Stolberger Tafel sucht dringend ehrenamtliche Helfer

Von: Heike Eisenmenger
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„Man gibt nicht nur, sondern bekommt auch viel zurück”, sagen die Tafel-Helfer Alfred Baldes, Brigitte Breuer und Wilma Gier (von links). Unser Bild zeigt die Ehrenamtler beim Beladen des Tafel-Lieferwagens mit 800 Kilogramm Lebensmitteln, mit der Wilma Gier ihre „Wettschuld” einlöst. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Auf manch einen wirkt die Warteschlange, die sich Tag für Tag vor der „Stolberger Tafel” bildet, frustrierend. Frustrierend deswegen, weil sie uns vor Augen führt, dass immer mehr Menschen am Existenzminimum leben - und der Staat diesem Problem hilflos gegenüber steht.

Wachsender Kundenandrang

Wilma Gier, Alfred Baldes und Brigitte Breuer sind Ehrenamtler der Stolberger Tafel, die dringend Verstärkung sucht, um dem stetig wachsenden Kundenandrang gerecht zu werden.

Sie empfinden die Arbeit bei der Tafel aber keineswegs als frustrierend. Ganz im Gegenteil „Die Arbeit bei der Tafel bereichert mein Leben”, stellt Alfred Baldes mit Nachdruck klar und spricht damit auch für die beiden Frauen.

Natürlich gebe es traurige Momente, schließlich lassen die Probleme und Nöte der Menschen die Helfer nicht kalt. Aber in solchen Momenten wird die Notwendigkeit ihrer Arbeit einmal mehr deutlich - und das motiviert enorm.

Es sind kleine Gesten, die den Helfern Kraft geben, etwa wie die „so lieb geschriebene Weihnachtskarte, das freut einen ungemein”, erzählt Brigitte Breuer.

„Man bekommt von den Menschen ganz viel zurück”, resümiert Alfred Baldes. Wie sehr die ehrenamtliche Arbeit sein Leben zum Positiven verändern würde, ahnte er nicht, als er sich vor einigen Jahren dem Tafel-Team anschloss. „Meine Frau war gestorben. Wir hatten so viele Pläne für meinen Vorruhestand, und dann ist mit einem Schlag alles vorbei - ich musste unbedingt etwas Sinnvolles mit meinem Leben anfangen”, erzählt Baldes.

Zum Helferteam gehört damals auch Brigitte Breuer, die wie er verwitwet war. Die beiden verliebten sich ineinander und sind seitdem ein Paar. „Ohne die Tafel hätten wir uns bestimmt nicht kennengelernt”, ist sich Brigitte Breuer sicher.

Aus eigener Tasche bezahlt

Der Grund, warum Wilma Gier sich im Team engagiert und auch im Vorstand mitarbeitet, ist der, dass sie denjenigen helfen will, die nicht so viel Glück im Leben hatten wie sie. „Meiner Familie geht es gut, und auch wirtschaftlich ist alles in Ordnung”, sagt sie und schaut hinaus in ihren gepflegten Garten.

Gemeinsam mit Breuer und Baldes hat sie eben den Lieferwagen des Vereins mit Lebensmitteln vollgepackt. Insgesamt 800 Kilogramm Margarine, Butter, Zucker, Kaffee und andere Lebensmittel stapeln sich auf der Ladefläche. Die Lebensmittel hat die Dorfferin aus eigener Tasche bezahlt. Damit begleicht sie ihre „Wettschuld” im Rahmen des Begegnungsfestes zum zehnjährigen Bestehen der Stolberger Tafel. Die Wette hat sie abgeschlossen, um die Stolberger zum Spenden zu animieren.

Auf Lebensmittelspenden sind die Kunden dringend angewiesen: Der Bedarf wächst quasi wöchentlich, nicht aber die Lebensmittel, die Supermärkte und Discounter an die Tafel kostenlos abgeben.

Aktuell sind es 1700 Menschen, die bei der Stolberger Tafel einkaufen - die ohne Lebensmittelspenden nicht über die Runden kämen. Sich um diese Menschen zu kümmern, wäre eigentlich Aufgabe des Staates.

Aber es ist, wie es ist. Doch nicht jeder, der das Hilfsangebot der Tafel in Anspruch nimmt, ist tatsächlich bedürftig. „Ja, es gibt schwarze Schafe unter den Kunden”, räumt Gier auf Nachfrage ein, aber die Zahl sei verschwindend gering.

Dazu Breuer: „Wer die schwarzen Schafe sind, hat man schnell raus: Das sind nämlich die Kunden, die keine Rücksicht auf andere nehmen, die fünf Äpfel wollen, obwohl man ihnen erklärt, dass sie nur drei haben können, weil sonst nicht genug Obst für alle da ist.”

Von einigen wenigen, die den Verein ausnutzen, lassen sich die Ehrenamtler aber nicht demoralisieren. Dafür klopfen viel zu viele Menschen an die Tür der Tafel, die auf die Unterstützung unbedingt angewiesen und dankbar für die Hilfe sind.

Es sind die kleinen Begebenheiten, die zählen. Eine solche Begebenheit erlebte Alfred Baldes erst kürzlich. In der Wartereihe stand ein Mann mit seinem Sohn, den er zuvor noch nie bei der Tafel gesehen hatte.

Der Mann vertraute ihm an, dass er seit vier Jahren arbeitslos ist und bisher aus Scham das Angebot der Tafel nicht angenommen hat. Bis zu jenem Tag, an dem er merkte, dass es ohne Hilfe nicht mehr geht. „Ich habe ihm gesagt, dass Arbeitslosigkeit heutzutage jeden treffen kann und keine Schande ist.”

Das Ladenlokal an der Eschweiler Straße hat an sechs Tagen in der Woche geöffnet. Verteilt über die Woche sind 110 Ehrenamtler im Einsatz - und es werden noch helfende Hände gesucht. „Wir brauchen vor allem noch Helfer für mittwochs und freitags. Beim Umpacken der Lebensmittel muss es schnell gehen, weil die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf”, sagt Baldes.

Zu den Aufgaben gehört auch das Aussortieren, etwa von braunen Blättern beim Salat oder ähnliches. „Auch für die Ausgabe brauchen wir noch Leute”, hofft Baldes, dass sich Menschen melden, die viel zu geben haben und die bestimmt auch ganz viel zurück bekommen werden.

Kochkurs für Tafel-Kunden: Helfer gesucht

Die „Stolberger Tafel” an der Eschweiler Straße25 sucht dringend Ehrenamtler, die das 110-köpfige Team verstärken. Speziell für die Ausgabe am Mittwoch und Freitag ist Unterstützung nötig.

Wer sich beim Team einbringen will, sollte sich mit Franz-Josef Koke, Vorsitzender der Stolberger Tafel, in Verbindung setzen. Kontakt unter 02402/86 04 21, Fax 02402/860421 oder an Stolberger-Tafel@t-online per Mail.

Wie frisches Gemüse zubereitet bzw. frisch gekocht wird, das wird Tafel-Kunden in einem Kochkurs am Dienstag, 1. September, von 11 bis 14 Uhr im Helene-Weber-Haus an der Oststraße 66 vermittelt. Als Umlage für die Lebensmittel wird pro Teilnehmer ein Euro berechnet. Eine Anmeldung bei der Tafel ist unbedingt erforderlich.
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