Stolberger Tafel sichert ihren Bestand in letzter Sekunde

Von: Alexander Barth
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Vorstandsmitglied Wilma Gier i
Vorstandsmitglied Wilma Gier im neuen „Rein-Raum” der Stolberger Tafel. Dank Spenden und tatkräftiger Hilfe konnten notwendige Umbauarbeiten geleistet werden. Foto: A. Barth

Stolberg. Es war Rettung in der berühmten letzten Minute. „Ohne Hilfe von außen hätten wir wohl nicht überlebt”, sagt Kurt Herpertz und beschreibt damit das mögliche Szenario, dass dem Verein Stolberger Tafel in der jüngeren Vergangenheit gedroht hat.

Von Behördenseite war im Jahr 2011 die Rüge ins Haus geflattert, wonach ein Teil der Räumlichkeiten an der Eschweilerstraße, wo die Tafel seit 1999 beheimatet ist, nicht den geltenden Vorschriften für die Lagerung von Lebensmitteln entspräche. Nur dank der Hilfe von Sponsoren und dem Engagement eines Aachener Handwerksbetriebes habe man die nötigen Umbauten stemmen und so diese ernsthafte Bedrohung abwenden können, erklärt der Vereinsvorsitzende Kurt Herpertz.

Ehemalige Autogarage

Konkret geht es dabei um einen Lagerraum, der vor der Tafel-Ära lange Jahre als Autogarage genutzt wurde. Die Lebensmittelkontrolleure bemängelten, dass etwa Bodenrückstände aus eben dieser Zeit und der bauliche Zustand eine Sanierung zwingend nötig machten. Zu den Auflagen gehörte außerdem die Unterteilung des Raumes in einen sogenannten Rein- und Unrein-Bereich. „Wir mussten eine Wand einziehen, eine Tür einbauen und Fliesen verlegen”, berichtet Herpertz. Außerdem wurden die Wände im Rein-Bereich gefliest. Hier ist jetzt auch eine moderne Spülmaschine nach Gastronomie-Standard untergebracht. Darin lassen sich auch die vielen Transportkisten aus Plastik reinigen. Eine große Erleichterung, finden die Mitarbeiter der Tafel.

„Wir waren mit der Situation finanziell überfordert”, blickt Vorstandsmitglied Wilma Gier zurück. Rund 700 Haushalte werden derzeit von der Stolberger Tafel unterstützt, etwa 1600 bedürftige Menschen erhalten so günstige Lebensmittel. Die kommen täglich von 40 Lieferanten aus dem regionalen Einzelhandel und der Gastronomie. Viel Polster hat der Verein traditionell nicht, die auferlegten Maßnahmen hätten im schlimmsten Fall das Aus bedeutet.

„Die Möglichkeiten eines Umzugs haben wir schnell verworfen, da in Stolberg zwar etliche Immobilien leer stehen, die Mietpreise dennoch ziemlich happig sind”, ergänzt Kurt Herpertz. So wurden schließlich alle Informationskanäle geflutet, auf der Suche nach Sponsoren und Helfern. „Mein Motto ist: Fragen kostet nichts”, sagt Wilma Gier lächelnd. Fündig wurden sie und ihre Mitstreiter schließlich bei alten Bekannten.

Der Rotary Club Aachen Land hat in der Vergangenheit mehrfach die Belange der Stolberger Tafel unterstützt, „auch diesmal haben wir nicht gezögert und sofort Hilfe zugesagt”, erklärt Heinz Brosig, der sich vor Ort ein Bild von den Umbauten macht. Vor einigen Jahren hat er die Anfänge des Engagements der Rotarier praktisch am eigenen Leibe gespürt oder zumindest in dessen Nähe: „Ich habe ein Mitglied der Tafel in der Sauna kennengelernt, da sind wir ins Gespräch gekommen”, verrät er mit verschmitztem Lächeln.

Auch einige Kilometer westlich von Stolberg ist der Hilferuf nicht ungehört verhallt. Karl Arnoldi, Geschäftsführer der Aachener Traditionsfirma Elektro Schmitz hat in etlichen Arbeitsstunden die gesamte Stromversorgung in den neu gestalteten Räumen erneuert. „Eigentlich wollte er immer nur mal für ein Stündchen kommen”, berichtet Wilma Gier dankbar. Dabei blieb es längst nicht. Zeitweise war auch ein Kollege mit von der Partie. Neben den üblichen Anschlüssen wurden dabei auch Starkstromkabel verlegt. Karl Arnoldi selbst mag wenig Worte zu seinem Engagement machen, seine knappe Aussage verrät viel über seine Philosophie: „Wenn wir noch einmal gebraucht werden, sind wir wieder da”. Wilma Gier und Kurt Herpertz lächeln, immer wieder betonen sie: „Wir können uns einfach nicht genug bedanken.”

Die Auflagen der Lebensmittelkontrolleure haben den Tafel-Mitarbeiter nicht nur bange Momente oder erheblichen Aufwand, sondern auch diverse Erleichterungen beschert. „Wir sehen uns für die Zukunft gut aufgestellt”, findet der Vorsitzende. Zwei Kühlfahrzeuge, angeschafft ebenfalls mit Unterstützung vom Rotary Club Aachen-Land sowie des Lions Club, bewältigen den täglichen Transportaufwand sowie die donnerstäglichen Hauslieferungen für altere und kranke Mitbürger. Nur ungern hätte man die langjährig genutzten Räume an der Eschweilerstraße verlassen, sagt Kurt Herpertz. „Wir sind hier in einem Brennpunkt angesiedelt, viele der Bedürftige wohnen in der Nähe. Umso wichtiger war und wertvoller war es, diesen Standort zu halten.”

Zwei andere „Baustellen” beschäftigen die Vorstandsmitglieder in diesen Tagen jedoch weiterhin. Da ist zum einen die wachsende Zahl der sogenannten Spontanhilfen: Die Versorgung von Menschen, die über die Pfarren oder das Sozialamt in die Kartei der Bedürftigen aufgenommen werden. „Einige Menschen trauen sich erst in höchster Not, das Angebot wahrzunehmen”, weiß Vorstand Herpertz. Sie hätten Hemmungen, sich zu öffnen und andere über ihre Lage informieren. „Wir können kurzfristig helfen. Aber das ist ein Trend, der sich fortsetzt und dem wir wohl nicht ewig gerecht werden können.” Das andere Probleme sind die klaffenden Lücken im Dienstplan der Ehrenamtlichen Fahrer.„Wir suchen händeringend Freiwillige”, umreißt Wilma Gier das Problem, und wünscht sich „einen Pool von Spontanen Menschen, die auch mal kurzfristig einspringen können.” Schon einige Stunden im Monat würden ausreichen, um einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren der Stolberger Tafel zu leisten, „damit wir niemanden allein lassen müssen”.

Weitere Infos im Internet:

www.stolberger-tafel.de
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