Stolberger Tafel sucht eine neue Heimat

Von: Jürgen Lange
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Sie sind dringend auf der Suche nach neuen Räumen für die Stolberger Tafel: die Vorsitzenden Wilma Gier und Kurt Herpertz mit den ehrenamtlichen Helferinnen Gerti Fischer und Inge Weber (v.l.). Foto: J. Lange

Stolberg. Es ist nicht so, dass sich die Stolberger Tafel in ihrem Domizil an der Eschweilerstraße unwohl fühlen würde. Vier Monate nach der Gründung des Vereins 1999 wurde der Laden im August eröffnet, mittlerweile mehrfach erweitert und verbessert.

Heute besteht er aus einem Laden-, einem Arbeits-, einem Lager- und einem Warteraum. Hinzu kommen ein kleiner Büro- und ein Besprechungsraum. Die gut erreichbare Lage am Rande der Innenstadt ist günstig.

Doch es ist absehbar, dass die angemieteten Räumlichkeiten mittelfristig nicht mehr den Anforderungen entsprechen werden, die an den Umgang mit und die Abgabe von sensiblen Lebensmitteln gestellt werden. Selbst im Falle einer Sanierung des Gebäudes müsste die Tafel-Arbeit unterbrochen werden. „Wir suchen also eine neue Bleibe“, sagen Kurt Herpertz und Wilma Gier, die dem Verein vorstehen. „Und dafür brauchen wir jetzt Hilfe.“

Denn umgeschaut haben sich die beiden ehrenamtlichen Helfer der Tafel schon seit längerem. Bislang vergebens. Entweder wollten Vermieter einen Anbieter wie die Tafel nicht in ihren Immobilien wissen, andere Objekte lagen zu abgelegen in Außenbezirken oder sie waren schlichtweg zu klein oder zu teuer, berichtet Herpertz von vielen Spaziergängen durch die Innenstadt und den angrenzenden Stadtbezirken, die von ihrer Lage her für den Zweck der Versorgung von einkommensarmen Mitbürgern infrage kommen.

„Sicherlich, hat manches Mal das Herz der ehrenamtlichen Helfer gejubelt, als sie leerstehende, ehemalige Verkaufslokale entdeckt haben. „Doch die erschienen zwar gut geeignet, waren bislang aber für uns unbezahlbar“, verweist Wilma Gier auf das beschränkte Budget des auf Spenden angewiesenen Vereins.

Anders als bei Studenten

Gute Tipps und Hilfe hat es zwar auch seitens der Stadtverwaltung gegeben, aber auch die führten nicht zum Ziel; doch an die Hand genommen und betreut, wie das bei Studenten versprochen ist, wurde die Tafel im Rathaus nicht, bedauert Herpertz.

Deshalb sucht die Stolberger Tafel weiter: Räume nicht unter 200 m2 mit günstiger Verkehrsanbindung und Parkmöglichkeiten für die Andienung, sagt Wilma Gier und schränkt ein, dass für die Kaltmiete kaum mehr als 800 Euro aufgebracht werden kann. Dass Umbauarbeiten auf die Tafel zukommen werden, ist dem Vorstand bewusst, der dabei auf die Unterstützung von hilfsbereiten Handwerken vertrauen kann.

Aktuelle Trends bei der Tafel

Der Bedarf in der Kupferstadt auf Unterstützung durch die Tafel in ungebrochen hoch, „wobei es darüber hinaus eine große Dunkelziffer von Berechtigten gibt, die den Weg zu uns einfach scheuen“, betont Herpertz. In seiner Kartei führt er rund 700 Familien mit 1500 bis 1600 Menschen, die auf die Unterstützung angewiesen sind. Der Verein zählt 110 Mitglieder, und 115 Helfer packen ehrenamtlich bei der Beschaffung und Ausgabe der Ware mit an. Zwei Kühlfahrzeuge stehen zur Verfügung, um die derzeit 42 Lieferanten anfahren zu können, die freundlicherweise ihre nicht mehr benötigten Produkte zur Verfügung stellen.

Die Palette der verfügbaren Lebensmittel ist recht unterschiedlich. „Mit Brot, Obst und Gemüse sind wir meistens sehr gut ausgestattet“, bilanziert Gier. „Aber Molkereiprodukte und Fleisch sind mittlerweile sehr rar bei uns geworden.“ Das führt Herpertz auf die Verkaufspolitik von großen Verbrauchermärkten zurück, die solche Produkte mit ablaufender Haltbarkeit im Preis kontinuierlich reduzieren – „bis hin zu 1 Cent kurz vor Geschäftsschluss“, erzählt Herpertz. „Da bleibt uns nicht anderes übrig, als unsere Kunden auf diese Rabatte aufmerksam zu machen“, so Gier.

Noch andere Trends macht die Tafel-Leitung aus. Hatten früher viele Kunden einen osteuropäischen Migrationshintergrund, so hat sie mittlerweile festgestellt, dass diese Klientel zunehmend in Arbeit gekommen ist. Auch türkischstämmige Kunden sind eher selten an der Eschweilerstraße anzutreffen. Steigend ist dagegen der Anteil von Nutzern, die vom Balkan sowie aus Syrien oder anderen Krisengebieten kommen. „In unserer Kundschaft spiegeln sich auch immer wieder die Ereignisse in der Welt wieder“, analysiert Herpertz.

Er hat für Stolberg eine Entwicklung ausgemacht, die widersprüchlich zu der anderer Tafeln ist. „Eine regelrechte Altersarmut kann ich aus unserer Kundschaft nicht ablesen“, merkt der Vorsitzende des Vereins an. Kurt Herpertz und Wilma Gier machen sich mehr Sorgen über den hohen Anteil junger Kundschaft.

Aber damit sie zukünftig Jung und Alt weiter mit Gütern des täglichen Bedarfs unterstützen können, sind sie nicht nur weiterhin auf die Spendenbereitschaft von Handel und Industrie sowie das Engagement ehrenamtlicher Helfer angewiesen, sondern auch darauf, neue, geeignete und bezahlbare Räume zu finden, in denen die Produkte gelagert und verteilt werden können.

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