Stolbergs marode Brücken: „Keine Gefahr“

Von: Ottmar Hansen
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Nach einem Verkehrsunfall ist das Brückengeländer an der Finkensiefstraße/Landesstraße 220 immer noch notdürftig geflickt. Foto: J. Lange
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Ein Pkw kam nachts auf der Europastraße von der Fahrbahn ab und demolierte das Geländer der Brücke über den Vichtbach. Auch hier wartet man noch auf die Reparatur des Metalls. Die Brücke selbst trägt noch. Foto: J. Lange

Stolberg. Viele Straßen in der Stadt Stolberg führen immer noch über etliche marode Brücken. Die meisten betroffenen Bauwerke gehören der Stadt. Allein 650.000 Euro hat die Stadt in ihrem Haushalt 2016 für die Sanierung zumindest einiger Brücken bereit gestellt.

Aber auch Landes- und Bundesstraßen führen auf Stolberger Gebiet über Brücken. Insgesamt geht es um rund 70 Brücken. Sind diese Brücken baufällig, ist der Landesbetrieb Straßenbau für deren Reparatur zuständig. In Stolberg habe der Landesbetrieb zuletzt zwölf reparaturbedürftige Brücken ausgemacht, teilte Sprecher Bernd Aulmann jetzt auf Anfrage der Redaktion mit.

Vier marode Stolberger Brücken im Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebes seien in den vergangenen Monaten bereits saniert worden. „Damit bleiben derzeit noch acht übrig“, sagt Aulmann. Darunter die Brücken an der Eschweiler Straße/Europastraße (Geländer nach Unfall aufgerissen), an der Landesstraße 236 Münsterbachstraße und der Landesstraße 220 Finkensiefstraße (ebenfalls gefährlicher Geländerschaden). „Die acht Brücken müssen irgendwann mal repariert werden“, lässt sich der Sprecher nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt festlegen. Das ist eine Frage des Geldes. Aulmann: „Die Politiker sind aber inzwischen sensibler geworden, was die Qualität von Brückenbauwerken angeht. Wir hoffen entsprechend darauf, dass uns künftig auch mehr Mittel für die Sanierung zur Verfügung gestellt werden.“

Bundesmittel steigen

Aulmann rechnet damit, dass für diesen Zweck mehrere Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden müssen. Hoffnung macht wohl auch die Ankündigung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, die Mittel für die Brückensanierung bundesweit von 2,5 Milliarden Euro (2015) auf 3,3 Milliarden Euro im kommenden Jahr zu steigern. Die Sanierung habe Vorrang vor dem Aus- oder Neubau, so der Minister. Viele der etwa 39.000 Brücken auf Autobahnen und Bundesstraßen sind älter als 40 Jahre. Besonders viele Brückenbauwerke sind nach dieser Statistik im Bundesland Nordrhein-Westfalen betroffen.

Die Brückenmängel auf Stolberger Stadtgebiet seien allerdings nicht so gravierend, dass Überwege sofort gesperrt werden müssten, sagt Bernd Aulmann . Die Brücken werden von den Mitarbeitern des Landesbetriebes regelmäßig kontrolliert und anschließend mit Schulnoten bewertet. „Es gibt in Stolberg keine Brücke in unserem Zuständigkeitsbereich mit der Schulnote fünf. Die müsste dann ja auch umgehend gesperrt werden.“

So habe etwa die Brücke über die Vicht am Beginn der Europastraße trotz einiger Mängel noch die Schulnote 2,5 erhalten. Zuletzt war hier, schräg gegenüber von Mc Donalds, bei einem Verkehrsunfall ein Pkw-Fahrer gegen das Brückengeländer geprallt und hatte es über mehrere Meter auseinander gerissen und massiv demoliert.

Versicherungen in der Pflicht

Der Schaden wurde bislang noch nicht repariert. „Womöglich liegt das an Verhandlungen mit den Versicherungen“, mutmaßt Aulmann, warum das defekte Teil bis jetzt noch nicht erneuert wurde. Immerhin wurde das Geländer so gesperrt, dass niemand aus Versehen in den Vichtbach stürzen kann.

In städtischer Verantwortung wird, wie berichtet, 20 von 70 Brückenbauwerken ein mangelhafter oder ungenügender Zustand bescheinigt. Auch die Kupferstadt muss langfristig mehrere Millionen Euro in Sanierung oder Neubau ihrer Brücken investieren. Und auch die Städteregion ist in der Pflicht. Über vier Brücken auf Stolberger Stadtgebiet führen Kreisstraßen. Auch bei diesen Bauwerken waren zuletzt Sanierungsarbeiten angelaufen.

Besonders erschreckend war zuletzt, dass die Brücke der Eschweiler Straße über die Vicht, die sich im städtischen Besitz befindet, so baufällig war, dass sie gesperrt werden musste. Seitdem ist das Bauwerk für den Autoverkehr gesperrt.

Ein Poller auf der Mitte der Straße zeigt hier den Autofahrern, dass es an dieser Stelle nicht weiter geht. Nur Fußgänger können die Brücke noch überqueren. Anfangs hatten die Pkw-Fahrer ihre Probleme damit, dass sie nun den Umweg über die Europastraße nehmen müssen. Doch inzwischen haben sie sich an die hinderliche Situation gewöhnt.

Ein Neubau der Brücke würde mindestens 500.000 Euro kosten, hatten Schätzungen seinerzeit ergeben. Dennoch will die Stadt das Projekt jetzt angehen. Die Mittel für die Planung wurden bereits in den Haushalt für das kommende Jahr eingestellt. Offen ist noch, ob die Brücke saniert wird. Oder ob sich eine derartige Maßnahme nicht mehr lohnt und die Abrissbagger anrücken müssen. Anschließend würde dann eine neue Überfahrt errichtet.

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