Stolbergs erste Gesamtschule: „Zeit, dass es endlich losgeht”

Von: Michael Grobusch
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Die Lehrer der Gesamtschule pa
Die Lehrer der Gesamtschule packen kräftig mit an - hier bei der Einrichtung der Lehrküche. Zum achtköpfigen Kollegium gehören (v.l.) Annika Flucht, Donato De Bellis, Hildegard Krebs-May, Helge Pipoh, Katharina Marks, Jochen Emonds, Markus Emundts und Sabine Opdenberg. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Wer in diesen Tagen auf der Suche nach gut gelaunten Menschen ist, wird am Sperberweg garantiert fündig. Die Vorfreude liegt förmlich in der Luft kurz vor der Eröffnung von Stolbergs erster Gesamtschule am kommenden Mittwoch. „Das wird eine Punktlandung”, frohlockt Ulrich Coopmann und schaut dabei fast ein bisschen ungläubig.

Denn was der Leiter des Hochbauamtes und seine Kollegen in den vergangenen Wochen geschafft haben, kommt einer Sensation schon ziemlich nahe. Erst nach dem Erreichen der erforderlichen 100 Anmeldungen hatte die Bezirksregierung der Stadt Stolberg die Genehmigung für die neue Schulform erteilt, seit Ende März liefen dann zunächst die Planungen und ab dem 24. April die Bauarbeiten auf Hochtouren.

Mittlerweile geht es nur noch um Kleinigkeiten, die bis zum ersten Schultag geregelt werden müssen, im Großen und Ganzen sind die Räumlichkeiten für die ersten vier Eingangsklassen fertig: „Vier Klassen- und alle Fachräume sowie die Lehrküche mit Speiseraum sind bezugsfertig”, zeigt sich Projektleiter Claus Sieverding zufrieden.

Das gilt auch für den Werk- und Musikbereich, das Lehrerzimmer, sämtliche Sanitäranlagen und den Verwaltungstrakt. Aufträge in einem Gesamtwert von knapp 1,43 Millionen Euro hat die Stadt zur Modernisierung und Sanierung der ehemaligen Gutenberg-Förderschule bis dato vergeben, insgesamt werden für die Maßnahme, die ab nächster Woche nun im laufenden Betrieb fortgesetzt werden muss, 4,126 Millionen Euro veranschlagt.

„Wir haben drei Bauphasen vorgesehen”, umreißt Ulrich Coopmann das gesamte Vorhaben. Phase 2 schließt sich nahtlos an den großen Kraftakt vor der Eröffnung an. Dann steht die Herrichtung des zweiten Traktes sowie die energetische Sanierung des gesamten Gebäudes inklusive Dach auf dem Plan.

Restarbeiten in Trakt 1 werden den Abschluss am Sperberweg bilden, danach fließen noch einmal 733.000 Euro in die Realschule 1, die ab dem neuen Schuljahr auslaufen und schrittweise in den zweiten Standort für die Gesamtschule umgewandelt wird.

„Mir machen mitunter völlig neue Erfahrungen”, schmunzelt Coopmann. Denn neben den „klassischen” Aufgabenbereichen ist das Hochbauamt auch für die komplette Einrichtung zuständig. „Es gab nicht einen Einrichtungsgegenstand. Vom Mobiliar über die Bücher bis hin zur Triangel und den Tafelschwamm musste alles neu angeschafft werden.”

Helge Pipoh sieht es so: „Wir haben die Chance, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten diese Schule unter modernsten Gesichtspunkten neu einzurichten”, kann der noch kommissarische Schulleiter der vorgefundenen Leere sehr viel Positives abgewinnen. „Der große Reiz besteht darin, eine neue Schulform aufzubauen. Das hat auf der anderen Seite natürlich den Nachteil, dass man sich gerade in der Anfangsphase auf gewisse Einschränkungen und auf Mehrarbeit einlassen muss.”

Die sieben Kollegen, die mit Pipoh in das erste Schuljahr starten, haben sich nach eigenem Bekunden allesamt bewusst für diese Herausforderung entschieden.

Da kommt dann auch keinerlei Missmut auf, wenn es darum geht, kräftig mit anzupacken und beispielsweise die Utensilien für die Lehrküche zu spülen und einzuräumen. „Hier sind genau die richtigen Leute zusammengekommen”, ist der stellvertretende Leiter Markus Emundts überzeugt.

Wurde schon bei der Vergabe der überaus begehrten 120 Plätze auf eine ausgewogene Besetzung geachtet, so konnte dieser Grundsatz bei der Auswahl des Lehrpersonals nahezu perfektioniert werden: „Wir sind vier erfahrene Kollegen und vier Frischlinge”, stellt Helge Pipoh mit einem Augenzwinkern in die versammelte Runde fest. Und nicht nur das: „In jede der vier Klassen werden sich ein älterer Kollege und ein jüngerer Kollege die Leitung teilen. Und immer handelt es sich um einen Mann und eine Frau.”

Gemeinsam schauen sie gespannt auf den kommenden Mittwoch, wenn zunächst im Museum Zinkhütter Hof und später dann auf dem Schulgelände die erste Jahrgangsstufe 5 mit Verwandten und Bekannten willkommen geheißen wird. „Es wird Zeit, dass es endlich losgeht”, kann Helge Pipoh den Schulanfang kaum noch erwarten.

Für Stolberg wird es ein historischer Tag werden - und der Abschluss einer zeitweilig als unendlich eingestuften Geschichte, die erst durch den politischen Schulkonsens auf Landes- und den Schulterschluss der Fraktionen auf städtischer Ebene eine unverhoffte Wende und danach eine bemerkenswerte Dynamik erhielt.

Letztlich ging alles so schnell, dass für die Suche nach einem Namen keine Zeit mehr blieb. „Wir haben zwar ein paar Ideen, müssen uns aber noch mit der Verwaltung abstimmen, ehe wir offiziell einen Vorschlag unterbreiten werden”, erklärt Helge Pipoh.

Dem Erfolg dürfte das kaum einen Abbruch tun. Die Elternbefragung der Stadt im vergangenen Jahr hatte eine enorme Nachfrage ergeben, durch die 162 Anmeldungen wurde dieser Eindruck Anfang 2012 bestätigt.

So ist es kaum verwunderlich, dass in Stolberg schon jetzt über eine mögliche Erweiterung zur Fünfzügigkeit diskutiert wird. Der Schulleiter aber hat zunächst kurzfristigere Ziele vor Augen und will sich an einer solchen Diskussion nicht beteiligen. „Wie mit einem größeren Bedarf umgegangen werden könnte, das ist eine politische Entscheidung der Stadt.”
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