Stolberger Schulen voll: Erprobungsstufe nicht geschafft, was nun?

Von: Katharina Menne
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An diesen Anblick kann sich Jason schon mal gewöhnen: Nach den Ferien hat er einen Platz an der Realschule Mausbach, versichert Schulverwaltungsamtsleiterin Petra Jansen. Foto: Menne/Collage: H.-G. Classen

Stolberg. Man kann arbeitslos sein – aber schullos? Während andere Kinder bereits die erste Ferienwoche genießen, bangt der zwölfjährige Jason Zimmermann noch um seinen Schulplatz im kommenden Schuljahr. Er hat die Erprobungsstufe am Stolberger Goethe-Gymnasium nicht geschafft.

Das bedeutet, dass er entweder die Schulform wechseln oder aber die 6. Klasse wiederholen muss. Doch das ist leichter gesagt als getan. „Ich habe bereits die Stolberger Gesamtschule, die Sekundarschule und die Realschule angerufen“, sagt Jasons Mutter, Nehed Sahli-Zimmermann, verzweifelt.

„Keine der Schulen hatte auf Anfrage einen Platz für meinen Sohn.“ Wiederholen komme jedoch nicht in Frage. „Seit sicher ist, dass er die Klasse nicht schafft, hat er damit abgeschlossen und möchte gerne woanders hin“, sagt sie. „Es kann aber doch nicht sein, dass keine der Schulen freie Plätze hat?“

Plätze freihalten geht nicht

Dass eine solche Situation eigentlich nicht vorkommen dürfe, bestätigt auch Schuldezernent Robert Voigtsberger. „Das ist in der Tat eine Herausforderung des aktuellen Systems“, sagt er. Die Gesamtschule und die Sekundarschule seien voll belegt. 70 bis 90 Kinder mussten zum letzten und auch zu diesem Schuljahr abgelehnt werden. Plätze für Schulwechsler freizuhalten, um ihnen einen Platz garantieren zu können, gehe schon allein aus rechtlichen Gründen nicht. „Vorhandene Schulplätze müssen im Anmeldeverfahren bis auf den letzten Platz verteilt werden“, sagt er.

Die Schwierigkeit sei eher, so Voigtsberger weiter, dass Eltern ihre Kinder vorschnell am Gymnasium anmeldeten, ohne zu bedenken, dass sie damit eine Entscheidung für das dreigliedrige Schulsystem getroffen haben. Wenn es dann am Gymnasium nicht klappe, erwarteten sie, dass die Kinder automatisch ins integrierte System, also an die Gesamtschule, wechseln könnten. Doch so einfach sei das nicht. „Anders als auf den Realschulplatz haben Eltern bei einem Schulwechsel nach der gymnasialen Erprobungsstufe keinen Anspruch auf einen Platz in der Gesamtschule.“

Bleibt in Stolberg also nur die Realschule Mausbach als Alternative für Jason. Dort habe sie bereits im Juni versucht, einen Termin mit der Schulleitung zu bekommen, erzählt Nehed Sahli-Zimmermann. Doch man habe sie immer wieder vertröstet. „Als ich dann am vergangenen Donnerstag kurz vor Ferienbeginn erneut angerufen habe, hat man mir gesagt, dass wohl keine Plätze frei seien, wenn sich die Schulleitung noch nicht bei mir gemeldet habe.“ Ein Schock für die ganze Familie. Was nun?

Außer Jason sind auch noch weitere Kinder in der Stadt von dem Nadelöhr betroffen. „Durchschnittlich ist es zwar nur ein Kind pro Klasse, das die Erprobungsstufe nicht schafft“, sagt Petra Jansen, die Leiterin des Schulverwaltungsamts, „doch für diese Kinder ist es verständlicherweise wichtig zu wissen, wie es weitergeht.“ Genauere Zahlen zu den Betroffenen lägen nicht vor. Es sei aber leider der Regelfall, dass sich der gesamte Prozess bis kurz vor den Ferien hinziehe oder sogar bis in die letzte Ferienwoche hinein, da manche Entscheidungen erst in den letzten Schulkonferenzen und mit Ausstellung der Zeugnisse gefällt werden könnten.

Natürlich können die Eltern sich auch außerhalb Stolbergs nach einer geeigneten Schule mit freien Plätzen umschauen. Golzar Ahmed, die Mutter des zwölfjährigen Lauk Sadik, der ebenfalls die Erprobungsstufe nicht geschafft hat, hat es neben Stolberg auch an den Gesamtschulen in Eschweiler und Aachen versucht. Doch das Zeugnis des Jungen ist so schlecht, dass sie auch hier nur Absagen bekam.

Selbst die Realschule Mausbach wollte ihn zuerst nicht nehmen. „Die Rechtslage ist aber so, dass das Kind einen Anspruch auf einen Realschulplatz hat“, sagt Petra Jansen. „In diesem besonderen Fall werde ich in der letzten Ferienwoche noch mal Rücksprache mit der Schulleitung halten. Zurzeit ist dort wegen der Ferien leider niemand erreichbar.“

„Schullos bleibt kein Kind“

Für den theoretischen Fall, dass die nächstgelegene Realschule ebenfalls voll wäre, müsste das entsprechende Gymnasium der Bezirksregierung melden, dass das Kind unversorgt ist und eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden. „Schullos bleibt definitiv kein Kind“, sagt Jansen.

Wie aber reagiert die Stadt auf die Schulengpässe? „Ab dem Schuljahr 2017/18 soll es laut dem aktuellen Schulentwicklungsplan zwei fünfzügige Gesamtschulen im Stadtgebiet geben“, sagt Jansen. Den Hauptausschuss hat der Plan bereits erfolgreich passiert.

Dieser sieht vor, dass die Städtische Gesamtschule ausgebaut und aufgestockt wird und auf dem Gelände der Realschule Mausbach eine neue fünfzügige Gesamtschule eingerichtet wird. Damit ist auch die Realschule in Stolberg ein Auslaufmodell. Zukünftig sind Gymnasien und Gesamtschulen die beiden einzigen weiterführenden Schulformen in der Kupferstadt.

Jason Zimmermann zumindest kann ab sofort die vor ihm liegenden Sommerferien genießen: Er wird ab dem nächsten Schuljahr einen Platz an der Realschule Mausbach haben. Das sicherte Petra Jansen der Familie nach Absprache mit Schulleiterin Charlotte Eßer zu. Es sei am Ende des Schuljahrs lediglich zu Kommunikationsengpässen gekommen, weshalb man die Zimmermanns noch nicht habe kontaktieren können, heißt es.

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