Stolberg - Stolberger Tafel: Der Weihnachtstisch bleibt nicht leer

Stolberger Tafel: Der Weihnachtstisch bleibt nicht leer

Von: Sarah-Lena Gombert
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Für große Familien oder Ein-Personen-Haushalte: Die Weihnachtspakete, die im Zinkhütter Hof abgegeben worden sind, wurden für unterschiedlich große Personengruppen gepackt. Am Donnerstag haben sich die Tafel-Kunden die für sie passende Kiste aussuchen können. Foto: S.-L. Gombert
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Rund 800 Kisten hat die Stolberger Tafel in diesem Jahr entgegengenommen. Das sind etwa 100 weniger als im Vorjahr. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Alte Damen die Rollkoffer hinter sich herziehen. Junge Familienväter, die ihre kleinen Töchter an der Hand halten: Vor dem Zinkhütter Hof haben sich am Donnerstagmorgen schon lange Schlangen gebildet. Es sind Kunden der Stolberger Tafel, die eines der Weihnachtspakete in Empfang nehmen werden, die am Vortag hier abgegeben worden sind.

Nach und nach lassen die Mitarbeiter der Tafel die wartenden Kunden in den großen Saal des Museums, damit sie sich in Ruhe ein für sie passendes Paket aussuchen können.

„Wir kommen seit 14 Jahren hierher“, sagt eine Stolbergerin, die heute mit ihrem Sohn hergekommen ist. Auch sie steht geduldig Schlange und wartet auf Einlass in den Zinkhütter Hof. Ihren Namen möchte die junge Tafelkundin lieber nicht nennen, weil sie unerkannt bleiben möchte. „Zuhause sind wir zu viert“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Sie und ihr Mann seien bereits seit Jahren arbeitslos, die Kinder gehen noch zur Schule. „Pro Monat haben wir für Lebensmittel etwa 400 Euro zur Verfügung.“ Da sei die Tafel schon eine große Hilfe. „Und dadurch, dass wir mit dem Weihnachtspaket unser Weihnachtsessen kochen können, reicht das Geld, um es für ein kleines Geschenk für die Kinder zurückzulegen.“ Wer auch immer in diesem Jahr die Kiste gepackt habe, die die Frau mit nach Hause nehmen kann: „Ich bin den Spendern und auch der Stolberger Tafel wirklich dankbar“, sagt sie.

Viele Kunden freuen sich

„Die meisten der Kunden freuen sich sehr über die Großzügigkeit der Spender“, sagt Franz-Josef Loch, stellvertretender Vorsitzender der Stolberger Tafel. So würden auch die rund 100 ehrenamtlichen Helfer vor allem Dankbarkeit und Freundlichkeit erfahren. Doch es gibt auch schwierige Fälle: „Einige Kunden haben eine unglaubliche Anspruchshaltung“, sagt Loch.

Manchmal könne man den Eindruck gewinnen, dass diese Leute die Tafel für eine staatliche Einrichtung halten, auf deren Dienstleistung sie einen rechtlichen Anspruch hätten. Auch am Donnerstag sind einige junge Mütter dabei, die gerne mehr mitnehmen wollen, als die Tafel-Mitarbeiter ihnen geben: „Da diskutieren wir aber nicht. Schließlich soll ja für alle etwas da sein“, sagt Loch.

Rund 800 Pakete haben die Tafel-Mitarbeiter in diesem Jahr eingesammelt, das sind 100 weniger als noch im Vorjahr. „Es wird aber reichen, um allen Kunden etwas geben zu können, auch wenn die einzelnen Spenden dann nicht ganz so groß ausfallen wie im letzten Jahr“, sagt der stellvertretende Tafel-Vorsitzende.

Die allermeisten der Weihnachtspakete sind mit viel Liebe zurechtgemacht: Es hängen kleine Weihnachtsgrußkarten daran, manchmal stecken Plüschtiere, Schokonikoläuse oder Kindersocken zwischen den Lebensmitteln.

Eine Nietenkiste ist dabei

Doch eine Kiste war in diesem Jahr dabei, über die Franz-Josef Loch und die anderen Mitarbeiter nur den Kopf schütteln konnten. „Wir haben eine Niete bekommen“, sagt Loch und erklärt: Jemand hatte einen Pappkarton abgegeben, der mit Weihnachtsgeschenkpapier verpackt war.

„Wir kontrollieren ja alle Kisten, darum haben wir auch dieses Paket geöffnet.“ Und was die Tafel-Mitarbeiter dann sahen, war für alle ein kleiner Schock: „Jemand hatte einfach nur Abfälle verpackt und abgegeben“, sagt Loch. So unverständlich das Verhalten solcher „Spender“ auch ist: Zum Glück bleibt das die absolute Ausnahme.

Dank an die Mitarbeiter

Die Stolbergerin und ihr Sohn haben ihre Kiste mittlerweile ausgewählt und machen sich wieder auf den Heimweg. Draußen vor der Tür warten immer noch eine ganze Menge Leute. Die Tafel-Mitarbeiter öffnen die Tür und bitten den nächsten Kunden freundlich herein. „Ich bewundere immer wieder, mit welcher Einsatzfreude unsere Mitarbeiter dabei sind. Ohne so viele Helfer wäre unsere Aktion jedenfalls in dieser Form nicht machbar“, sagt Franz-Josef Loch.

Um sich für den Einsatz ein bisschen zu bedanken, wird die Tafel für ihre Mitarbeiter im Januar einen kleinen Empfang geben – wieder im Zinkhütter Hof. „Auch dem Museum sind wir sehr dankbar, dass wir für unsere Aktionen deren Räume nutzen können“, sagt Loch.

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