Stolberger Stadtmeisterschaften im Turnen starten

Von: Vivien Nogaj
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Nina Berger und Annika Maas (v.l.) haben sich intensiv auf die NRW-Meisterschaften vorbereitet, bei denen sie dieses Jahr für Stolberg angetreten sind. Foto: Carolin Gottschalk
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Carolin Gottschalk zeigt ihren Pokal, den sie 1995 als Stadtmeisterin errungen hat. Heute steht er im Keller. Foto: Vivien Nogaj

Breinig. Am Samstag starten die Stolberger Stadtmeisterschaften im Turnen in der Mehrfachsporthalle an der Stefanstraße. Eine, die ganz besonders mitfiebert, ist Carolin Gottschalk. Die 32-Jährige ist seit knapp 30 Jahren Mitglied des Turnerbundes Breinig und Trainerin von zwei Förderturngruppen.

Ihre aktive Karriere ist zwar vorbei, trotzdem weiß Gottschalk noch, als wäre es gestern, wie sich die Meisterschaften angefühlt haben. Carolin Gottschalk hat sie noch, ihre beiden Pokale. Mehr als 20 Jahre ist es her, dass sie den letzten gewonnen hat. „Da bin ich Stadtmeisterin geworden“, sagt sie, als die den Pokal von 1995 in ihren Händen hält. Heute hat sie ihn extra wieder hervorgeholt, eigentlich steht ihre Trophäe im Keller.

Die Zeit als Turnerin ist lange vorbei, mit dem Sport abgeschlossen hat Gottschalk trotzdem nicht: Die Mutter von zwei Töchtern trainiert zwei mal die Woche junge Mädchen im Alter von 9 bis 17 Jahren, um sie auf Wettkämpfe vorzubereiten.

„Das nächste Ziel ist es, auf Kür-Ebene in die NRW-Liga zu kommen.“ Im Pflichtstufenbereich haben es zwei ihrer Schützlinge schon geschafft: Nina Berger (8) und Annika Maas (17) haben sich dieses Jahr für das NRW-Landesfinale qualifiziert. Auf die Platzierung von Nina Berger ist Gottschalk besonders stolz: „Sie ist jetzt die sechstbeste Turnerin in NRW. Das ist schön, so eine Platzierung als Trainerin mitzuerreichen.“

Leicht ist Gottschalks Job nämlich nicht immer. „Die Kinder haben in dem Alter durchaus ihren eigenen Kopf.“ Die Aufsichtspflicht während der Übungsstunden sei neben dem Turntraining die eigentliche Herausforderung. Unterstützt wird jede Trainingseinheit daher von ein bis zwei Helfern, die an den Geräten stehen und auf die Turnerinnen aufpassen, wenn sie ihre Übungen ausführen.

Und davon gibt es jede Menge: „Der Turnsport bei den Frauen lässt sich in vier Disziplinen einteilen: Das sind Sprung, Reck und Stufenbarren, Schwebebalken und Boden“, erklärt Gottschalk. Diese fordern die Teilnehmer in unterschiedlichen Bereichen: Beim Sprung komme es vor allem darauf an, schnell sprinten zu können: Der Anlauf macht etwa 80 Prozent aus“, weiß Gottschalk.

Für die Übungen am Reck und Stufenbarren sei besonders die Kraft in den Armen gefragt, aber auch auf die Technik komme es an, beispielsweise beim sauberen Ausführen eines Saltos. Die Übungen auf dem Schwebebalken erforderen ein ausgeprägtes Gleichgewichtsvermögen und Gelenkigkeit, für die Bodenübungen sei die Schnellkraft von Bedeutung. „Deshalb gehört zu jedem Training auch ein Kraft- und Konditions-Workout dazu, das die Turnerinnen auf ihre Turn-Elemente vorbereitet.

Spaß am Sport das Wichtigste

Disziplin steht bei Gottschalk aber nicht an erster Stelle: „Wichtig ist es, dass die Kinder Spaß daran haben“, sagt sie. Es gebe auch kleine Mitglieder, die übermotiviert sind und auf Wettkämpfen Elemente vorführen wollen, die noch zu schwierig sind. Dann lenkt Gottschalk ihre Schützlinge in die richtige Richtung: „Besser ist es, eine leichtere Kür vorzuführen, die sitzt, als schwierige Elemente einzubauen, die unsauber ausgeführt werden“, sagt sie. Deshalb hat Gottschalk das letzte Wort bei der Choreographie.

Böse ist ihr deshalb keiner, denn als Wertungsrichterin weiß sie, worauf es ankommt: „Ähnlich wie beim Schlittschuhlaufen gibt es eine D- und eine E-Note.“ Die D-Note entscheide dabei über die Schwierigkeit der vorgeturnten Elemente, und ob sie tatsächlich den Anforderungen entsprechen: „Ein Salto muss zum Beispiel ein Salto sein, und keine Rolle“, sagt Gottschalk. Die E-Note hingegen entscheide über die Ausführung der Elemente: „Hierbei wird zum Beispiel auf die Streckung der Körperteile geachtet.“

Trainermangel führt zu Wechsel

Das haben ihre Schützlinge aber schon gut drauf: „Sie sind jetzt deutlich besser, als ich es damals gewesen bin“, sagt Gottschalk. Warum sie aufgehört hat, weiß sie selbst nicht so genau: Bei mir war es damals die Pubertät, glaube ich.“

Generell ändern sich bei den Heranwachsenden die Interessen, das Abitur steht an, oder die Turnerinnen ziehen zum Studieren in eine andere Stadt. Auch Trainermangel führe dazu, dass viele Teilnehmer den Verein wechseln. Deshalb sei es Gottschalk wichtig, dass sie für ihre Turnerinnen da ist: „Ich habe meine Arbeitgeber immer darauf hingewiesen, dass ich dienstags und freitags früher gehen müsse, weil ich Trainerin einer Förder-Turngruppe bin. Das hat zum Glück bis jetzt auch immer geklappt.“

Auch an diesem Wettkampf-Wochenende unterstützt Gottschalk die Mädchen ihrer Turngruppe, die gegen andere Turnvereine in der Region antreten. Die jüngste angemeldete Teilnehmerin des SV Breinig ist Gottschalks Tochter Emilia (3).

Sie hat in den letzten Tagen schon fleißig geübt. Ob sie tatsächlich mitmachen werde, sei aber eine andere Frage: „Sie ist ja erst drei Jahre alt. Da ist es von der Tagesform abhängig, und ob Emilia auch wirklich Lust darauf hat, anzutreten,“ sagt Gottschalk. Eine „Ballettmutter“ sei sie nämlich nicht. „Emilia bekommt erstmal den Turnanzug angezogen, und dann sehen wir weiter“. Mutter Gottschalk drückt die Daumen.

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