Stolberger Tafel: Noch erhält jeder genug Lebensmittel

Von: Ottmar Hansen
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Die Stolberger Tafel klagt über steigende Zahl von Kunden. Foto: O. Hansen
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Elke Dupont, Karin Meyer, Regina Becker und Barbara Mager (vorne v.r.) helfen bei der Tafel aus. H.v.l.: Franz-J. Becker, Robert Voigtsberger und Thomas Schellhoff. Foto: O. Hansen

Stolberg. Die Stolberger Tafel wird von immer mehr Menschen aufgesucht, die am Existenzminimum leben. Ohne Lebensmittelspende der Tafel könnten die Bedürftigen kaum über die Runden kommen. Rund 100 freiwillige Helfer sind damit beschäftigt, mehr als 1500 Menschen regelmäßig mit den notwendigen Lebensmitteln zu versorgen.

Die Zahl der Hilfesuchenden sei steigend, sagt Thomas Schellhoff, Vorsitzender der Stolberger Tafel. Aber darunter seien nur wenige Flüchtlinge, die in ihrer Not an die Tür der Tafel klopfen. Noch habe die Hilfsorganisation die Verteilung der gestifteten Lebensmittel trotz der Nachfrage im Griff. Schellhoff: „Nicht die Nationalität, sondern der Bedürftigkeitsstatus zählt. Wir behandeln schließlich alle gleich.“ Vorurteile deutscher Tafelkunden, wonach sie weniger Essen als Flüchtlinge erhielten, entsprächen nicht der Realität, so der Vorsitzende.

Aktuelle Situation

Der Erste Beigeordnete der Stadt, Robert Voigtsberger, besuchte am Dienstag die Ausgabestelle der Tafel an der Eschweiler Straße. Um Vorurteile abzubauen, sei es nötig, die aktuelle Situation der Tafel klarzustellen. Das Gerücht, dass immer mehr Flüchtlinge die Tafel stürmten, sei durch nichts zu belegen, so Voigtsberger. In der Stadt Stolberg sind nach Mitteilung des Beigeordneten derzeit 830 Flüchtlinge untergebracht, 200 davon in der Turnhalle des Berufskollegs, 150 in der Turnhalle der Propst-Grüber-Schule.

Die übrigen Flüchtlinge lebten über die Stadt verteilt in einzelnen Wohnungen. Diese Menschen würden von anderer Stelle in ihrem Lebensunterhalt, etwa durch Kantinenessen, unterstützt. Voigtsberger: „Und das ehrenamtliche Engagement in dieser Stadt ist ungebrochen. Besonderer Dank gilt den Mitarbeitern der Tafel. Hier setzen sich rund 100 Freiwillige für Menschen ein, denen es nicht so gut geht. Wir können uns absolut auf die Bürger unserer Stadt verlassen.“

Die Tafel ihrerseits setzt auf die Zusammenarbeit mit den Lebensmittelhändlern aus der Region, die übrig gebliebene Lebensmittel für die Abgabe an Bedürftige spenden. Schellhoff: „Viele Märkte aus der Region helfen uns aus.“ Aber auch mancher Flüchtling, der in Stolberg aufgenommen wurde und jetzt eigentlich zum Nichtstun und Abwarten verdonnert ist, habe seine Mithilfe schon angeboten. Schellhoff: „Als wir jetzt schwere Stahlregale umsetzen mussten, war das von unseren Helfern nicht zu schaffen. Da haben sich junge Flüchtlinge sofort angeboten. Sie haben mit angepackt und das Regal versetzt.“

Der Vereinsvorsitzende lobt einen jungen Mann, der nach einem Jahr auf der Flucht jetzt in Stolberg angekommen ist. „Der Mann ist schon in der Lage, sich grammatikalisch korrekt in Deutsch auszudrücken. Und das ohne besonderen Kurs. Der Mann spricht Leute auf der Straße an und versucht in der Unterhaltung, die deutsche Sprache möglichst rasch zu lernen.“ Voigtsberger bot an, dass die Stadt mit Hilfe der bei ihr registrierten Dolmetscher in die Wege leiten werde, dass die Tafel Neukunden eine Broschüre über die Nutzungsregeln in allen möglichen Sprachen vorlegen könne.

Schellhoff betont, dass die Tafel keine abgelaufene Ware abgibt. „Unser Material ist gut sortiert und notfalls auch passend verpackt.“ Da die Tafel an der derzeitigen Adresse Eschweiler Straße nur über ein kleines Kühlhaus verfügt, tauscht sie Hilfslieferungen mit verderblicher Ware auch schon einmal mit den Tafeln der Nachbarstädte aus. „Wir müssen die Kühlkette ja sicherstellen“, sagt Schellhoff. In wenigen Sonderfällen bringt die Tafel Lebensmittel auch zu Bedürftigen, die bettlägerig sind, nach Hause. Schellhoff: „Eigentlich müssten Angehörige oder Nachbarn diese Aufgabe aber übernehmen.“

Ihre Lebensmittel gibt die Tafel ohne Bezahlung an die Bedürftigen ab. Schließlich habe man die Ware selbst ja auch kostenlos erhalten, so der Vorsitzende. „Über eine Spende freuen wir uns natürlich immer.“ Kunden der Tafel bekommen eine Berechtigungskarte (derzeit 667). Zur Ausstellung der Karte müssen die Kunden eine Bescheinigung des Jobcenters über ihre Einkünfte, persönliche Papiere, einen Mietvertrag (wegen der Fixkosten), eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Bescheinigung des Familienstatus (Partnerschaft der Eltern, Zahl der Kinder) vorlegen.

Die Einkaufsberechtigungskarte sei jeweils zeitlich begrenzt. Die Berechtigten werden in Gruppen eingeteilt, damit nicht alle gleichzeitig die Ausgabestelle stürmen. Die Namen werden dann in den Computer eingegeben, der per Zufallsgenerator bestimmt, wer sich als erster Kunde an der Theke bedienen kann.

Die Tafel gibt an ihrem heutigen Standort etwa 1600 Euro monatlich an Nebenkosten aus. Strom und Heizung gehören dazu und die Fixkosten für die beiden Transportwagen. Einer der beiden Wagen ist kaum noch zu gebrauchen. Dank großzügiger Spenden konnte die Tafel bereits ein neues Fahrzeug bestellen. Eingetroffen ist es noch nicht. Das heutige Gebäude ist jedoch ebenfalls nicht mehr lange zu benutzen. „Das Gebäude steckt voll Feuchtigkeit. Es gab Rohrbrüche und Schimmel. Die Wände sind schlecht isoliert.“

Ein neues Domizil müsse deshalb unbedingt her, so Schellhoff. Möglichst im bekannten Stadtteil Mühle. Mit mehr Platz für die Aufbereitung und das Angebot der Lebensmittel. Auch ein zweites Kühlhaus sei nicht schlecht. Mehrere Mietobjekte habe sich der Verein deshalb schon angesehen. Doch noch sei man zu keiner Einigung mit einem Vermieter gekommen, so Schellhoff. Im laufenden Jahr werde aus diesem Projekt denn wohl auch nichts mehr werden. Wer die Stolberger Tafel mit einer Spende unterstützen will, kann dies auf das Konto der Sparkasse Aachen, IBAN DE02/3905/0000/0001/8135/75 tun (BIC: AACSDE33).

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