Stolberg - Stolbergs Image lässt zu wünschen übrig

Stolbergs Image lässt zu wünschen übrig

Von: Dirk Müller
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Wahrzeichen: Die Stolberger Bu
Wahrzeichen: Die Stolberger Burg und die pittoreske historische Altstadt begünstigen das Image der Kupferstadt. Foto: D. Müller

Stolberg. Ein relativ erfreuliches Resultat hat Susanne Kaivers bei der Präsentation ihrer Image-Umfrage verkünden können: 72 Prozent der Stolberger sind in ihrer Stadt zufrieden und leben gerne hier.

Ebenfalls positiv sind die Potenziale der Kupferstadt, die allerdings noch stärker genutzt werden müssen, um das Bild Stolbergs zu verbessern, denn dieses lässt zu wünschen übrig. Zumindest laut der Online-Befragung, die Kaivers im Rahmen ihrer Magisterarbeit durchführte. Mehr als 1000 Menschen nahmen daran teil, knapp die Hälfte (46,4 Prozent) aus Stolberg, die anderen hauptsächlich aus der Städteregion.

Türkisches Viertel etablieren

Das Resultat der empirischen Erhebung ist ernüchternd. Kaivers verwies in ihrem Vortrag auf zwei Problembereiche, die eigentlich das Potenzial hätten, die Wahrnehmung Stolbergs zu verbessern. „Man könnte überlegen, den Stadtteil Mühle als türkisches Viertel zu etablieren, aus ihm einen besonderen Anziehungspunkt zu machen”, sagte Kaivers. Allerdings wünschen sich 25 Prozent der Umfrageteilnehmer eine buntere Durchmischung der Kulturen auf der Mühle, 41 Prozent Verbesserungen der Wohn- und Aufenthaltsqualität.

Das andere innerstädtische Problem sei der Steinweg. Dort wollen gut 32 Prozent der Befragten die „Wiederbelebung der Läden wie früher”, knapp 30 Prozent sprechen sich für eine Einkaufsmeile mit Fachgeschäften aus. Das Modell, das seniorengerechte Wohnungen vorsieht, befürworteten nur 14,7 Prozent. Insbesondere in puncto Steinweg gelte es, innovativ zu denken. Zwei, drei Wohnhäuser an der Vicht abzureißen und Cafés zu bauen, um das Potenzial des Gewässers in der Innenstadt besser zu nutzen, sei eine Idee. Anstatt Gründe zu suchen, warum dies nicht machbar sei, sollten Lösungen zur Umsetzung angestrebt werden. „Sich stets darauf zu berufen, dass etwas nicht geht, bringt Stolberg nicht weiter”, sagte Kaivers.

Eher schädigend als dem Image förderlich sei auch das Stolberg-Logo mit dem Zusatz „Kupferstadt im Aachener Land”. „Wir haben doch eine tolle Stadt, warum müssen wir uns hinter Aachen verstecken?”, fragte Kaivers. Die klangliche Nähe zu der rechtsextremen Vereinigung „Kameradschaft Aachener Land” sei auch nicht hinnehmbar, zumal die Aufmärsche von Neonazis in Stolberg enorm zum Image-Problem der Stadt beitragen würden. Die befragten Auswärtigen denken bei Stolberg zuerst zwar noch an die Burg, dann aber folgen „Rechtsextreme” und „Industrie” vor „Altstadt”, „Leerstände in der Innenstadt” und „hoher Ausländeranteil”. Die Einwohner assoziieren ebenfalls Stolberg in erster Linie mit der Burg und der Altstadt, „Leerstände in der Innenstadt”, „Schlechte Finanzlage”, „Rechtsextreme” und „hoher Ausländeranteil” folgen. Der Begriff „Kupferstadt” rangiert in beiden Gruppen auf dem siebten Platz. Kaivers präsentierte aber auch Ergebnisse, die Mut machen.

So meinten zum Beispiel fast 60 Prozent der Befragten, die an Stadtführungen teilgenommen haben, diese hätten ihren Eindruck von Stolberg verbessert. Burg, Altstadt und die Kupferhöfe müssten stärker gefördert und über die Stadtgrenzen hinaus bekannter gemacht werden, regte Kaivers an: „Die Stolberg-Touristik leistet gute Arbeit, es könnte aber mehr sein.” Sie appellierte an die Einwohner der Kupferstadt, „stolze Stolberger” zu sein, sich mit ihrer Stadt zu identifizieren und sich einzubringen.

Vereine, die Stolberg außerhalb repräsentieren, sollten größere Unterstützung seitens der Verwaltung erhalten, und es sollte der Gedanke der „Stadt am Wasser” verfolgt werden. Neben dem Logo sollte der städtische Internetauftritt überarbeitet und ein „Kummerkasten” beziehungsweise ein „Mängeltelefon” für die Bürger eingerichtet werden. „Es ist sinnvoll, die erforderlichen Maßnahmen in einem Stadtmarketingkonzept zu bündeln und vor allem sofort anzugehen”, riet Kaivers.

Die an die Präsentation anschließende offene Diskussionsrunde im gut besuchten Rittersaal brachte auch einige konstruktive Vorschläge zur positiven Korrektur des Images der Stadt hervor. Unter anderem schlug ein Gast vor, Geschäftsleuten, die sich im Steinweg ansiedeln wollen, bei der Gewerbesteuer entgegenzukommen. Das optische Erscheinungsbild Stolbergs durch Sauberkeit zu optimieren, auf eine bessere Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs einzuwirken und bei Schulen für den Besuch in der Kupferstadt zu werben, waren weitere Anregungen. Eine kritische Stimme zweifelte die Aussagekraft von Kaivers Umfrageergebnissen an, da die Teilnehmer ausschließlich online befragt wurden. Dies sei nicht repräsentativ.

Ergebnisse der Umfrage zum Image von Stolberg

Als „sehr gut” oder „gut” empfinden das Image der Stadt etwa 22 Prozent der Stolberger und nur rund 12 Prozent der Nicht-Stolberger. Das hat Susanne Kaivers herausgefunden. Die Note „befriedigend” überwiegt mit circa 48 Prozent bei den Einwohnern und 40 bei den Auswärtigen. Die Kupferstädter Befragten vergeben fast zu 22 Prozent die Wertung „ausreichend”, sieben Prozent meinen, das Image Stolbergs sei „mangelhaft”. Schlechter noch sehen es die Nicht-Stolberger: Mehr als 30 Prozent erteilen die Note „ausreichend” und gut zehn Prozent „mangelhaft”.

Das Image der Innenstadt sehen die Kupferstädter schlechter als die auswärtigen Befragten: „Sehr gut” und „gut” erreichen nur sechs (Nicht-Stolberger 12), „befriedigend” 21 Prozent (Nicht-Stolberger 27). Mehr als 40 Prozent der Stolberger halten das Bild der Innenstadt für „ausreichend” (Nicht-Stolberger ca. 34), und 30 Prozent urteilen sogar mit „mangelhaft” (Nicht-Stolberger ca. 18).

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