Stolberg - Stolbergs schönen Ecken auf der Spur

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Stolbergs schönen Ecken auf der Spur

Von: Ottmar Hansen
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Der Blick vom höchsten Punkt des Burgturms reicht über die gesamte Altstadt von Stolberg, drei Kirchen inbegriffen. Foto: Ottmar Hansen
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Fremdenführerin Dorothee Vroomen (vorne rechts) erklärt der Gruppe den Aufbau der Burganlage. Die interessierten Blicke richten sich nach oben.
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Schon am Eingang zur Burganlage bietet sich ein schönes Foto-Motiv.
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Im Inneren der Burg erklärt Dorothee Vroomen der Gruppe das Stadtwappen Stolbergs.
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Karnevalisten ließen diesen Narrenstuhl im Jahr 1929 anfertigen, der jetzt in der Burg steht.
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Nichts für Konditionsschwache: Bis zur Spitze des Burgturmes müssen 108 Stufen bewältigt werden.
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Wer genau hin sieht, entdeckt gleich hinter dem Tor zur Festungsanlage die eingemauerte Maske in der Wand.

Stolberg. „Die Stadt ist so schön, die musst du einfach gesehen haben.“ Wenn der Kollege von seinem Heimatort spricht, gerät er ins Schwärmen. Vor allem das Viertel rund um die Stolberger Burg mit seinen Gassen und reizvollen Ausblicken sei eine intensive Betrachtung wert.

Ist der Mann voreingenommen, weil er seit seiner Geburt hier lebt, oder hat er am Ende Recht? Als „Zugereister“ mache ich den Test. Also nichts wie hin zur Touristeninformation und sich für die monatliche „Stadtführung“ angemeldet. 16 Personen im Alter zwischen 1,5 und 86 Jahren schließen sich Führerin Dorothee Vroomen an. Wir starten am Galminus-Puppenbrunnen von Bonifatius Stirnberg. Die beweglichen Figuren zeigen das alte Handwerk der Kupferschläger, durch das Stolberg in früheren Jahren zu Wohlstand gekommen war. Dorothee Vroomen geht in ihren Erläuterungen allerdings noch einige Jährchen zurück: bis in die Steinzeit.

Und dann ins Jahr 1000 vor Christus: „Damals wurde Stolberg von den Kelten besiedelt, die bereits über Metallwerkzeug verfügten.“ Es folgten die Römer, in Stolberg fanden auch sie vieles, was sie zur Metallherstellung benötigten: Wasser aus Inde, Wehe und Vicht sowie das zinkhaltige Mineral Galmei. Kupfer musste allerdings heran geschafft werden. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert blühte in Stolberg die Messingherstellung, aber auch heute noch verlassen täglich 1000 Tonnen Kupfer und Messing die Stadt.

Bei eisigem Wind geht es über die Pont Valognes und durch enge Gassen hinauf Richtung Burg. Für eine junge Dame ist dies offenbar nicht die erste Besichtigungstour. „Da oben in der Wand ist ein Gesicht“, weist die Schülerin die Burgwand hinauf. Und tatsächlich: Wer genau hinsieht, erkennt die eingebaute Maske. Vom Jahr 1118, der ersten urkundlichen Erwähnung des Burgfelsens, geht es im Galopp durch die Geschichte, inklusive mehrmaliger Zerstörung der „Raubritterburg“. Nach dem Krieg, 1956, begann der Wiederaufbau zu dem Gebäude, das Einwohner und Touristen heute noch vom Burgfelsen aus grüßt.

Eine Etage zu früh

Wir wollen in den Rittersaal – per Aufzug. Doch der Lift hält eine Etage zu früh. Die Tür öffnet sich und ein Mann in Kellnermontur streckt uns eine riesige Torte entgegen. „Her damit“, denkt mein Magen, doch in dem Moment hat er sie auch bereits wieder zurück gezogen. Die süße Versuchung ist leider für eine Hochzeitsgesellschaft bestimmt. Der Aufzug schafft es dann doch noch ein Stockwerk höher. Die Gruppe bestaunt den großen Rittersaal. Die Dielen knarren ganz ordentlich. „Mal eben heimlich nachts nach Hause kommen, das gab es für den Ritter nicht“, lacht unsere Führerin. Und ruft dazu auf, sich ein großes Rittergelage mit Spanferkel und Altbier im Saal vorzustellen. Kein Problem für Menschen mit leerem Magen. Die Ferkel werden immer größer!

In Stadtbesitz

Nicht ganz so ausschweifend geht es heute an dieser Stelle zu. Die Burg ist im städtischen Besitz, das Standesamt bietet hier Hochzeiten an. Und dieser Service in romantischer Kulisse wird offenbar auch fleißig genutzt.

„Wer schafft es noch hinauf in den Turm?“, fragt Dorothee Vroomen. Keiner kneift, und auch ich will die Aussicht von oben über Stolberg genießen. Auf geht’s: 108 Stufen sind zu überwinden. „Wer aus Breinig oder Zweifall kommt, ist Steigungen gewöhnt“, versichert mir ein Teilnehmer. Naja, aber man muss ja auch wieder runter. „Von hier aus können Sie in Gärten sehen, in die Sie sonst nie sehen können“, verspricht unsere Führerin, als wir unter dem Turmdach angekommen sind. Beim Rundumblick wird aber auch klar: Stolberg hat viel Grün zu bieten, nicht nur Industrieanlagen!

Hahn und Engel

Wieder unten angelangt, geht es hinaus zu einem Platz mit Blick auf drei Kirchen. Von hier aus sieht man (ob das jeder in Stolberg weiß?) den katholischen Hahn auf einer Kirchturmspitze, den reformierten Engel auf der anderen und den Lutheraner-Schwan auf der dritten. Nach der Besichtigung eines Kupferhofes endet die Tour am Alten Markt – erneut an einem Brunnen. Mit dem man den Mühlknechten ein Denkmal gesetzt hat. Fast zum Abschied komme ich mit einem Ehepaar aus der Gruppe ins Gespräch, das erst seit einem halben Jahr in Stolberg wohnt. Schnell sind wir uns einig: Der Kollege hat nicht zu viel versprochen. Stolberg hat seine schönen Ecken, man muss sie nur kennen lernen.

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