Stolberg - Stolbergs Gymnasien schreiben Geschichte

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Stolbergs Gymnasien schreiben Geschichte

Von: Michael Grobusch
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Auf gute Zusammenarbeit: Bernd
Auf gute Zusammenarbeit: Bernd Decker (v.l.), Armin Ochse, Jonas Beissel, Pinar Aslanbay und Corinna Wiltzek freuen sich auf die Kooperation der beiden Stolberger Gymnasien. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Man ist geneigt, auf die Vokabel „historisch” zurückzugreifen. Doch das ist Bernd Decker dann doch etwas zu viel: „Schließlich hat es vor gut 20 Jahren schon einmal eine Zusammenarbeit gegeben”, betont der Schulleiter.

Gleichwohl hat das, was am Donnerstag offiziell besiegelt worden ist, das Zeug dazu, in die Geschichte der beiden beteiligten Schulen einzugehen. Denn mit der am Donnerstag zwischen Goethe- und Ritzefeld-Gymnasium vereinbarten Oberstufen-Kooperation werden zweifellos die Weichen für eine Zukunft gestellt, die sich von den bisherigen Gegebenheiten deutlich unterscheiden wird.

Der „Probelauf” wird zunächst in überschaubarem Rahmen unternommen. Zum Schuljahr 2011/12 wird es bei den in der Oberstufe neu einsetzenden Fremdsprachen einen ersten Austausch zwischen den Schülerschaften geben. Ganz konkret können „Ritze”-Schüler dann Niederländisch als weitere Fremdsprache wählen. Der Unterricht findet jedoch auf der Liester statt. Im Gegenzug nimmt das Goethe-Gymnasium Spanisch in sein Portfolio auf. Der Unterrichtsort ist in diesem Fall an der Ritzefeldstraße.

Neue Besen kehren gut

Der Spruch scheint abgegriffen, doch könnte er hier passender kaum sein: Neue Besen kehren gut. Oder anders ausgedrückt: Die zeitgleiche Neubesetzung der Leiterstellen an den beiden Gymnasien ist von den Protagonisten als Chance begriffen und ergriffen worden. Die Kooperation ist das erste greifbare Resultat der gemeinsamen Basis, auf der sich Bernd Decker und sein Kollege Armin Ochse bewegen wollen. „Wir haben sehr früh Kontakt aufgenommen und treffen uns nun regelmäßig”, berichtet Ochse. Das Ziel haben er und sein Kollege fest vor Augen: „Durch die Zusammenarbeit wird sich das Schulangebot an diesen beiden hervorragend funktionierenden Gymnasien deutlich verbessern und zugleich der Standort Stolberg an Attraktivität gewinnen.”

Dabei kommt den Kooperationspartnern natürlich entgegen, dass das Ritzefeld-Gymnasium nach dem Beschluss der Schulkonferenz im Sommer das Doppelstunden-System einführen und damit dem Beispiel des Goethe-Gymnasiums folgen wird. So können die neuen gemeinsamen Sprachkurse parallel stattfinden und sich nahtlos in die Stundenpläne der beiden Schulen einfügen.

Auswirkungen hat die Umstellung aber auch auf die Unterrichtsinhalte am „Ritze”. „Wir werden sehr viele eingetretene Pfade verlassen und Schule ganz anders gestalten können”, ist Armin Ochse überzeugt. Bestärkt sieht er sich durch die durchweg positiven ­Erfahrungen, die er vor seinem Wechsel ein Schuljahr lang im Gymnasium Lechenich in Erftstadt gemacht hat. Und der neue Kooperationspartner kann dies nur bestätigen. „Die Doppelstunden ermöglichen einen Entwicklung hin zum längeren, eigenständigeren Lernen”, umschreibt Bernd Decker. „Außerdem haben wir viel weniger Zeitverlust, weil der Wechsel nach jeder Unterrichtsstunde entfällt.”

Einen Wechsel ganz anderer Art steht den zukünftigen Zehntklässlern bevor, die sich für einen Sprachunterricht an ihrer Partnerschule entschieden haben. Denn sie werden quasi als Pioniere von einer Schule zur anderen durch das Tal der Kupferstadt ziehen. „Ich möchte später in den Niederlanden studieren. Die sprachliche Grundlage kann ich jetzt im Unterricht erwerben”, sagt Corinna Wiltzek vom Ritzefeld-Gymnasium.

Talent für Sprache vertiefen

Pinar Aslanbay, die am Goethe-Gymnasium den bilingualen Zweig belegt, sieht ihrerseits die Möglichkeit, „mein Talent und Interesse für Sprachen mit Spanisch zu vertiefen”. Jonas Beissel sieht es ganz pragmatisch: „Ich verbringe sehr oft meinen Urlaub in Spanien, mag das Land und die Leute. Deshalb freue ich mich, demnächst Spanisch lernen zu können.”

Der erste Schritt also wird im kommenden Schuljahr gemacht. Dass weitere folgen werden, steht für die beiden Schulleiter aber bereits jetzt fest. „Wir werden unsere ersten Erfahrungen machen und auswerten. Danach wollen wir auch das Leistungskurs-Spektrum für beide Schulen deutlich erweitern”, kündigen Bernd Decker und Armin Ochse unisono an. In dieser Form hat es das noch nie gegeben. Und deshalb ist die Vokabel „historisch” eigentlich doch sehr zutreffend.

Zu Fuß von einem Gymnasium zum anderen

„Das ist zu Fuß durchaus machbar”, antwortet Bernd Decker mit einem Schmunzeln auf die Frage, wie die Schüler das jeweils andere Gymnasium erreichen werden. 20 Minuten setzt der Schulleiter für den Weg vom Ritzefeld- zum Goethe-Gymnasium und umgekehrt an.

Längerfristig betrachtet, das heißt für den Fall der angestrebten Kooperation auch im Bereich der Leistungskurse, müsse aber mit Bürgermeister Ferdi Gatzweiler über den Einsatz von Schulbussen verhandelt werden, kündigt Armin Ochse an. „Die Stadt befürwortet ausdrücklich die Kooperation unserer Schulen. Deshalb hoffe ich, dass sie auch ihren Beitrag dazu leisten wird.”
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