Stolbergs Metzger wieder auf Trab

Von: Ottmar Hansen und Doris Kinkel-Schlachter
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Gulasch, Bolognese, Tortelloni: In immer mehr Fertigmahlzeiten taucht nicht deklariertes Pferdefleisch auf. Auch in den Supermarkt-Regalen in Stolberg werden einige Produkte entfernt. Derweil sehen sich die Metzger erneut bestätigt. Sie sagen: Qualität hat ihren Preis. Foto: Uwe Anspach/dpa

Stolberg. Auch wenn sie womöglich nicht gesundheitsschädlich sind: Tiefkühlprodukte, die Bestandteile von Pferdefleisch enthalten könnten, werden auch in Stolberg aus den Supermarkt-Regalen genommen.

Die gefälschten Angaben auf den Verkaufspackungen halten schon seit Tagen die Behörden in Atem. Der Verdacht hat sich inzwischen erhärtet, dass in etlichen Produkten Pferdefleisch als Rindfleisch deklariert wurde. Dies stellt einen massiven Verstoß gegen die Vorschriften zur Lebensmittelkennzeichnung dar. Entsprechend dürfen die Tiefkühlspeisen so auch nicht in den Verkauf gelangen.

Ender Cevic, Leiter des Edeka-Marktes in Stolberg, sieht den vermeintlichen Skandal eher gelassen. „Wir haben elf Pakete Lasagne der Marke Gut und günstig aus dem Kühlregal genommen und vernichtet“, so Civic. Die Anzahl der Pakete werde ans Zentrallager von Edeka gemeldet, von dort gebe es dann Ersatz. Beschwerden von Kunden habe es nicht gegeben, so der Marktleiter. Gleiches meldet Hendrik Walter aus seinem Edeka-Markt. Die wenigen betroffenen Produkte seien aus dem Regal geräumt worden, Kundenreklamationen habe es nicht gegeben.

Die REWE-Gruppe teilte auf Nachfrage mit, dass die beiden Produkte „REWE Chili con Carne 350 Gramm“ und REWE Spaghetti Bolognese 400 Gramm“ aus dem Verkehr gezogen wurden, weil sie nach Herstellerangaben Anteile von Pferdefleisch enthalten könnten. Wer diese Produkte bereits gekauft hat, kann sie in seinem REWE-Markt zurück geben und bekommt den Verkaufspreis erstattet. Bei Kaufland, so die Mitteilung der Pressestelle, habe man eigene Kontrollen in Auftrag gegeben.

Die ergaben, dass in einer von mehreren Chargen des Tiefkühlproduktes „K-Classic Penne Bolognese“ 750 Gramm (MHD 3/2014) Anteile von Pferdefleisch enthalten waren. Dieses Produkt wurde daraufhin aus dem Verkauf genommen, die Behörden wurden informiert. Kunden, die diese Bolognese gekauft haben, können das Produkt, ohne Vorlage des Kassenbons, zurück geben. Die Kundschaft bleibt aber auch bei Kaufland offenbar gelassen: „Derzeit können wir nicht erkennen, dass weniger Hackfleisch-Produkte nachgefragt werden“, so Pressesprecherin Andrea Kübler.

Größer wird die Nachfrage wieder bei Stolberges Metzgern. In schlechten Zeiten, das zeigte auch der Dioxin-Skandal im vergangenen Frühjahr, steigt beim Verbraucher das Qualitätsbewusstsein. „Es kommen wieder mehr Leute ins Geschäft, natürlich auch Kunden, die man länger nicht mehr gesehen hat“, weiß Ilona Scholl zu berichten. Gemeinsam mit ihrem Mann Norbert führt sie die gleichnamige Metzgerei in Mausbach, und auch hier wird nachgefragt, ob in Wurst und Co. wirklich kein Pferdefleisch enthalten sei.

„Mehr scherzeshalber, aber wir spüren schon, dass einige verunsichert sind, vor allem ältere Menschen“, so Scholl. Die Metzgerei könne nun umso mehr punkten, „80 Prozent unseres Sortiments stellt mein Mann selber her. Wir wissen also, was drin ist. Das ist ja auch wichtig, nicht nur in Skandal-Zeiten, sondern zum Beispiel für Allergiker“, sagt sie. Während Norbert Scholl unter anderem Pasteten, kleine Leber- und Schinkenwürste, Zwiebelmett- und Blutwurst sowie Bratenaufschnitt herstellt, wundert seine Frau sich, wenn sie in der Werbung eines Stolberger Anbieters gemischtes Gehacktes für 3,49 Euro sieht.

„Das geht nicht, dafür können wir es nicht einmal kaufen“, betont sie. Qualität hat nunmal ihren Preis, da stimmen die Metzgerkollegen dem Ehepaar Scholl zu. „Und das ist auch eigentlich etwas, was der Verbraucher schätzt. Nur leider gerät es nach einer gewissen Zeit wieder in Vergessenheit“, gibt Ilona Scholl dem Verbraucher eine Mitschuld am Pferdefleisch-Skandal.

Auch bei der Metzgerei Croé in der Innenstadt wird Qualität groß geschrieben und sind die Wege genau nachzuverfolgen. „Pferdefleisch geht hier in keiner Form über die Theke“, sagt Bernd Pauls.

Lasagne gabs erst vorgestern beim Mittagstisch-Angebot der Metzgerei Küchen in Münsterbusch. „Mit Sicherheit ohne Pferd, dafür mit Schwein – für 4,50 Euro“, sagt Thomas Küchen und schmunzelt. Menüs verkauft Familie Küchen fast täglich, „aber Qualität kostet halt Geld, und da kann ich kein Menü für 1,50 oder 2 Euro verkaufen“, ärgert sich Küchen über die Billig-Schiene, die viele Supermärkte und Discounter fahren würden, um sich ständig zu unterbieten. „Für unsere Branche ist es eher gut, dass wieder so ein Skandal auffliegt“, sagt der Metzgermeister.

Mit einem vierfachen „D“ für Deutschland sind die Waren bei Küchen gekennzeichnet, das heißt: Geboren, gemästet, geschlachtet und zerlegt hierzulande. Lange Transportwege gebe es nicht, „wir beziehen unser Fleisch von Bungenberg, Philippi und Quadflieg in Stolberg und Aachen, lassen in Eschweiler schlachten und können damit konkret nachweisen, wo alles herkommt“, so der 33-Jährige. Heinz Nießen schlachtet noch selber – Rinder und Schweine, für seine Metzgerei und auch für andere. Das macht neben ihm nur noch die Metzgerei Hamacher in Breinig. Nießen übt das Handwerk des Metzgers seit fast 30 Jahren aus, und mit seinen Söhnen wird das Geschäft in Münsterbusch nunmehr in der vierten Generation geführt.

Heinz Nießen hat schon einige Skandale ums Fleisch miterlebt, „es geht immer alles über den Preis, kein Wunder, dass das ständig passiert“, sagt er. Jetzt würde bei vielen Verbrauchern das Bewusstsein für Qualität geweckt, „aber in drei Monaten ist das leider wieder alles vergessen“, ist der Metzgermeister sicher. „Keine Verunsicherung“ an seiner Theke meldet Dieter Mones, der seine Metzgerei auf dem Donnerberg führt. Warum nicht? „Weil wir seit jeher sowieso nur Fleisch von ausgesuchten gesunden Tieren aus der Region für unser Wurst- und Fleischangebot verwenden. Nur so kann langfristig Vertrauen zwischen Metzger und Kunde entstehen!“

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