Nachdem der damals junge Mann in Stolberg seine Lehre zum Goldschmied vollendet und sein Bildhauerabschluss an der Werkkunstschule in Aachen in der Tasche hatte, eröffnete er im Steinweg 20 eine Werkstatt. „Das heutige SPD-Bürgerbüro schmückt immer noch ein Fensterrahmen aus meiner Zeit“, erzählt er.

Doch in der Kupferstadt wurde es Sous zu eng. „Ich wollte raus aus dem Tal hinauf auf den Berg.“ Sein Ziel: der Ravelsberg in Würselen. Hier werkelt, schafft, gestaltet Sous seit 1963 gemeinsam mit Frau Susi und den vier Kindern in einem „Haus der unendlichen Bauzeit“, wie er selbst sagt – innerlich wie äußerlich ist es ständigen Veränderungen unterworfen. „Bloß nicht stehenbleiben, sich weiterentwickeln“, betont Sous im Gespräch immer wieder und deutet stolz auf einige Fotografien seines Heimes.

Hinter der bunten Fassade glänzen im Garten riesige Skulpturen hell in der Sonne. Und dann ist da dieser Rundbau, unter dessen Kuppel der Betrachter von grünschimmernden Licht angestrahlt wird, das durch 20000 Glasflaschen fällt. Auf seiner Website schreibt der Künstler, dass kurz bevor die Kuppel 1984 geschlossen wurde, ein Brief der Behörden eintrudelte: Abrissbescheid!

Sous erklärte das Bauwerk kurzerhand zu einem Kunstwerk, und es wurde geduldet – was ihm postwendend den Titel „Freigeist vom Ravelsberg“ einbrachte. Die ganze Geschichte kommentierte ein Freund und Beobachter so: „Du hast in doppelter Weisheit gezeigt, wie viele leere Flaschen zusammenhalten, wenn ein großer Begeisterter es will.“

Sous fällt auf, und er braucht die Veränderung. „Nach 20 Jahren Schaffen in sakraler Kunst, im Kirchenbau und in Restaurationen hatte ich keine Lust mehr“, sagt er heute. Brunnenbau – das war es, was Sous plötzlich vorschwebte. Und so ist nicht zuletzt der Kugelbrunnen in der Aachener Adalbertstraße ein Meisterwerk aus seiner Hand, für das Sous den ersten Preis im Wettbewerb zur Neugestaltung der Fußgängerzone 1976 erhielt. Und wieder sind da die Kreise: Kugeln, die sich in einem Sechs-Minuten-Rhythmus öffnen und schließen, während das Wasser durch sie hindurchplätschert auf die Porzelankugeln am Beckenboden.

„Doch Brunnen wuchsen an allen Orten, und so machte ich Skulpturen“, spricht der 77-Jährige weiter. In vielen weiteren Jahren sammelte er Eindrücke und Erinnerungen auf Reisen durch Griechenland und nach Santiago de Compostela. Sous stellte in der Contemporary Artisans Gallery in San Francisco aus, in der Galerie Tiller in Wien und das Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig erwarb für das Suermondt-Museum einige von Sous‘ Sakralgeräten.

Ein Künstler hinterlässt Spuren

Doch immer wieder kehrt Sous zurück in die hiesigen Gefilde, stellt im Aachener Couven-Museum aus oder hinterlässt Spuren, wie die Vogelmensch-Skulptur im Bastinsweiher. Um 1970 bot die Stadt Stolberg Sous den brachliegenden Kupferhof an, falls er sein Atelier hierhin zurückverlagerte. Er verzichtete.

„Ich habe nur das gemacht, wo ich mit Leidenschaft dabei sein konnte, war immer einer der Ersten, ein Pionier“, erzählt Sous bestimmt. „Heute bin ich alt, überlasse den Jüngeren das Feld.“ Und so kommt einer, „der vergessene Sohn seiner Geburtsstadt“, wie Sous sagt, am Ende zurück.

„Der Kreis schließt sich“, sagt Pfarrer Norbert Bolz mit einem Lächeln auf den Lippen, der bei der feierlichen Übergabe natürlich dabei sein wird. „Genau hier hat Sous vor vielen, vielen Jahren sein erstes Werk hinterlassen.“ Es existiert noch heute: der Markuslöwe, ein Bronzegriff, den der Künstler 1956 für das Hauptportal von St. Markus während des Bildhauerstudium angefertigt hatte.

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