Stolbergs Freifunk ist auf dem Vormarsch

Von: Sarah-Lena Gombert
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EWV-Sprecherin Yvonne Rollesbroich und Werner Huppertz von Regionetz sind in Sachen Freifunk an der Stolberger Burg unterwegs. Auch rund um das historische Gemäuer soll es bald schon freies Wlan geben, der Denkmalschutz ist einverstanden. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Wer mit offenen Augen durch Stolbergs Fußgängerzone geht, wird an einigen Straßenlaternen eine kleine Veränderung feststellen: An insgesamt vier der Lampen sind jeweils zwei kleine Antennen zu sehen. „Die Antennen sehen aus wie kleine Hörner“, sagt Werner Huppertz lachend, und zückt sein Handy.

In der linken oberen Ecke wird angezeigt, dass er gerade Internetempfang über Wlan hat, und zwar über die „Hörner“ von der Straßenlaterne.

Werner Huppertz ist bei Regionetz, einer Tochter der Energie- und Wasserversorgung (EWV) angestellt. Und die Lampen-Hörnchen, von denen er spricht, das sind Knotenpunkte des Stolberger Freifunknetzes. Seit Ende Juni unterstützen die EWV und Regionetz den Aachener Freifunkverein beim Ausbau des Netzes (wir haben berichtet). In Stolberg sind bislang acht solcher Punkte außerhalb von EWV-Gebäuden installiert, rund 20 sollen es werden.

„Uns hat die Idee von Freifunk einfach sehr gut gefallen“, erklärt EWV-Sprecherin Yvonne Rollesbroich im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Energieversorger habe die nötige Infrastruktur, um den Freifunk-Verein zu unterstützen.

Der Freifunk-Verein ist in der Region Aachen gar kein organisierter Verein, sondern eine lockere Gruppe, erklärt Oliver Huberty, Freifunker aus Stolberg. „Bevor die EWV hier in der Stadt aktiv geworden ist, war Stolberg im Vergleich zu anderen Kommunen in der Städteregion eher Freifunk-Entwicklungsland“, sagt Huberty. Eine Community, wie es sie in der Aachener Innenstadt beispielsweise gebe, sei in Stolberg auch noch nicht zu finden.

Kaffee trinken und dabei surfen

Vielleicht ändert sich das ja mit dem weiteren Engagement der EWV: Bald wird es freies Internet über den Energieversorger auch am Alten Markt geben. „Am Marktplatz haben wir einen Mast aufgestellt, von dem aus man sich ins Netz wählen kann“, erklärt Werner Huppertz. Und wie erfahren Touristen, die auf dem Alten Markt einen Kaffee trinken, dass es dieses freie Internet überhaupt gibt, mit dem sie ihre Urlaubsfotos aus Stolberg auf Facebook posten können?

„Wir sind gerade dabei, an einer Beschilderung zu arbeiten“, sagt Yvonne Rollesbroich. Wie genau diese im Einzelfall aussieht, hängt von den baurechtlichen Gegebenheiten ab. „In unserer Zentrale am Willy-Brandt-Platz können wir natürlich große Plakate aufhängen. An der Burg ginge das in der Form natürlich nicht“, erläutert sie.

Apropos Burg: Auch Stolbergs Wahrzeichen wird demnächst mit kostenlosem Internet versorgt. Rund um das alte Gemäuer können sich Stolberger und Touristen dann ins Netz wählen. „Wir haben uns beim Denkmalschutz eine Genehmigung dafür geholt“, sagt Werner Huppertz. Dass die Optik der Burg durch das Freifunk-Projekt gestört wird, darum muss sich keiner Sorgen machen: „Im Vorderen Bereich wird der Router hinter einem halbrunden Fenster stehen“, sagt Huppertz. Von außen wird er also nicht sichtbar sein.

Weil die Mauern der Burg so dick sind, braucht man einen zweiten Router: Der hängt im hinteren Bereich der Burg, in ein paar Metern Höhe. Die Technik wird zum größten Teil von einer Metallverkleidung verdeckt, die es jetzt auch schon gibt.

Alter Markt, Burg, Steinweg, Rathausstraße: Ziel von EWV und Regionetz ist eine Freifunk-Erschließung der gesamten Stolberger Innenstadtachse. In den Stadtteilen will die EWV aber erst einmal keine Freifunk-Anlagen aufstellen.

Das heißt aber nicht, dass es die nicht trotzdem in Zukunft geben kann. Die müssten dann aber privat organisiert werden Denn neben Energieversorgern wie der EWV oder Geschäftsleuten, die beispielsweise ein Café betreiben, will die Freifunk-Bewegung vor allem Privatleute dazu animieren, etwas von ihrem Internet für die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Freies Netz für alle

„Wir sind der Ansicht, dass jeder Mensch Zugang zum Internet haben sollte, auch wenn er sich keinen Vertrag bei einem kommerziellen Anbieter leisten kann“, erklärt Oliver Huberty die Idee hinter Freifunk. Er selbst hat beispielsweise im Raum Aachen in vielen Flüchtlingsunterkünften Freifunk eingerichetet. So können die Bewohner Kontakt mit ihren Familien aufnehmen.

Wer die Freifunk-Bewegung unterstützen will, kann relativ unkompliziert und vor allem auch sicher dabei mitmachen: Private Freifunker haben in der Regel neben ihrem eigenen Router, den sie für ihr Heimnetzwerk benötigen, einen zweiten Freifunk-Router zuhause stehen. Dieses Gerät „zapft“ den Privatrouter an, ohne aber auf das private Wlan zuzugreifen. „Wenn zum Beispiel die Freunde meiner Kinder bei mir zuhause sind, will ich denen ja nicht unbedingt mein Wlan-Passwort geben“, sagt Huberty. In solchen Fällen ist Freifunk praktisch.

Um rechtliche Fragen müssen sich Privatleute, die bei Freifunk mitmachen, nur bedingt Gedanken machen. Denn wer was genau an einem Freifunk-Router macht, lässt sich kaum nachverfolgen. Man surft also anonym. „Alle Daten aus dem Raum Aachen werden an den Freifunk Rheinland-Verein geleitet, der als Provider fungiert“, sagt Huberty, vergleichbar mit der Telekom oder anderen Anbietern. Und der Freifunk-Verein speichere keine Daten seiner Nutzer.

Freifunk-Router gibt es bereits ab rund 15 Euro. „Es kommt natürlich auf den Zweck des Routers an. Eine ganze Flüchtlingsunterkunft kann ich mit einem solchen kleinen Router nicht versorgen, für den privaten Gebrauch reicht das aber“, sagt Oliver Huberty. Die Aachener Freifunker, betont er, werden bei neuen Nutzern gerne beratend tätig.

„Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Yvonne Rollesbroich über das EWV-Engagement in dem Projekt. Bis Ende des Jahres, so hofft Werner Huppertz, hat er alle 20 Freifunk-Router in Stolberg aufgebaut.

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