Stolberger sollen Ärzte per Mausklick im Netz bewerten

Von: Robert Flader
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Wie war es denn jetzt? Patient
Wie war es denn jetzt? Patienten sollen ihre Ärzte kurz und knapp im Internet bewerten können und es anderen Leuten einfacher machen, eine Auswahl zu Foto: imago/Eduard Bopp

Stolberg. Für Befürworter ist es der „Schutz der Patienten”, für Gegner schlicht „unverantwortlich”. Mit ein paar Klicks können Patienten in vielen Städten ihre Ärzte bereits seit rund einem Jahr online bewerten - seit Anfang Mai gilt das auch für die Stolberger Kunden der Gesundheitskassen Barmer und AOK.

Stolberg. Für Befürworter ist es der "Schutz der Patienten", für Gegner schlicht "unverantwortlich". Mit ein paar Klicks können Patienten in vielen Städten ihre Ärzte bereits seit rund einem Jahr online bewerten - seit Anfang Mai gilt das auch für die Stolberger Kunden der Gesundheitskassen Barmer und AOK.

Mit einem, maximal zwei oder drei Klicks sollen sich Patienten im sogenannten "Arzt-Navi" der Kassen ihre Erfahrungen mit verschiedenen Ärzten einspeisen und so die Mediziner weiterempfehlen - oder Kritik äußern. Jörg Spölgen von der Barmer Stolberg sagt: "Wenn es um Praxisorganisation, Arztkommunikation oder bestimmte Behandlungsfragen geht, können Patienten gut mitreden."

"Wie Mund-zu-Mund-Propaganda"

Sobald insgesamt zehn Bewertungen zu einem Arzt vorliegen, sollen die Ergebnisse im Internet für jedermann sichtbar werden. Bei vergleichbaren Untersuchungen in Berlin und Hamburg hätten rund 90 Prozent der Patienten angegeben, ihren Arzt "bestimmt" oder "wahrscheinlich" weiterempfehlen zu wollen. So weit, so gut.
Oder auch nicht. Denn die Mediziner in der Region stehen der Bewertung via Internet zwar gelassen gegenüber, gut heißt diese Art der Patientenbefragung aber nicht jeder. "Grundsätzlich ist es ja nichts anderes als Mund-zu-Mund-Propaganda", sagt Dr. Lothar Nossek, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Aachen-Land. "Man muss aber bedenken, dass es sich natürlich um eine rein subjektive Einschätzung handelt. Wenn es nur zehn Bewertungen braucht, um das öffentlich zu machen, dann kann ein Arzt, der sehr gute Arbeit leistet, schnell in einem falschen Licht dastehen."

Nossek plädiert für eine Mindestzahl von 100 Einschätzungen, "ansonsten ensteht ein wenig repräsentatives Bild." Für ihn bewährt sich eher die klassische Patientenbefragung in der Praxis, "so machen wir das seit Jahren und da funktioniert das auch anonym."
Der Alsdorfer Arzt hält die Bewertung im Netz zwar für einen "Anhaltspunkt, den man aber kritisch hinterfragen muss". Das Gesundheitssystem sei außerdem kein "Selbstbedienungsladen". Er schätzt, dass Ärzte, die ihren Patienten gegenüber kritischer eingestellt sind, "auch kritischer bewertet werden". Das gelte aber nicht nur für die neue Online-Variante.

Dr. Lothar Nossek bezeichnet die Bewertung per Mausklick als "Trend zur Mediengesellschaft".
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