Stolberger Tafel wechselt die Straßenseite

Von: Sarah-Lena Gombert
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Mit Pinsel, Malerkrepp und Akkuschrauber bewaffnet legen Nicole Klein (links), Gisela Becker-Bonaventura und Wolfgang Schriefers sich ins Zeug, damit das neue Ladenlokal der Stolberger Tafel bis Anfang Oktober fertig wird. Die Ehrenamtler liegen gut im Zeitplan. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Eine Theke für den Brotverkauf steht bereits, ebenso ein paar Kühlschränke für Milchprodukte, Käse oder Wurstwaren: Der neue Verkaufsraum der Stolberger Tafel nimmt langsam aber sicher Gestalt an. Hier, an der Eschweiler Straße 12, direkt gegenüber des alten Ladenlokals, entsteht derzeit die neue Heimat für den eingetragenen Verein, der übriggebliebene Lebensmittel an finanziell schwächergestellte Stolberger Bürger verteilt. Am 1. Oktober werden die neuen Räume feierlich eröffnet.

„Es ist wirklich dringend Zeit gewesen, dass wir umziehen“, erklärt Gisela Becker-Bonaventura, Schrift­führerin der Stolberger Tafel, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die alten Räume, in denen die Tafel untergebracht war, waren einfach zu klein, und das in mehrfacher Hinsicht: „Im Wartebereich für die Kunden haben wir nicht viel Platz gehabt“, sagt Becker-Bonaventura.

Außerdem gab es nicht genügend Lagerfläche für die Lebensmittel, die die ehrenamtlichen Fahrer der Tafel täglich bei Lebensmittelhändlern in Stolberg einsammeln. „Ich habe manchmal sogar Lebensmittel nicht annehmen können“, sagt sie, „wir dürfen ja beispielsweise bei Milchprodukten die Kühlkette nicht unterbrechen.“

Ausgeklügeltes Farbsystem

Rund 1700 Personen profitieren in Stolberg vom Angebot der Tafel. Das sind teilweise Familien mit vielen Kindern, „aber vor allem ältere Menschen, die nicht viel Geld zum Leben haben“, sagt Becker-Bonaventura, „zum Beispiel Witwen, die mit ihrer kleinen Witwenrente nicht auskommen.“ Über ein ausgeklügeltes Farbsystem weiß jeder, wann er zum Einkaufen vorbeikommen kann. Innerhalb von 14 Tagen darf jeder zweimal in der Eschweiler Straße gegen einen symbolischen Obolus Lebensmittel mitnehmen. „Das ersetzt natürlich nicht den Wocheneinkauf, aber für viele können wir frische Lebensmittel bieten, die sie sich sonst nicht leisten könnten“, sagt Becker-Bonaventura.

Saisonales Obst und Gemüse, reichlich Brot und Backwaren, seltener Joghurt oder Nudeln: Für die Kunden können die Tafelmitarbeiter die Waren nun in einem viel helleren, größeren Raum anbieten. Was genau es gibt, hängt von den Supermärkten ab. „Wir haben uns von etwa 170 Quadratmeter auf 325 Quadratmeter vergrößert“, sagt Becker-Bonaventura und strahlt zufrieden. Mit der Vermieterin verstehe man sich, nachdem man sich kennengelernt hat, gut.

Ein weiterer großer Vorteil aus Sicht der Tafel-Mitarbeiter: „Das neue Ladenlokal ist direkt gegenüber. Niemand muss sich umstellen, einen anderen Bus nehmen oder einen weiteren Weg auf sich nehmen als bisher“, sagt Becker-Bonaventura.

Natürlich waren in dem Ladenlokal, das zuvor als Senioren-Wohngemeinschaft eingerichtet war, einige Umbauarbeiten nötig. „Wir haben alles neu gestrichen, eine Wand herausgenommen und die Toiletten so gestaltet, dass sie den Hygienevorschriften genügen“, erklärt die engagierte Tafelmitarbeiterin, die vor ihrer Rente einen Pflegedienst geleitet hat. Auch für schnell verderbliche Lebensmittel gibt es jetzt viel mehr Platz als zuvor: In einem ehemaligen Badezimmer werden zwei Kühlzellen eingerichtet, das sind große, begehbare Kühlschränke. „Das Gesundheitsamt hat das schon abgenickt.“

Wichtig auch aus Sicht von Becker-Bonaventura: Es gibt endlich einen großen, freundlichen Sozialraum für die Mitarbeiter der Tafel, die viel Freizeit investieren, um das Projekt am Laufen zu halten. Pro Verkaufstag sind etwa zehn Helfer im Einsatz: Sie verteilen Waren an die Kunden, sortieren vor, was die Fahrer aus den Supermärkten mitbringen und räumen die Regale ein. „In unserem neuen Raum können wir uns mal in Ruhe für ein kleines Päuschen zurückziehen und ein Butterbrot essen, bevor es wieder mit der Arbeit weitergeht“, erklärt Becker-Bonaventura.

Klinken putzen war gefragt

So ein Umzug in größere Räume, und sei es nur auf die andere Straßenseite, kostet natürlich viel Geld: kein einfaches Unterfangen für einen Verein, der auf Spenden angewiesen ist. Selbst dann nicht, wenn ein ortsansässiges Umzugsunternehmen bei der Arbeit hilft. Zum einen sind da Veranstaltungen wie das Stolberger Nudelbuffet eine große Hilfe, von dem auch die Tafel regelmäßig profitiert. Zum anderen gilt es aber auch, Sponsoren zu finden.

„Wir haben eine Menge Klinken geputzt“, sagt Becker-Bonaventura. Das Tafel-Team hat sich auf die Suche nach Mietpaten gemacht: 400 Briefe wurden verschickt, an prominente Stolberger und Vereine, beispielsweise. „Nicht alle haben geantwortet, aber von vielen haben wir eine positive Rückmeldung bekommen“, sagt Becker-Bonaventura. Im April habe man das Konzept für den Umzug der Mitgliederversammlung vorgestellt, dann ging es los. „Ohne die vielen freiwilligen Helfer aus dem Verein und darüber hinaus hätten wir es aber bis zur Eröffnung im Oktober nicht geschafft“, sagt Gisela Becker-Bonaventura.

Nicht nur die Spendenbereitschaft, sondern auch die Hilfsbereitschaft der Stolberger sei enorm: „Kürzlich kam ein Schreiner vorbei, und fragte, ob er helfen könne. Ich habe ihm direkt gesagt, er könne unsere Ladentheke zusammenbauen“, sagt Becker-Bonaventura und lacht.

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