Stolbergs langer Weg zur grünen Stadt

Von: André Schaefer
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Seit Sommer 2015 der Klimaschutzmanager der Stadt: Georg Trocha. Foto: Kinkel-Schlachter

Stolberg. Wenn Georg Trocha über Klimaschutz spricht, dann holt der Mann gerne weit aus. Trocha ist der Klimaschutzmanager der Stadt Stolberg, Gespräche über erneuerbare Energien oder Elektromobilität gehören zu seinem Job. Doch Trocha arbeitet nicht nur für den Klimaschutz in der Kupferstadt, er lebt ihn.

Und wenn man ihn erzählen lässt, dann sagt er Sätze wie: „Stolberg braucht sich in Sachen Klimaschutz nicht verstecken“ oder „die Stadt ist auf einem sehr guten Weg.“ Dieser Weg, von dem Trocha spricht, heißt „Klimaschutzstrategie 2020“. Im April 2014 hat die Stadt ein Integriertes Kommunales Klimaschutzkonzept erstellt und verabschiedet. Das Ziel: Voraussetzungen schaffen für ein klimafreundliches Stolberg. Doch wo steht die Stadt? Und: Wo will sie noch hin? Ein Überblick.

Wie ist Stolberg in Sachen erneuerbare Energien aufgestellt?

Im Windpark Werth wurden bereits Ende der 90er Jahre zwei Windkraftanlagen installiert. 2005 und 2010 erfolgte eine Erneuerung. Seitdem stehen in Werth drei Windkraftanlagen, die eine Leistung von 5,8 Megawatt (MW) erbringen. Ursprüngliche Planungen für einen Windpark im Laufenburger Wald konnten hingegen bislang nicht umgesetzt werden. Der Grund: Die Bedenken waren zu groß, die Wasserschutzverordnung nicht vollständig berücksichtigen zu können.

Auf erneuerbare Energien setzt die Stadt seit 2012 auch im Gewerbegebiet Camp Astrid. Dort wurde eine großflächige Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Die Solarzellen erreichen eine Spitzenleistung von 4,2 MW.

Welche energetischen Sanierungsprojekte hat Stolberg bislang vorangebracht?

In diesem Bereich hat die Stadt den Fokus insbesondere auf schulische Einrichtungen gelegt. Von 2009 bis 2011 wurde das Ritzefeld-Gymnasium großflächig saniert. Dach und Fassade wurden gedämmt, die Fenster ausgetauscht, die Heizung erneuert. Der Endenergieverbrauch konnte innerhalb von vier Jahren um 60 Prozent auf 79,2 Kilowattstunden pro Quadratmeter gesenkt werden. Ausgehend vom Basisjahr 2000 erfolgte bis 2013 eine Einsparung der Energiekosten in Höhe von gut 1,5 Millionen Euro.

Eine noch höhere Senkung des Endenergieverbrauchs erfolgte an der Realschule I (Walther-Dobbelmann-Straße). Die Sanierung des Bestandsgebäudes, die Demontage der Elektroheizung und die Erneuerung der Warmwasserbereitung erzielten einen um 64 Prozent niedrigeren Energieverbrauch.

Zwischen 2000 und 2014 konnten so mehr als 350.000 Euro an Energiekosten eingespart werden. Auch an der Gesamtschule Sperberweg wurde das Bestandsgebäude von 2012 bis 2014 energetisch saniert. Der Endenergieverbrauch konnte um 55 Prozent auf 90 Kilowattstunden pro Quadratmeter gesenkt werden. In den vergangenen zwei Jahren konnten so rund 70.000 Euro im Vergleich zum Basisjahr 2000 gespart werden.

Welche energetischen Sanierungsprojekte sind noch in Planung?

Im Vordergrund steht mit Sicherheit der Ausbau des Ökokindergartens Gressenich. Rund 790.000 Euro nimmt die Stadt für die energetische Sanierung in die Hand. Das Besondere: Es werden rein ökologische Baustoffe verwendet. „Das wird eine Art Vorzeigeprojekt“, sagt Trocha.

Im Herbst dieses Jahres soll die Sanierung abgeschlossen sein. Weitere energetische Sanierungsprojekte sind für das Rathaus und das Jugendheim Münsterbusch vorgesehen. Bei beiden Gebäuden soll die raumlufttechnische Anlage saniert werden. Trocha hat dafür auf Bundesebene Fördergelder beantragt. Läuft alles nach Plan, soll es gegen Ende des Jahres losgehen. Eine neue Dämmung der Fassade und des Dachs wartet indes auf das Bürgerhaus Breinigerberg. Der Sanierungsbeginn ist für 2017 vorgesehen.

Mit der Erstellung des Klimaschutzteilkonzeptes „Klimaschutz in eigenen Liegenschaften und Portfoliomanagement“ hat die Stadt zudem in diesem Jahr ein Konzept auf den Weg gebracht, mit dem die energetische Sanierung der 16 Schulstandorte künftig strategisch angegangen werden soll.

Gibt es auch ein klimafreundliches Mobilitätskonzept?

Ja, das gibt es und nennt sich „Integriertes klimafreundliches Mobilitätskonzept der Kupferstadt Stolberg“. In diesem Jahr ist es erstellt worden. Knapp 33 Prozent des CO2-Ausstoßes wird in Stolberg durch den motorisierten Verkehr verursacht. Klimaschutzmanager Georg Trocha sagt: „Wir wollen dafür sorgen, dass bei den Menschen im Bereich der Verkehrsnutzung ein Umdenken stattfindet.“

Im Rahmen des Mobilitätskonzeptes haben zwischen Februar und März 21 Mitarbeiter des technischen Dezernats drei Wochen lang Pedelecs und ein Elektrofahrzeug getestet – letzteres überwiegend für Dienstfahrten. „Die Kollegen waren begeistert“, sagt Trocha. Zudem hat die Stadt eine Lademöglichkeit für Elektroautos im Parkhaus Rathaus geschaffen. Trocha sagt, dass derzeit die Einführung von Pedelec-Verleihstationen im Stadtgebiet geprüft werde.

Wie stehen die Stolberger Bürger zum Thema Klimaschutz?

Aller Anfang ist schwer, das weiß auch der Klimaschutzmanager. „Ich bin optimistisch, dass die Stolberger Bürger ihren Teil zum Gesamtkonzept beitragen werden“, sagt Trocha. Im vergangenen Jahr wurde deswegen der Stolberger Energiedialog ins Leben gerufen. „Die Menschen sollen aktiv an den Klimaschutzmaßnahmen beteiligt werden“, sagt er. Die ersten Ortsteilkonferenzen fanden bereits statt. Der nächste Energiedialog erfolgt am 17. Juni im Bürgerhaus Mausbach, im Herbst soll er in Breinig stattfinden.

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